Sonntag, 16. Dezember 2018

Hoffnung für angeschlagene Siemens-Sparte Siemens vor Milliardenauftrag im Irak

Siemens-Kraftwerke in Ägypten: Hier hat der Industriekonzern den Auftrag bereits bekommen

Siemens-Vorstandschef Joe Kaeser wirbt beim irakischen Ministerpräsidenten für ein Milliardenprojekt zur Erneuerung der Energieversorgung des kriegszerstörten Landes. Kaeser sprach am Sonntag in Bagdad mit Haider al-Abadi über einen Großauftrag zur Erneuerung der Energieversorgung im Irak.

Mit dem Aufbau einer zusätzlichen Energieerzeugungskapazität von elf Gigawatt in den nächsten vier Jahren ließen sich 23 Millionen Iraker zuverlässig mit Strom versorgen, erklärte der Münchener Industriekonzern nach dem Treffen am Sonntag. Nach einem Bericht des "Handelsblatts" geht es um einen hohen einstelligen Milliardenbetrag. Siemens ist Branchenkreisen zufolge aber nicht der einzige Bewerber.

Siemens Börsen-Chart zeigen will die Stromproduktion im Irak nach dem Plan um 50 Prozent ausbauen. Vorbild für die geplante Vereinbarung ist ein ähnliches Geschäft mit Ägypten, das Kaeser persönlich vereinbart hatte. Damit hatte Siemens die angeschlagene Gas- und Dampf-Turbinensparte "Power & Gas" länger ausgelastet. Ein Auftrag aus dem Irak könnte ihr weitere Arbeit verschaffen. Der Sparte droht der Abbau von mehr als 6000 Arbeitsplätzen, die Hälfte davon in Deutschland. Siemens erklärte, der Mega-Auftrag könnte im Irak Zehntausende von Arbeitsplätzen schaffen.

Kaeser nannte das Gespräch mit al-Abadi "konstruktiv". "Wir haben dem irakischen Volk ein Versprechen gegeben und wir wollen es in die Tat umsetzen." Siemens will zudem ein Krankenhaus, eine Schule und Software für die Universitäten im Irak spenden.

Finanziert werden soll das Projekt von internationalen Banken und Hermes-Bürgschaften, für die der deutsche Staat einsteht. Deutschland will sich stärker am Wiederaufbau des Irak beteiligen und die wirtschaftlichen Beziehungen zu dem innenpolitisch nach wie vor unruhigen Land ausbauen. Kaeser war in Bagdad Teil einer Delegation um Wirtschaftsstaatssekretär Thomas Bareiß.

Immer mehr deutsche Unternehmen im Irak engagiert

Nach langen Jahre von Krieg und Zerstörung sei der Irak nun auf gutem Weg, zerstörte Infrastruktur wiederaufzubauen und das Land auf die Zukunft auszurichten, sagte Bareiß. Hierbei könne und wolle Deutschland helfen. "Es freut mich, das sich wieder zunehmend mehr deutsche Unternehmen im Irak engagieren und am Wiederaufbau mitarbeiten." Das helfe dem Irak dabei, mit lokaler Wertschöpfung und der Qualifizierung einheimischer Mitarbeiter wieder ein solides wirtschaftliches Fundament in dem Land aufzubauen.

Deutschland unterstützt den Wiederaufbauprozess in den vom IS befreiten Gebieten mit einem ungebundenen Finanzkredit von bis zu 500 Millionen Euro. Die Bundesregierung sieht dabei aber die irakische Regierung in der Verpflichtung, mit Reformen den Wiederaufbau auch mit Hilfe privater Investitionen abzusichern.

Der bilaterale Handel zwischen Deutschland und dem Irak belief sich im vergangenen Jahr auf gut 1,6 Milliarden Euro. Knapp eine Milliarden Euro davon entfiel auf Importe aus dem Irak, überwiegend Öl. Während die Importe im Vergleich zu 2016 um fast 64 Prozent zulegten, ging das deutsche Exportgeschäft in den Irak leicht zurück.

mg/rtr

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