Montag, 11. Dezember 2017

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Siemens-Chef hält an Börsengang der Medizintechnik fest "Make Siemens great again"

Siemens-Chef Kaeser hält am geplanten IPO der Medizintechnik fest: "Wir werden nicht als letztes Konglomerat der Welt das Licht ausmachen"

Am Morgen schlug Joe Kaeser doch mal ungewohnt kritische Töne gen Donald Trump an. "Es besorgt uns schon, dass wir Töne höre, die zur bisherigen Wahrnehmung dieses Landes nicht passen." Das hinderte den Siemens-Chef aber nicht daran, den Leitspruch des exaltierten US-Präsidenten flugs für Europas größten Industriekonzern zu adaptieren. Heute würde man, scherzte er, sein 2014 gestartetes Unternehmensprogramm "Vision 2020" womöglich "Make Siemens great again" nennen.

Solche Sprüche kann sich Kaeser leisten, ohne auch nur Stirnrunzeln beim Publikum zu erzeugen. Nach dreieinhalb Jahren an der Spitze von Siemens Börsen-Chart zeigen ist er unangefochten wie unter den Dax-Chefs vielleicht sonst nur noch Daimler-Chef Dieter Zetsche. Die Aktie von Siemens Börsen-Chart zeigen vollzog am Mittwoch einen Kurssprung und tastete sich an das Rekordhoch heran.

Und Kaeser baut Europas größten Industriekonzern immer weiter in Richtung Software-Konzern mit angeschlossener Industrieabteilung um. Dieser Ausdruck, wandte Chefkontrolleur Gerhard Cromme zwar ein, sei ebenso falsch wie der frühere Spott über Siemens als "Bank mit angeschlossener Elektroabteilung". Aber auch an jenem Begriff war damals, in den neunziger Jahren, einiges dran.

Welche Industrien die Industrieabteilung langfristig noch umfassen wird (und wie stark Siemens daran beteiligt bleibt), scheint offen. Die Windsparte bringt Siemens gerade in den börsennotierten spanischen Wettbewerber Gamesa ein. Die Münchener halten die kombinierte Firma nicht komplett, sondern nur mehrheitlich.

Medizintechnik: Die größte Gewinnquelle von Siemens soll an die Börse

Ähnliches steht der starken Medizintechniksparte bevor, seit Jahren Siemens' größte Gewinnquelle: sie soll mit einer Minderheit an die Börse. Hinter diesem Plan Kaesers vermissten mehrere Aktionäre eine strategische Logik und zweifelten, ob ein vollständiger Verbleib im Konzern nicht doch eher in ihrem Interesse sei.

Kaeser indes ließ daran nicht rütteln. Finanzkreisen zufolge werden ab April die Banken ausgewählt, das Listing könnte im letzten Vierteljahr 2017 erfolgen. Noch mehr solcher Modelle seien künftig denkbar, sagte Kaeser. "Wir werden bestimmt nicht die letzten sein, die als letztes Konglomerat der Welt das Licht ausmachen." Der künftige Medizintechnik-Vorstand Michael Sen, der von Eon zu Siemens zurückkeht, habe das Führen aus der Holding heraus bei dem Energieriesen entsprechend auch schon "geübt".

Doch wäre eine Entwicklung von Siemens zu einer Holding mit mehreren notierten Töchtern wirklich "great again"?

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