Donnerstag, 25. August 2016

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Eklat auf Osram-Aktionärstreffen Familienzoff bei Siemens - Kaeser will Osram-Chef Berlien abschieben

Es kracht gewaltig: Großaktionär Siemens ist mit Osram-Vorstand alles andere als zufrieden

Eklat bei der Osram-Hauptversammlung: Großaktionär Siemens hat Vorstandschef Olaf Berlien das Vertrauen entzogen und stimmt gegen seine Entlastung. Die Aktie schlägt Kapriolen.

Der Münchener Siemens-Konzern, mit 17,52 Prozent größter Aktionär der im M-Dax notierten Lichtfirma Osram, hat Osram-Chef Olaf Berlien die Entlastung verweigert.

Berlien wurde am Nachmittag dennoch mit gut 70 Prozent der Stimmen entlastet. Das heißt, dass außer Siemens nahezu alle Aktionäre dem Vorstandschef das Vertrauen ausgesprochen haben. Aktionäre wie die Deutsche Asset Management und Aktionärsvertreter wie die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) hatten angekündigt, für die Entlastung zu stimmen.

Die Osram-Aktie, die den Siemens-Vorstoß zunächst mit einem Kursplus von rund 7 Prozent goutiert hatte, gab ihre Gewinne in der Folge teilweise wieder ab.

Das Misstrauensvotum der ehemaligen Mutter Siemens Börsen-Chart zeigen beschädigt Berliens Position und auch die von Osram-Chefaufseher Peter Bauer schwer. Bauer hat den von Osram im November angekündigten Strategieschwenk stets unterstützt und betonte am Ende der Hauptversammlung nochmals, der Aufsichtsrat werde den Vorstand um Berlien bei der Umsetzung der neuen Strategie weiter unterstützen und beraten.

Die neue Strategie mit stärkerem Fokus auf halbleiterbasierte Technologien sei "aus Sicht des Aufsichtsrats alternativlos für eine nachhaltige Zukunft des Unternehmens", teilte Bauer mit.

Siemens-Chef treibt bizarren Kampf gegen Berlien auf die Spitze

Siemens-Hausjurist Christian Bleiweiss begründete die Nichtentlastung für Berlien damit, dass die Osram-Aktionäre "unvermittelt und ohne strategische Hinführung" über Osrams kürzlich vollzogenen Strategieschwenk informiert wurden. Diese Vorbereitung sei Aufgabe von Vorstandschef Berlien gewesen.

Zudem werde durch Osrams Plan, mit einer neuen, eine Milliarde Euro teuren LED-Chipfabrik in Malaysia in die LED-Massenfertigung einzusteigen, das Risikoprofil "ausgeprägt" erhöht und müsste durch strategische Partnerschaften reduziert werden. Hierfür habe es Optionen gegeben, die Osram nicht genutzt habe.

Mit dem in der Firmengeschichte wohl einmaligen Vorgang treibt Siemens-Chef Joe Kaeser den bizarren Kampf gegen Berlien auf die Spitze. Das Spektakel begann Anfang November, als der Osram-Chef die neue Wachstumsstrategie verkündete und damit Anleger und Analysten auf dem falschen Fuß erwischte. Die Börse hatte Berliens Pläne mit einem Kursrutsch um fast ein Drittel quittiert. Kaeser distanzierte sich sofort öffentlich, wie andere Aktionäre sei auch er "nicht glücklich".

Hat nicht mehr das Vertrauen von Großaktionär Siemens: Osram-Chef Olaf Berlien
Während Berlien in den Folgewochen bei Analysten und Fondsmanager für seine neue Strategie warb, wiederholte Siemens-Chef Kaeser seine skeptischen Worte mehrfach gegenüber der Presse und - kurz vor Weihnachten - sogar nochmals in einer eigens verbreiteten Pressemitteilung: "Siemens war und ist als Anteilseigner mit der jüngsten Aktienkursentwicklung von Osram nicht zufrieden." Eine Forderung, etwa die Strategie zu verändern, verband Kaeser mit seiner Kritik nicht. Vielmehr enthielt er sich diesbezüglich jeder Bewertung. Ein Osram-Aufsichtsrat sagte vor der Hauptversammlung gegenüber Journalisten, Siemens' Verhalten sei "völlig unverständlich".

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