Dienstag, 20. November 2018

Siemens Gamesa kehrt zu Wachstum zurück Umbau drückt Gewinn bei Siemens

Siemens-Chef Joe Kaeser

Der Windanlagenbauer Siemens Gamesa hat im vierten Quartal wieder bessere Geschäfte verzeichnet. Dank einer sich erholenden Auftragslage für Windenergieanlagen an Land stiegen die Umsätze im vierten Quartal im Jahresvergleich um 12 Prozent auf 2,6 Milliarden Euro, wie die Siemens-Tochter am Dienstag in Zamudio mitteilte.

Einsparungen sowie eine steigende Produktivität konnten den anhaltenden Preisdruck zum Teil ausgleichen. Das bereinigte operative Ergebnis (Ebit) verbesserte sich im am 30. September beendeten Quartal auf 215 Millionen Euro. Ein Jahr zuvor hatte Siemens Gamesa hier noch einen Verlust von 19 Millionen verzeichnet. Allerdings war das vierte Quartal des Vorjahres unter anderem von Abschreibungen geprägt. Netto verdiente der Konzern nun 25 Millionen Euro, verglichen mit einem Fehlbetrag von 147 Millionen Euro. Im Gesamtjahr 2017/18 erreichte Siemens seine Ziele.

Für das neue Geschäftsjahr erwartet das Unternehmen nach den Rückgängen der Vorjahre wieder einen Umsatzanstieg von 9,1 Milliarden auf 10 bis 11 Milliarden Euro. Die bereinigte Ebit-Marge soll 7 bis 8,5 Prozent erreichen, nach 7,6 Prozent im Vorjahr.

Siemens legt am Donnerstag Zahlen für Gesamtjahr vor

Der Elektrokonzern Siemens legt an diesem Donnerstag (8.11.) seine Zahlen für das vierte Quartal und das Gesamtjahr 2017/18 (per 30. September) vor.

LAGE DES UNTERNEHMENS: Siemens befindet sich in einem großangelegten Konzernumbau. Mit dem Windanlagenbau (Siemens Gamesa ) und der Medizintechnik (Siemens Healthineers ) hat der Münchener Konzern zwei große Sparten in die Unabhängigkeit entlassen, das Zuggeschäft soll nach der Fusion mit dem französischen Konkurrenten Alstom im kommenden Jahr folgen. An allen Dreien will Siemens mehrheitlich beteiligt bleiben.

Unternehmenschef Joe Kaeser will danach innerhalb des Konzerns weitere Geschäfte zusammenlegen und sich künftig auf drei operative Bereiche mit Schwerpunkt auf die Digitalisierung konzentrieren. So soll mittelfristig das Wachstum angekurbelt und die Profitabilität weiter gesteigert werden. Den einzelnen Geschäften soll künftig deutlich mehr unternehmerische Freiheit unter der Marke Siemens gegeben werden. Zudem setzt der Konzern den neuen Bereichen ehrgeizige Margenziele.

In den drei neuen Sparten Gas & Power, Smart Infrastructure sowie Digital Industries sollen die bisherigen Bereiche Gebäudetechnik, Energiemanagement, das Kraftwerksgeschäft, große Teile des Bereichs Prozessindustrie und Antriebe sowie die Digitale Fabrik aufgehen. Zwei der drei Sparten werden dabei ihren Sitz im Ausland haben. Nur das Geschäft mit der Digitalisierung bleibt in Deutschland und wird in Nürnberg seinen Sitz haben. Siemens will dabei auch in neue Wachstumsgebiete investieren, wie etwa in das Internet der Dinge, dezentrales Energiemanagement oder infrastrukturelle Elektromobilität. Ausgebaut werden soll auch die industrielle Digitalisierung.

