Samstag, 1. Oktober 2016

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Verkaufseinbruch bei Luxusuhren Droht der Schweiz jetzt das Uhrmageddon?

Neue Luxusuhren: Die Freude an eigenen Werken
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Harry Winston

Dass die Einführung der Apple Watch nicht völlig spurlos an den Schweizer Uhrenherstellen vorbei gehen würde, dürfte Tag-Heuer-Chef Jean-Claude Biver ziemlich klar gewesen sein. Genau deshalb setzte er von Anfang an darauf, sich von dem amerikanischen Wettbewerber zu differenzieren, stellte die Einmaligkeit, die Handwerkskunst und die Zeitlosigkeit der Luxusuhren der Computeruhr aus Cupertino gegenüber. Man werde nicht als direkter Konkurrent von Samsung Börsen-Chart zeigen oder Apple Börsen-Chart zeigen auftreten, stellte er klar. "Wenn wir das tun, werden wir verschwinden."

Doch all den Lippenbekenntnissen zum Trotz - der Start der Apple Watch setzt die Industrie unter Druck, die versucht, mit eigenen Hybrid-, internetfähigen Modellen oder Uhren mit Bezahlfunktion auf den Trend zu reagieren. Doch offensichtlich bislang vergeblich.

Im Oktober ging bereits den vierten Monat im Jahr (nach Mai, Juli und September) die Exporte zurück, wie aus nun veröffentlichten Daten desVerbands der Schweizer Uhrenindustrie hervorgeht. Im Oktober, normalerweise einer der stärksten Monate der Branche, sanken die erneut Exporte um 12,3 Prozent, nachdem bereits im September ein starker Einbruch zu verzeichnen war. Und zwar durch alle Produktgruppen hinweg. " Der Monat Oktober war für alle Preissegmente schwer", schreibt der Verband.

Einbruch in China und den USA

Zwar stand der Branche im Vergleich zum Vorjahr ein Verkaufstag weniger zur Verfügung. Doch der eignet sich kaum dazu, den Niedergang zu erklären, so der Branchenverband. Er sieht einen heftigen Abschwung in den Hauptmärkten Asien und USA als Hauptgrund für den drastischen Exporteinbruch. Alleine in Hongkong sank die Nachfrage um mehr als 38 Prozent. In den USA lag das Minus bei mehr als 12 Prozent.

Wie bereits im September waren auch im Oktober vor allem Stahlmodelle von dem Rückgang betroffen. Doch auch bei Uhren im Preissegment ab 2800 Euro gingen die Exporte im Jahresvergleich um satte 13 Prozent zurück.

Welche Rolle die Apple Watch bei dem Rückgang spielt, ist unklar - auch weil Apple bislang keine dezidierten Absatzzahlen veröffentlicht hat. Nach einem offenbar fulminanten Verkaufsstart war in der Fachpresse wiederholt darüber spekuliert worden, dass die Verkäufe im weiteren Verlauf des Jahres hinter den Erwartungen zurückgeblieben waren.

Apple jedenfalls tat einiges, um auch im Massenmarkt mit seiner neuen Uhr zu landen. So kooperierte der Konzern mit Best Buy oder Target und bot Berichten zufolge sogar Rabatte beim Kauf mehrerer Geräte an - eine für Apple bis dato völlig ungewöhnliche Vorgehensweise.

Auch in Deutschland vertreibt das Unternehmen aus Cupertino zumindest einen Teil seiner Modelle über Elektrohändler wie Saturn oder Mediamarkt, die zum Teil sogar Ratenzahlung für die Uhren anbieten.


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