Samstag, 16. Dezember 2017

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Offener Brief des Siemens-Chefs an SPD-Chef Schulz SPD-Chef Schulz greift Kaeser an - und Kaeser keilt zurück

SPD-Chef Schulz wirft Kaeser verantwortungsloses Handeln vor. Kaeser schreibt zurück: "Vielleicht sollten Sie sich überlegen, wer wirklich verantwortungslos handelt"
REUTERS; DPA
SPD-Chef Schulz wirft Kaeser verantwortungsloses Handeln vor. Kaeser schreibt zurück: "Vielleicht sollten Sie sich überlegen, wer wirklich verantwortungslos handelt"

Während die Siemens-Führung an die Kompromissbereitschaft appelliert, machen die Beschäftigten bei einer Demo ihrem Zorn gegen den geplanten Stellenabbau Luft. SPD-Chef Martin Schulz bezeichnet den Stellenabbau als "asozial". Siemens-Chef Kaeser keilt mit scharfer Kritik an Schulz zurück.

Der Protest gegen den geplanten Abbau tausender Stellen bei Siemens hat am Donnerstag große Teile der Berliner Innenstadt lahmgelegt. Beschäftigte des Elektrokonzerns demonstrierten mit einem Autokorso gegen die Stellenstreichungen. Rund 200 Autos folgten hupend einem Motivwagen, der Siemens-Chef Joe Kaeser zeigen sollte. Insgesamt wollten etwa 2500 Mitarbeiter demonstrieren. Mit von der Partie war auch SPD-Chef Martin Schulz. Er hatte die geplanten Stellenstreichungen am Vortag scharf kritisiert und legte am Donnerstag noch einmal nach.

Schulz nennt Vorgehen von Siemens "asozial" - und Kaeser keilt zurück

Kaesers offener Brief an Schulz
"Wer handelt hier eigentlich verantwortungslos?"

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Schulz nannte auf der Kundgebung die Streichung Tausender Jobs volkswirtschaftlich verantwortungslos: "Dass durch Arbeitsplatzabbau die Effizienz des Unternehmens gesteigert wird, heißt übersetzt: Damit wir noch ein bisschen mehr Gewinn machen, schmeißen wir die Leute raus. Das ist asozial." Zugleich räumte Schulz aber auch ein, die Politik selbst könne nur wenig tun, um den Stellenabbau bei Siemens zu verhindern.

Diese Vorwürfe lässt das Siemens-Management nicht auf sich sitzen - und keilte in einem offenen Brief an SPD-Chef Schulz zurück: "Vielleicht sollten Sie sich dabei auch überlegen, wer wirklich verantwortungslos handelt: Diejenigen, die absehbare Strukturprobleme proaktiv angehen und nach langfristigen Lösungen suchen, oder diejenigen, die sich der Verantwortung und dem Dialog entziehen", heißt es in dem Brief.

Zur Kundgebung am Tagungshotel der jährlichen Siemens-Betriebsräteversammlung in Neukölln wollten der IG Metall zufolge 2000 Teilnehmer aus ganz Deutschland kommen.

"Werden ordentlich Krawall machen"

Siemens hatte angekündigt, weltweit 6900 Stellen abzubauen - davon etwa die Hälfte in Deutschland. Der Münchner Konzern reagiert damit nach eigener Begründung auf schlechter laufende Geschäfte in der Kraftwerks- und Antriebstechnik.

Proteste gegen Jobabbau bei Siemens in Berlin

Die IG Metall will das so nicht hinnehmen. Gewerkschaftschef Jörg Hofmann sagte der "Süddeutschen Zeitung" (Donnerstag), seine Organisation werde "nun ordentlich Krawall machen". Siemens solle über Investitionen Jobs schaffen. "Wir werden die Beschäftigten ganz bestimmt nicht alleine ihrem Schicksal überlassen", betonte er. Vage blieb Hofmann bei der Frage, ob es zu Ausständen bei dem Konzern kommt: "Streik bleibt immer das letzte Mittel."

Mehrere Landes-Wirtschaftsminister sowie die Berliner Wirtschaftssenatorin luden den Siemens-Vorstand zu einem Gespräch über den geplanten Stellenabbau ein. Man erwarte Erläuterungen über die Standortschließungen, teilten Ramona Pop (Grüne) und die Minister Martin Dulig aus Sachsen, Wolfgang Tiefensee aus Thüringen und Albrecht Gerber aus Brandenburg (alle SPD) mit. Vor dem Hintergrund der hohen Gewinne von Siemens und Leistungsfähigkeit der ostdeutschen Standorte könne man die Entscheidungen nicht nachvollziehen.

rei/la/dpa/reuters

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