DAS ERWARTET DAS UNTERNEHMEN: Das Geschäftsjahr 2017/18 ist geprägt durch hohe Restrukturierungskosten für den Personalabbau bei Gamesa, Healthineers sowie dem Kraftwerksgeschäft. Zudem schlagen Kosten für die geplante Zugfusion zu Buche. Für das vierte Quartal erwartet Finanzchef Ralf Thomas daher früheren Aussagen zufolge höhere Kosten als in den Vorquartalen. Der anhaltende Gewinnrückgang im Kraftwerksgeschäft bremste zudem die Entwicklung bislang deutlich. Erfreulich entwickelte sich dagegen der Auftragseingang im Konzern. Auch das Kraftwerksgeschäft konnte hier zuletzt den Abwärtstrend stoppen.

Für das abgelaufene Geschäftsjahr erwartet der Konzern bereinigt einen Gewinn je Aktie von 7,70 bis 8,00 Euro. Die Ergebnismarge im industriellen Geschäft soll weiter bei 11 bis 12 Prozent liegen, nach 11,1 Prozent im Vorjahr. Die Ergebnisprognosen sind dabei um Kosten für den geplanten Personalabbau bereinigt. Der Umsatz soll bereinigt um Währungseffekte und Zu- und Verkäufe leicht steigen.

DAS ERWARTEN ANALYSTEN: Für die Analysten rücken die Zahlen angesichts der zukünftigen Aufstellung des Konzerns in den Hintergrund. Sie erhoffen sich mehr Details zur neuen Strategie. Bei der Vorstellung im August war Konzernchef Kaeser noch eher vage geblieben. Peter Reilly vom Analysehaus Jefferies erwartet jedoch eine klarere Sicht auf die Dinge erst im kommenden Frühjahr. Die Zahlen zum vierten Quartal bezeichnete er als "non-Event".

Experte Ingo Schachel von der Commerzbank erwartet eine "solide Entwicklung" in den letzten drei Geschäftsmonaten. Der Auftragseingang dürfte dank eines hohen Neugeschäfts in der Zugsparte weiter robust ausfallen. Die Profitabilität sollte sich auch saisonal bedingt bereinigt um Sonderfaktoren in den meisten Geschäften verbessern. Für die schwächelnde Kraftwerkssparte erwartet er dabei eine Stabilisierung der Marge. Unter dem Strich dürfte das Siemens-Ergebnis jedoch deutlich schlechter ausfallen als im Vorjahr - wegen der zu erwartenden Kosten für den Personalabbau und die Abtrennung der Zugsparte.

Für das Schlussquartal 2017/18 erwarten 23 befragte Marktexperten nach einem von Siemens zusammengestellten Konsens (29. Oktober) insgesamt mit knapp 22,7 Milliarden Euro einen leicht höheren Umsatz im Vergleich zum Vorjahresquartal. Das Ergebnis der Industriegeschäfte dürfte geringfügig von rund 2,2 Milliarden auf 2,1 Milliarden Euro sinken. Netto sollte sich der Gewinn nach Minderheiten mit geschätzten 574 Millionen Euro dagegen mehr als halbieren. Im gesamten Geschäftsjahr dürften Sondergewinne ausgleichend wirken, etwa der Verkauf der restlichen Osram-Anteile.

DAS MACHT DIE AKTIE: Aktionäre haben in diesem Jahr bislang wenig Freude an ihren Papieren. Seit Jahresbeginn belaufen sich die Kursverluste auf mehr als zehn Prozent. Die im dpa-AFX Analyser zusammengefassten Analysten empfehlen die Aktien zwar mehrheitlich zum Kauf, doch zum durchschnittlichen Kursziel von knapp 130 Euro besteht aktuell noch ein erheblicher Spielraum. Zwar hat sich das Papier zwischen April bis Anfang August im europäischen Sektorvergleich überdurchschnittlich geschlagen, nach einem Zwischenhoch bei knapp 122 Euro traten sie aber den Rückzug an. Derzeit notiert die Aktie bei etwas unter 103 Euro./

la/dpa

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