Sonntag, 9. Dezember 2018

Trotz Khashoggi-Mord zur Konferenz Siemens- und ABB-Chef reisen nach Saudi-Arabien

Vor ein paar Wochen sagte Siemens-Chef Joe Kaeser eine Reise nach Riad ab, nun entschied er anders

Trotz der anhaltenden internationalen Kritik an Saudi-Arabien tritt Siemens-Chef Joe Kaeser an diesem Montag auf einer Konferenz des Staatskonzerns Saudi Aramco auf. Ein Sprecher des Münchner Industriekonzerns bestätigte am Sonntag Kaesers Teilnahme an der Konferenz "in-Kingdom Total Value Add (iktva)" für Zulieferer von Saudi Aramco in Dammam am Persischen Golf.

Kaeser treffe sich in Saudi-Arabien nur mit Vertretern des Unternehmens. "Das ist weiterhin unser Stand der Dinge", teilte ein Sprecher von Siemens mit. Politische Konsultationen oder Vertragsunterzeichnungen sind demnach nicht geplant.

Schon vergangene Woche hatte Kaeser angekündigt, die Reise antreten zu wollen. Es sei wichtig, den Dialog mit saudischen Kunden auch in schwierigen Zeiten aufrecht zu halten, ebenso wie Aufklärung und Gerechtigkeit im Fall Khashoggi, ließ er verlautbaren.

Kaeser sei ohnehin auf einer Reise in den Nahen Osten, wo er auch in den Vereinigten Arabischen Emiraten Kunden und Geschäftspartner treffen werde, teilte das Unternehmen weiter mit. Neben dem Siemens-Chef nimmt auch der Chef des Schweizer Rivalen ABB, Ulrich Spiesshofer, an der Konferenz teil.

Vor vier Wochen hatte Kaeser seine Reise zu einer von der Regierung des Ölstaates ausgerichteten Investoren-Konferenz in letzter Minute abgesagt. Kurz zuvor hatte Saudi-Arabien nach wochenlangen Dementis eingestanden, dass der regierungskritische Journalist Jamal Khashoggi im Konsulat des Königreichs in Istanbul getötet wurde. Sein Rückzieher sei "die sauberste, aber nicht die mutigste Entscheidung" gewesen, schrieb Kaeser damals auf dem Karriereportal LinkedIn. Er habe lange mit sich gerungen hinzufahren und das Thema Khashoggi auf der Konferenz anzusprechen.

Siemens ist ein wichtiger Auftragnehmer der saudi-arabischen Regierung und baut unter anderem an der U-Bahn in der Hauptstadt Riad. Bis 2030 sieht der Münchner Konzern, der in dem Land 2000 Mitarbeiter beschäftigt, Chancen auf weitere Aufträge im Volumen von 30 Milliarden Dollar.


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Auch ABB-Chef Ulrich Spiesshofer hatte im Oktober seine Reise nach Riad abgesagt. Nun erklärte das Unternehmen, er werde in dem Königreich eine ABB-Fabrik besuchen. Zudem treffe er Vertreter von Saudi Aramco, einem der wichtigsten Kunden in der Region. Auch ABB hofft, weitere Aufträge zum Aufbau der Infrastruktur in dem Land zu ergattern.

ABB-Chef Ulrich Spiesshofer

Einer mit der Situation vertrauten Person zufolge nimmt Spiesshofer an der Eröffnung der Konferenz teil, tritt aber nicht als Sprecher auf. ABB betreibt dort eine Fabrik mit 200 Mitarbeitern, in der Hochspannungs-Schaltanlagen produziert werden. Insgesamt beschäftigt ABB in Saudi-Arabien rund 1600 Menschen.

Saudi Aramco geht nach Angaben eines Unternehmensvertreters davon aus, am Rande der Konferenz 30 Abkommen mit in- und ausländischen Firmen im Volumen von 25 Milliarden Dollar unterzeichnen zu können.

Mehrere Länder haben wegen des Todes des regimekritischen Journalisten Khashoggi Sanktionen gegen Saudi-Arabien verhängt. Laut Medienberichten wirft der US-Geheimdienst CIA Kronprinz Mohammed bin Salman vor, die Ermordung Khashoggis angeordnet zu haben. Saudi-Arabien weist jede Verstrickung des Königshauses zurück.

rtr/dpa/akn

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