Dienstag, 23. Oktober 2018

"Der Kurs ist richtig" Siemens-Chefaufseher verteidigt Joe Kaeser und Jobabbau

Mit dem Hammer: Siemens-Chef Joe Kaeser (l) und Aufsichtsratschef Gerhard Cromme (Bild Archiv)

Die Gewinne sprudeln - dennoch will Siemens Tausende Jobs in Deutschland streichen. Bei laufender Kamera und zu bester Sendezeit gibt sich Konzern-Chef Joe Kaeser vor betroffenen Mitarbeitern nachdenklich und mitfühlend. Siemens werde aber seine Pläne nicht ändern, sagt Chefaufseher Gerhard Cromme. Er verteidigt die geplanten Werksschließungen und nimmt den Vorstandschef in Schutz.

Landauf landab sieht sich derzeit Siemens-Chef Joe Kaeser genötigt, den geplanten Stellenabbau und Werkschließungen in Deutschland zu verteidigen. Gut 3500 Menschen würden ihren Job hierzulande verlieren - oft in Werken, wo die Auftragslage nach Berichten derzeit sehr gut ist und die Mitarbeiter Überstunden machen, um die Aufträge abzuarbeiten

Bei seinem Besuch des bedrohten Werks in Görlitz wurde Kaeser nachdenklich: "Es wäre echt schade, wenn dieser Standort verloren ginge, nur weil uns nichts Gutes gemeinsam einfällt", sagte er der "Tagesschau".

Sehen und hören Sie Kaesers nachdenkliche Sätze in Görlitz


Quelle: Tagesschau

Ein paar mitfühlende, vorweihnachtliche Sätze vor laufender Kamera. Wird Siemens deshalb seine Pläne ändern? Wohl nicht.

Das machte jetzt auch Gerhard Cromme deutlich. Der Siemens-Aufsichtsratschef verteidigte die geplanten Werksschließungen und den Stellenabbau des Unternehmens und nahm den Vorstandsvorsitzenden dabei in Schutz.

Er sei "fest davon überzeugt", dass der Kurs von Kaeser richtig sei, sagte Cromme der "Süddeutschen Zeitung". Der Abbau von knapp 7000 Jobs in der Kraftwerkstechnik weltweit und die geplante Schließung von Standorten seien unausweichlich. "Die Nachfrage ist dramatisch eingebrochen und wird nicht wieder das alte Niveau erreichen", so Cromme.

Wegen einer allgemein guten Lage könne ein solcher Abbau umgesetzt werden, meinte der Aufsichtsratschef. "Wenn wir jetzt nicht reagieren, wird man uns hinterher Managementfehler vorwerfen", sagte Cromme dem Blatt. Zugleich kündigte er an, Lösungen für die betroffenen Mitarbeiter finden zu wollen, die "unverdientermaßen in diese Situation" geraten seien. "Wir werden versuchen, ihnen zu helfen. Dafür werden wir konstruktive Gespräche mit den Betriebsräten aufnehmen", versprach Cromme. Das Unternehmen werde "alles daransetzen, um sozial verträgliche Lösungen zu finden."

Siemens hatte vor einem Monat angekündigt, weltweit 6900 Stellen abbauen zu wollen - davon etwa die Hälfte in Deutschland. Der Münchner Konzern reagiert damit nach eigenen Angaben auf schlechter laufende Geschäfte in der Kraftwerks- und Antriebstechnik.

Allerdings hatte Siemens gerade binnen zwei Wochen zwei Großaufträge für den Bau von Gas- und Dampfkraftwerken in Russland und Libyen für eben die betroffene Sparte vermelden können - mit einem Volumen von mehr als 1 Milliarde Euro.

rei mit Nachrichtenagenturen

© manager magazin 2017
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH