Dienstag, 22. August 2017

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Pharmaindustrie Sanofi muss wachsen - im Reich der Mitte

China gilt hinter den USA als weltweit zweitgrößter Markt für Medikamente. Der französische Pharmakonzern Sanofi generiert hier durch eine geschickte Strategie jährlich zweistelliges Wachstum

Sanofis Blockbuster verliert an Schlagkraft. Also wachsen durch Zukäufe? Hier ging der französische Pharmakonzern zuletzt zweimal leer aus. Jetzt setzt Sanofi strategisch auf China - mit wachsendem Erfolg und spricht gar schon vom "Durchbruch".

China erweist sich für den französischen Pharmakonzern Sanofi zusehends als wichtigster Wachstumstreiber. Schon im vergangenen Jahr kletterten die Umsätze währungsbereinigt um 10 Prozent. In diesem Jahr sollen die Erlöse ebenfalls um rund 10 Prozent steigen. Mit Erlösen von 2,15 Milliarden Dollar sei China für Sanofi mittlerweile zum drittwichtigsten Markt hinter den USA und Frankreich aufgestiegen, erklärte der für die Emerging Markets zuständige Präsident Olivier Charmeil , dem "Wall Street Journal".

Mit zu dem Umsatzanstieg hätten ein verstärktes Geschäft außerhalb der Millionenmetropolen beigetragen und die Bemühungen des Konzerns, mit maßgeschneiderten Medikamenten stärker die Bedürfnisse lokaler Märkte in China abzudecken. Welche höheren Vertriebskosten womöglich damit verbunden sind, ist nicht bekannt.

Mit den verstärkten Anstrengungen in China versuchen die Franzosen Probleme in ihren angestammten Märkten zu kontern: Sanofi sieht sich mit dem Problem konfrontiert, dass sein wichtigstes Medikament, das Diabetesmittel Lantus, weniger Geld einspielt und billigere Generika nach dem Verlust des Patentschutzes in USA Lantus Markanteile abjagen. Die Lantus-Umsätze waren im vergangenen Jahr um 12 Prozent auf rund 4,76 Milliarden Euro gesunken.

Fast ein Drittel der Umsätze fallen bereits in den Schwellenländern an

Zugleich war Sanofis Bemühen, sich breiter aufzustellen, in der Vergangenheit nicht von Erfolg gekrönt. So schnappte Pfizer im milliardenschweren Bieterwettstreit den Franzosen den US-Krebsspezialisten Medivation vor der Nase weg. Beim Kampf um das Schweizer Biotech-Unternehmen Actelion zog Sanofi im Januar wieder den Kürzeren und musste sich dem US-Konzern Johnson & Johnson geschlagen geben.

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Während Sanofi also noch auf den großen Deal wartet, setzt der Konzern zugleich auf die Emerging Markets. Angeführt von China spülten diese Märkte den Franzosen im vergangenen Jahr bereits rund 29 Prozent ihrer Umsätze von 33,8 Milliarden Euro in die Kassen.

In China profitiert Sanofi dabei von neuen Richtlinien zur Behandlung chronischer Erkrankungen wie Diabetes und der Atemwege, die laut "Wall Street Journal" jedes Jahr mehrere Millionen Tote fordern sollen. Nach eigenen Angaben versorgt der Konzern mittlerweile 3500 staatliche Kliniken in dem Reich der Mitte und bildet separat auch Tausende Ärzte in den ländlichen Regionen aus, was zur Verbreitung von Sanofi-Medikamenten außerhalb der Metropolen erheblich beigetragen haben dürfte.

China will Markt öffnen und schaffte damit ungeahnte Möglichkeiten

Sanofi hatte in der Vergangenheit schon einige Produkte für den chinesischen Markt entwickelt oder weiterentwickelt - etwa das Krebsmedikament Eloxatin. Mit Krebsmedikamenten erzielte Sanofi im vergangenen Jahr nach eigenen Angaben das größte Wachstum in China. Bis 2020 wollen die Franzosen fast ein Dutzend Medikamente auf den chinesischen Markt bringen, teils auch auf die lokalen Bedürfnisse angepasst.

Der chinesische Markt gilt als der weltweit zweitgrößte hinter den USA und ist für ausländische Anbieter nur schwer zu knacken. Denn wollen die Hersteller Medikamente in China einführen, müssen sie klinische Studien vor Ort nachweisen, was in der Vergangenheit die Einführung eines Medikaments um Jahre verzögern konnte.

Die Regierung in Peking erwägt laut "Wall Street Journal", diese Vorschrift noch in diesem Jahr abzuschaffen und würde sich damit ausländischen Pharmaprodukten weiter öffnen. Das dürfte die Chancen für ausländische Hersteller deutlich erhöhen. "Das ist der Durchbruch", ist man bei Sanofi überzeugt. Doch auch die Konkurrenten werden diese Chance zu nutzen versuchen.

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