Mittwoch, 19. September 2018

Siemens-Bewertung Joe Kaeser sieht 20-Milliarden-Lücke - aber nur er

Siemens-Chef Joe Kaeser: Eigenwillige Berechnung
Getty Images for Fortune
Siemens-Chef Joe Kaeser: Eigenwillige Berechnung

Siemens-Chef Joe Kaeser hält den Münchener Industriekonzern für an der Börse unterbewertet. Dort sei Siemens derzeit rund 92 Milliarden Euro wert, sagte Kaeser der "Passauer Neuen Presse" (Mittwochausgabe) laut Vorabbericht.

Ziehe man davon die börsennotierte Siemens-Gesundheitstechnik mit knapp 40 Milliarden Euro sowie die Windkraft-Tochter Gamesa mit gut acht Milliarden Euro ab, läge der Wert des gesamten restlichen Geschäfts bei knapp 45 Milliarden Euro, sagte Kaeser. "Verglichen mit unseren Wettbewerbern tut sich hier eine Lücke von bis zu 20 Milliarden Euro auf", sagte der Siemens-Chef. "Unser Ziel ist es, dieses Potenzial zu heben."

Die Rechnung des Siemens-Chefs wirft jedoch zahlreiche Fragen auf. Weder an Gamesa noch an der Gesundheitssparte Healthineers hält Siemens noch 100 Prozent, so dass er auch nicht die gesamte Börsenbewertung der beiden Unternehmen abziehen kann. Die 85-Prozent-Beteiligung an Healthineers ist nach aktuellem Stand rund 32 Milliarden Euro wert, die 59-Prozent-Beteiligung an Siemens Gamesa knapp 5 Milliarden Euro. Das ergibt eine Summe von rund 37 Milliarden Euro.

Zieht man die Summe von 37 Milliarden Euro von der aktuellen Siemens-Bewertung in Höhe von 95 Milliarden Euro ab, kommt man auf eine Bewertung des Restgeschäfts in Höhe von rund 58 Milliarden Euro - und nicht auf 45 Milliarden Euro, wie der Siemens-Chef gegenüber der Passauer Neuen Presse vorrechnete. Die Bewertungslücke, die Kaeser beklagt, schrumpft also um rund zwei Drittel auf etwa 7 Milliarden Euro.

la/dpa/reuters

© manager magazin 2018
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH