Donnerstag, 16. August 2018

Debatte um Kahlschlag in der Kraftwerkssparte Was Chefaufseher Snabe anders machen will

Jim Hagemann Snabe: Der Ex-SAP-Chef wird am Mittwoch Gerhard Cromme als Aufsichtsratschef bei Siemens ablösen

Wenn Jim Hagemann Snabe nach der Siemens-Hauptversammlung am Mittwoch Siemens-Chefkontrolleur Gerhard Cromme ablöst, will er die Flexibilität und Schnelligkeit der Arbeit des Aufsichtsrats deutlich erhöhen. Künftig sollten die Siemens-Räte mindestens einmal im Jahr grundsätzlich über die Strategie des Münchener Industrieriesen diskutieren, sagte Snabe im aktuellen manager magazin. Der frühere SAP-Co-CEO gehört dem Siemens-Kontrollgremium seit 2013 an und wurde vor einem Jahr zum Nachfolger für den altersbedingt ausscheidenden Cromme gekürt.

Unter Cromme fanden Strategiediskussionen eher reaktiv auf Vorstandsvorlagen statt, zum Beispiel, als der Siemens Börsen-Chart zeigen -Vorstand den Kontrolleuren 2016 die Einbringung der Windsparte in den börsennotierten spanischen Rivalen Gamesa vorschlug. Die letzte umfassende Beschäftigung des Aufsichtsrats mit der Strategie des gesamten Unternehmens datiert bis 2014 zurück, als Siemens-Chef Joe Kaeser sein Unternehmenskonzept "Vision 2020" vorstellte.

Diese Strategie, die Kaeser als Ausrichtung des Unternehmens auf Wachstumsfelder entlang der Wertschöpfungskette der Elektrifizierung beschrieb, ist weitgehend abgearbeitet; so soll noch vor Ostern die in "Siemens Healthineers" umbenannte Medizintechniksparte an die Börse. Noch in diesem Frühjahr will der CEO ein Folgekonzept mit dem Arbeitstitel "Vision 2020+" vorstellen.

Kaeser dürfte Umbau mit Snabe eher noch beschleunigen

Mit Snabe dürfte Kaeser seine Umbaupläne eher noch beschleunigen. Der Däne proklamiert stets, der tiefgreifende Wandel durch neue Technologien zwinge Unternehmen, sich immer wieder neu zu erfinden. Deshalb könne man auch keine Strategie für 2030 machen, sagte er dem manager magazin. Man könne aber "eine ambitionierte Richtung festlegen und dann über Iterationen lernen. Das bedeutet aber auch, dass wir ständig gucken müssen: wo stehen wir und wie optimieren wir weiter."

Während Kaeser die künftige Ausrichtung des Konzerns als "koordinierten und leistungsfähigen Flottenverbund" weitgehend selbständig agierende Schiffe beschreibt, hat Snabe dafür einen Vergleich aus der IT-Welt parat: So wie vor Jahrzehnten der Mainframe erst durch ein Netzwerk kleiner Computer und dann durch das Smartphone ersetzt wurde, müssten in der heutigen flexiblen Welt auch bei Siemens die Bereiche "unabhängiger agieren können, aber noch integriert bleiben.

Die Plattform liefert diese Integration und einen Mehrwert", sagte Siemens' neuer Chefaufseher. Der Mehrwert der Plattform Siemens bestehe zum großen Teil in der Marke, aber auch in übergreifenden Technologien wie MindSphere, Siemens' Cloud-basiertem Betriebssystem für das industrielle Internet.

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