Dienstag, 17. Oktober 2017

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Siemens und Alstom besiegeln Schnellbahn-Allianz Neuer Superzug-Konzern soll Gewinnmaschine werden

TGV und ICE: Nicht in Konkurrenz gegeneinander, wie dieses Bild suggeriert, sondern künftig miteinander und unter einem Dach sollen die Schnellzüge entstehen

Siemens und Alstom fusionieren ihre Zugsparten. Das kombinierte Unternehmen werde seinen Sitz im Großraum Paris haben und vom amtierenden Alstom-Chef Henri Poupart-Lafarge als Vorstandschef geführt werden. Siemens wird an dem Zusammenschluss eine Mehrheit von knapp über 50 Prozent halten.

Der Elektrokonzern Siemens Börsen-Chart zeigen legt sein Zuggeschäft mit dem französischen Konkurrenten Alstom zusammen. Geplant sei eine "Fusion unter Gleichen", teilte Siemens am späten Dienstagabend nach einer außerordentlichen Sitzung des Aufsichtsrates in München mit.

Der fusionierte Bahntechnik-Konzern soll in sechs Jahren auf einen Umsatz von mehr als 20 Milliarden Euro kommen. Das deutsch-französische Unternehmen soll bis dahin pro Jahr um mindestens 4 Prozent wachsen, wie aus einer am Mittwoch veröffentlichen Analystenpräsentation des künftigen Mehrheitseigentümers Siemens hervorgeht.

2016 kamen Alstom und Siemens im Zug-Geschäft zusammen auf 15,3 Milliarden Euro und waren damit halb so groß wie der Weltmarktführer CRRC aus China. Die Zuwächse sollen auch den Margen auf die Sprünge helfen: Bis 2020 soll die Umsatzrendite von Siemens Alstom vor Steuern und Zinsen (Ebit) zweistellig sein, bis 2023 soll sie 11 bis 14 Prozent erreichen. 2016 hatten die Partner im Schnitt eine Ebit-Marge von acht Prozent erwirtschaftet.

Das kombinierte Unternehmen werde seinen Sitz im Großraum Paris haben und vom amtierenden Alstom-Chef Henri Poupart-Lafarge als Vorstandschef geführt werden, teilten die Unternehmen mit. Siemens wird an dem Zusammenschluss eine Mehrheit von knapp über 50 Prozent halten.

"Dieser deutsch-französische Zusammenschluss unter Gleichen sendet in vielerlei Hinsicht ein starkes Signal", sagte Siemens-Chef Joe Kaeser der Mitteilung zufolge. "Wir setzen die europäische Idee in die Tat um und schaffen gemeinsam mit unseren Freunden bei Alstom auf lange Sicht einen neuen europäischen Champion der Eisenbahnindustrie."

Reaktion auf Druck der Wettbewerber aus China

Bei der Transaktion werde Siemens neu ausgegebene Anteile an dem zusammengeschlossenen Unternehmen in Höhe von 50 Prozent des Grundkapitals von Alstom sowie Bezugsrechte zur Akquisition von Alstom-Aktien in Höhe von zwei Prozentpunkten des Grundkapitals kurz vor Abschluss des Geschäfts erhalten. Das neue Unternehmen soll an der französischen Börse notiert sein.

Mit dem Schritt reagieren Siemens und Alstom auf den Wettbewerbsdruck, der nach dem Zusammenschluss der beiden größten chinesischen Zughersteller zum Giganten CRRC massiv gewachsen war. Kaeser hatte deshalb in der Vergangenheit immer wieder auf die Notwendigkeit für eine Zusammenarbeit in der europäischen Branche hingewiesen.

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