Donnerstag, 1. September 2016

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Börse feiert Siemens-Zahlen Siemens schlägt Erzrivalen GE im ersten Quartal

Joe Kaesers gemischte Bilanz: Die Tops und Flops der Siemens-Sparten
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DPA

Mit einem Feuerwerk an guten Nachrichten will Siemens seine Aktionäre versöhnen. Auftragseingang, Umsatz und Gewinn sind im ersten Quartal kräftig gestiegen. Vorstandschef Joe Kaeser hob vor der Hauptversammlung am Dienstag in München zudem die Gewinnprognose für das Geschäftsjahr auf mindestens 5,3 Milliarden Euro an.

Die Nachricht verfehlte ihre Wirkung bei den Investoren nicht: Gegen Mittag kletterte die Aktie von Siemens rund 7,62 Prozent auf knapp 90 Euro in die Höhe und führte den Dax damit unangefochten an. Die Zunft der Analysten äußerte sich überwiegend positiv zu den Ergebnissen. Eine ganze Reihe von ihnen wiederholte ihre Kaufempfehlung.

"Wir sind stark, ich glaube sogar sehr stark ins neue Geschäftsjahr gestartet, und das vor dem Hintergrund eines schwierigen geopolitischen und wirtschaftlichen Umfelds", sagte Kaeser am Dienstag kurz vor Beginn der Hauptversammlung in der Münchner Olympiahalle. Dank der vollen Auftragsbücher werde es trotz der sich weiter eintrübenden Weltwirtschaft "ein vergleichsweise gutes Jahr für Siemens" werden, sagte Kaeser dann vor Publikum.

Siemens lässt Erzrivale GE im ersten Quartal hinter sich

Dabei sorgten ausgerechnet jene Geschäftsfelder, denen Experten am wenigsten zutrauten, für üppige Zuwächse. Großbestellungen von Kraftwerken, Zügen und die hohe Nachfrage nach Medizintechnik in China stimmten Kaeser optimistisch.

Der Umsatz kletterte im Auftaktquartal um 8 Prozent 18,9 Milliarden Euro, der Auftragseingang um gut ein Viertel auf 22,8 Milliarden Euro. Damit schnitt Siemens besser ab als Erzrivale General Electric (GE), wenn auch die Münchner nicht an die Margen der Amerikaner herankommen.

Konzernumbau abgeschlossen, Industriegeschäft wieder profitabel

Sein Kurs beginne sich auszuzahlen, sagte Kaeser: Der Konzernumbau sei weitgehend abgeschlossen, das Projekt- und Risikomanagement sei besser geworden, die Sonderbelastungen seien gesunken. Das Industriegeschäft laufe wieder sehr profitabel : "Wir nähern uns wieder an die Konkurrenz an."

Das besonders profitable Geschäft mit der Digitalisierung von Fabriken - einer der neuen Tragpfeiler von Siemens - entwickle sich dank der starken Nachfrage aus Europa hervorragend und werde sich ab April beleben.

Um dieses Geschäftsfeld weiter zu stärken, übernimmt Siemens jetzt für 970 Millionen Dollar die New Yorker Software-Firma CD-adapco und investiert damit gleich wieder einen Großteil des Quartalsgewinns. Mit den Programmen könnten zum Beispiel Auto- oder Flugzeughersteller Strömungen entlang der Karosserie oder der Tragfläche simulieren und die Entwicklungszeit um ein Drittel verkürzen, sagte Kaeser. Mit der Übernahme baue Siemens seine Führungsrolle bei der industriellen Digitalisierung weiter aus.

Medizintechnik größter Gewinnbringer, Zugsparte mit Zukunft

Einer der Wachstumsträger 2016 werde die Zugsparte sein. "Sie steht heute blendend da", sagte Kaeser und verwies auf Aufträge von der Berliner S-Bahn, der algerischen Bahn und den in Aussicht stehenden Großauftrag der iranischen Bahn.

In der Medizintechnik - im ersten Quartal der größte Gewinnbringer - sei "Siemens heute das Maß aller Dinge" , wie der Vergleich mit der Konkurrenz zeige, sagte Kaeser.

Mit seiner Gesundheitssparte zog der Wettbewerber Philips allerdings zuletzt noch mehr Bestellungen an Land als Siemens. Bei der Medizintechnik verbuchte Philips - bereinigt um Währungseffekte - im vergangenen Vierteljahr ein Auftragsplus von 15 Prozent. Vor allem die Nachfrage nach Computertomographen aus Nordamerika und China stieg an - unter dem Strich und auf Konzernebene schnitt Philips aber deutlich wegen hoher Pensionslasten schlechter ab als Siemens.

Siemens-Turbine: Ausgerechnet jene Geschäftsfelder, denen Experten am wenigsten zutrauten, sorgen bei Siemens für üppige Zuwächse. Dazu zählen auch Großbestellungen von Kraftwerken
Während Philips hier leicht in die Verlustzone rutschte schoss Siemens' Konzerngewinn im ersten Quartal um 42 Prozent auf 1,56 Milliarden Euro hoch, hatte Siemens bereits am Abend zuvor mitgeteilt. Der Auftragseingang stieg um ein Viertel auf 22,8 Milliarden Euro. Der Umsatz kletterte um 8 Prozent auf 18,9 Milliarden Euro, auch dank Rückenwind durch den schwachen Euro.

Kaeser sieht die Trendwende eingeleitet

Nach mehreren Quartalen des organischen Umsatzrückgangs habe Siemens nun "die Trendwende eingeleitet". "Ich gehe davon aus, dass wir diese Trendwende in zweiten Quartal deutlich verstärken", sagte Kaeser. Das organische Umsatzwachstum - also die Steigerung der Erlöse aus eigener Kraft ohne Zukäufe - werde im Gesamtjahr größer sein als im ersten Geschäftsquartal: "Ich glaube, das ist eine sichere Wette."

Analyst: "Die Zahlen überzeugen auf ganzer Linie"

Analysten lobten die Ergebnisse. "Die Zahlen überzeugen auf ganzer Linie", urteilte Volker Stoll von der LBBW. "Die robuste industrielle Leistung in dem Quartal dürfte Siemens zu einem der besten Branchenunternehmen in dieser Bilanzsaison machen", erklärte Fredric Stahl von UBS. Siemens habe mit den Ergebnissen in der Energietechnik Sorgen zerstreut, die der seit Monaten fallende Ölpreis mit sich bringe.

Kaeser hatte eingeräumt, dass Förderunternehmen weniger neue Technik bestellten, allerdings profitiere sein Haus weiter von der Wartung der installierten Anlagen. Das Servicesegment hat traditionell sehr hohe Margen und kann kleinere Einbußen komfortabel wegstecken. Im Kraftwerksbereich konnte Siemens entgegen aller Befürchtungen GE und Alstom Marktanteile abjagen. Bei großen Gasturbinen sei der Marktanteil der Münchner auf 25 von zuvor 20 Prozent gestiegen, sagte Kaeser. Im laufenden Jahr werde er weiter wachsen. Allerdings herrsche in der Energietechnik ein knüppelharter Preiskampf.

rei/dpa/reuters

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