Mittwoch, 21. November 2018

Prognose angehoben SAP profitiert von Cloud-Stärke - verdient aber weniger

SAP: CEO Bill McDermott erwartet das "beste Jahr der SAP-Geschichte"

Europas größter Technologiekonzern SAP Börsen-Chart zeigen traut sich wegen florierender Verkäufe seiner Cloud-Software größere Sprünge zu. Bereits zum dritten Mal in diesem Jahr hob der Walldorfer Dax-Konzern am Donnerstag seine Ziele fürs Gesamtjahr an. "Wir haben eine so starke Pipeline für das vierte Quartal wie noch nie zuvor", begründete Konzernchef Bill McDermott die Zuversicht.

Gewohnt selbstbewusst erklärte er: "SAP ist das am stärksten wachsende Unternehmen in der Cloud." Im dritten Quartal sprangen die für das zukünftige Geschäft besonders wichtigen neuen Cloud-Buchungen währungsbereinigt um 37 Prozent in die Höhe.

Am Aktienmarkt interessierte allerdings vor allem die operative Marge, die SAP seit vielen Quartalen als Klotz am Bein hängt, sowie das Betriebsergebnis. Beides lag unter den Erwartungen von Analysten. Während lange die hohen Investitionen in den Ausbau des Cloudgeschäfts belasteten, ist es nun der sich Richtung Cloud verändernde Einnahmemix. Im frühen Handel sackten die Papiere 3,3 Prozent ab und waren damit einer der größten Verlierer im Leitindex Dax.

Anleger über operative Marge enttäuscht

Die Konzentration aufs Cloudgeschäft schlägt sich immer stärker in den Zahlen nieder. Von Juli bis September lagen die Einnahmen aus Cloud-Abonnements 40 Prozent über den Softwarelizenzerlösen. Während im Lizenzgeschäft die Gebühren vorab fällig werden, zahlt der Kunde für Speicher- und Rechenleistungen sowie Programme aus der Datenwolke im flexiblen Abo. Damit werden die Gewinne zwar berechenbarer, verteilen sich aber über einen längeren Zeitraum. Diesen Fakt bekam SAP nun zu spüren.

Das Betriebsergebnis stieg um elf Prozent auf 1,742 Milliarden Euro. Es lag damit jedoch unter den Schätzungen von Analysten von rund 1,8 Milliarden Euro. Dies hänge mit dem höheren Cloudanteil zusammen, begründete Finanzchef Luka Mucic. Darunter litt auch die operative Marge, die auf 28,9 Prozent von 29,3 Prozent im Vorjahreszeitraum fiel. Analysten prognostizierten im Schnitt 30,1 Prozent. Auf dem Kapitalmarkttag im März hatte Mucic angekündigt, im laufenden Jahr auf 29,8 Prozent kommen zu wollen.

"2018 wird bestes Jahr in der SAP-Geschichte"

Der bestbezahlte Chef eines Dax-Konzerns, McDermott, ließ sich davon die Stimmung nicht verderben und hängte die Messlatte für den Jahresverlauf hoch: "2018 wird das beste Jahr in derSAP-Geschichte." Der Umsatz soll demnach zwischen 25,2 und 25,5 Milliarden Euro liegen. Bisher waren 24,975 bis 25,3 Milliarden Euro in Aussicht gestellt worden.

Auch beim Betriebsergebnis gibt sich McDermott zuversichtlicher und geht nun von einer Spanne zwischen 7,425 und 7,525 Milliarden Euro (zuvor 7,4 bis 7,5 Milliarden Euro) aus. Im dritten Quartal reichte es zu Erlösen von 6,03 Milliarden Euro.

Kauf von Callidus und Angriff auf Salesforce

Spätestens mit dem Kauf des US-Konzerns Callidus im Januar startete SAP seine neue Offensive im wettbewerbsstarken Geschäft fürs Kundenmanagement. Bisher ist dort der Cloud-Pionier Salesforce aus San Francisco laut den Marktforschern von IDC der unbestrittene Marktführer mit einem Anteil von einem Fünftel. SAP kommt demnach hinter Oracle auf den dritten Platz mit 6,5 Prozent. "Wir gewinnen im Vergleich zur Konkurrenz", sagte McDermott über das im Juni gestartete neue Softwarepaket C/4HANA, das Anwendungen zur Kundenpflege - wie Marketing, Vertrieb und Kundenservice - zu einem Angebot bündelt. In diesem neuen Segment sei das Cloud-Geschäft um 200 Prozent gewachsen. Er nannte keine genaue Zahl.

Im dritten Quartal schlug sich SAP Börsen-Chart zeigen besser als jüngst IBM Börsen-Chart zeigen . Der US-Konzern kämpft weiter mit seiner Neuausrichtung auf Cloud- und Analysedienste, um die Abhängigkeit von Software- und Hardware-Verkäufen zu verringern. Von Juli bis September ging der Konzernumsatz zurück. Auch im Cloud-Geschäft kam IBM nur auf ein - verglichen mit der Konkurrenz - mageres Plus von zehn Prozent. Schwierigkeiten hatte zuletzt ebenfalls das Silicon-Valley-Urgestein Oracle, das seine Aktivitäten in der Cloud-Sparte gar nicht mehr aufdröselt und damit Analysten und Anleger massiv verunsicherte.

la/reuters

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