Mittwoch, 19. September 2018

Spätes Dementi verblüfft Investoren Siemens-Chef Joe Kaeser avisiert Abbau von 20.000 Stellen

Siemens-Chef Joe Kaeser: Einsparungen sollen bis zu zwei Prozentpunkte mehr Marge bringen
Getty Images for Fortune
Siemens-Chef Joe Kaeser: Einsparungen sollen bis zu zwei Prozentpunkte mehr Marge bringen

Mit seiner neuen Strategie "Vision 2020+" will Siemens-Chef Joe Kaeser massiv Kosten sparen. Im Zuge des neuerlichen Umbaus könnten 20.000 Arbeitsplätze überflüssig werden, sagte Kaeser auf seiner Roadshow Anfang August in Einzelgesprächen mit mehreren Investoren. Dies berichtet das manager magazin in seiner neuen Ausgabe, die ab Freitag (24. August) im Handel ist. Als manager magazin am vorvergangenen Donnerstag (16. August) um Stellungnahme bat, lehnte Siemens einen Kommentar zunächst ab.

Nachdem manager magazin am gestrigen Donnerstag eine Welle der Berichterstattung ausgelöst hatte, dementierte Siemens am Freitagvormittag und damit fast 24 Stunden nach Veröffentlichung des mm-Berichts: "Der Bericht über den angeblichen Abbau von 20000 Arbeitsplätzen im Rahmen der Umsetzung der Unternehmensstrategie "Vision2020+" entbehrt jeder Grundlage. Wir können die im Magazin genannten Zahlen nicht nachvollziehen. Entsprechende Äußerungen hat es in dieser Form nicht gegeben."

Bei Investoren, denen Kaeser die Abbauziele genannt hatte, wurde das Dementi mit Fassungslosigkeit kommentiert. "Damit setzt Kaeser seine Glaubwürdigkeit bei den Investoren auf's Spiel", sagte ein Fondsmanager, der namentlich nicht genannt werden wollte, dem manager magazin. Ein weiterer ergänzte: "JK (Joe Kaeser) wants the cake and eat it - telling investors he is cutting and telling the general public he is not!"

Der bevorstehende Job-Abbau beziehe sich ausschließlich auf sämtliche zentralen Funktionen weltweit, nicht auf Mitarbeiter in den Werken, heißt es in dem Magazinbericht weiter. In einer kleinen Runde mit Analysten betonte Kaeser dem Blatt zufolge, die Effizienz in den Querschnittsfunktionen wie Personal, Finanzen oder Recht solle bis 2021 um mehr als 20 Prozent steigen. Zudem seien Einsparungen von 10 bis 20 Prozent bei den internen Dienstleistern für IT und andere Standardprozesse (Shared Services) geplant.

Diese Sparziele hatte Siemens Börsen-Chart zeigen auch in der am 3. August veröffentlichten Strategiepräsentation genannt, in der Kaeser verkündete, die Siemens-Geschäfte künftig in "sechs Siemens-Unternehmen" mit größeren unternehmerischen Freiheiten zu führen und Tausende Jobs aus der Zentrale in die operativen Einheiten zurück zu verlagern. Sie waren in der Presse- und Analystenkonferenz jedoch unerwähnt geblieben und deshalb untergegangen.

Wie Kaeser den Analysten nach Informationen von manager magazin weiter sagte, sollen die Einsparungen in den Querschnittsfunktionen sowie bei den Shared Services bis zu zwei Prozentpunkte mehr Marge bringen. Dies entspricht exakt dem Ziel der "Vision 2020+", die Marge mittelfristig um zwei Prozentpunkte zu steigern. Rechnerisch ergibt sich daraus ein Sparvolumen von 1,7 Milliarden Euro.

Bei den Arbeitnehmern dürften die Pläne auf Widerstand stoßen. "Wir haben die Zusage des Vorstands, dass die neue Strategie kein verkapptes Abbauprogramm ist", sagte ein IG-Metall-Sprecher auf Anfrage des Magazins.

Kaesers Worten gegenüber den Analysten zufolge wird zudem an einer Partnerschaft für das kriselnde Gasturbinengeschäft mit Priorität gearbeitet. Die US-Bank Morgan Stanley zitierte den Vorstand, dieser sei "sehr zuversichtlich, eine Transaktion abzuschließen". Es würden "in China laufend Diskussionen auf Führungsebene geführt". Auch hierzu lehnte Siemens einen Kommentar ab.

Mehr Wirtschaft aus erster Hand? Der obige Text ist nur ein minimaler Ausschnitt aus der September-Ausgabe des manager magazins. Das neue Heft (und die nächste Ausgabe) können Sie hier im Vorteilsangebot bestellen.
Oder stöbern Sie hier in der digitalen Ausgabe des manager magazins.

© manager magazin 2018
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH