Freitag, 29. Juli 2016

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Süß-Nachfolge Siemens holt Shell-Managerin Davis in den Vorstand

Siemens-Konzern im Umbruch: Vorstandschef Joe Kaeser baut auch auf der Vorstandsebene um. Die Shell-Managerin Lisa Davis (Bild) wird Energie-Vorstand Michael Süß ablösen
Bloomberg via Getty Images
Siemens-Konzern im Umbruch: Vorstandschef Joe Kaeser baut auch auf der Vorstandsebene um. Die Shell-Managerin Lisa Davis (Bild) wird Energie-Vorstand Michael Süß ablösen

Paukenschlag bei Siemens: Energie-Vorstand Süß räumt seinen Posten für eine Amerikanerin. Lisa Davis soll ihren Vorstandsjob von den USA aus ausüben.

München/Hamburg - Europas größter Industriekonzern Siemens hat künftig wieder eine Frau im Vorstand: Shell-Managerin Lisa Davis soll nach Informationen von manager magazin online aus Siemens-Kreisen auf der heutigen Aufsichtsratssitzung zur Nachfolger von Energie-Vorstand Michael Süß bestellt werden. Süß tritt Siemens-Kreisen zufolge zurück. Ein Siemens-Sprecher lehnte jeden Kommentar ab.

Dahinter steckt den Kreisen zufolge die Entscheidung von Konzernchef Joe Kaeser, das Energiegeschäft künftig von den USA aus zu führen. Den Boom der nordamerikanischen Öl- und Gasbranche infolge der zunehmenden Förderung von Schiefergas hat Siemens in den vergangenen Jahren kaum mitgemacht. Mit Davis im Vorstand will Siemens dem großen US-Rivalen General Electric Börsen-Chart zeigen in diesem Geschäft künftig stärker Paroli bieten. Davis ist beim Ölkonzern Shell Börsen-Chart zeigen derzeit Strategiechefin und auf der Ebene unterhalb des Vorstands angesiedelt.

Hauptgrund für Süß' Rücktritt sei, dass der Familienvater es aus privaten Gründen abgelehnt habe, in die USA zu ziehen, berichten Eingeweihte. Dem machtbewussten Energievorstand soll aber auch die neue Organisationsstruktur nicht gepasst haben, die Kaeser dem Konzern verordnet.

Die vier Sektoren, über die Siemens seine derzeit 16 Divisionen führt, werden abgeschafft, die Divisionen zu voraussichtlich acht oder neun zusammengelegt. Damit einhergeht, dass die Sektorvorstände künftig nicht mehr direkt operativ für die Geschäfte verantwortlich sind, sondern nur noch die entsprechenden Divisionen koordinieren sollen.

Vorstand Süß soll neue Organisationsstruktur nicht gepasst haben

Insofern galt der gerne mal aufbrausende Süß, Insidern zufolge ein Macher und "Vollblutunternehmer", schon länger als Wackelkandidat (siehe auch Manager Magazin 4/2014). Zuletzt sollen sich auch strategische Differenzen gehäuft haben.

Süß' Domäne sind die Großkraftwerke, dieses Geschäft trieb er bei Energieversorgern weltweit voran und war auch beachteter Gesprächspartner der Politik bei Fragen der Energiewende. Die großen Gaskraftwerke zählen seit Jahren zu Siemens' größten Gewinnbringern. Zuletzt jedoch ist der Markt in Europa stark geschrumpft. Stattdessen werden Lösungen für die dezentrale Energieversorgung stärker nachgefragt, bei denen Siemens relativ schwach aufgestellt ist.

Zumindest teilweise wird der Konzern diese Lücke demnächst schließen: Die Aufsichtsräte werden auf der heutigen Sitzung voraussichtlich auch den Kauf der Gasturbinen- und Kompressorensparte des britischen Flugzeugtriebwerkbauers Rolls-Royce beschließen. Verhandelt habe das Geschäft, so heißt es, Michael Süß.

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