Samstag, 23. März 2019

Rüstungsindustrie vor dem Umbruch Rheinmetall an Krauss-Maffei-Wegmann interessiert

Rheinmetall und Krauss-Maffei Wegmann sollen zusammen neue Panzer entwickeln

Der Rüstungskonzern Rheinmetall heizt mit einem Vorstoß bei der Panzerschmiede Krauss-Maffei-Wegmann (KMW) das Fusionsfieber in der europäischen Branche an. Rheinmetall Börsen-Chart zeigen bestätigte am Montag, Gespräche über einen möglichen Erwerb einer Beteiligung an dem Unternehmen KNDS und damit mittelbar an der KNDS-Tochter Krauss-Maffei Wegmann zu führen. Letztere stellen den Panzer "Leopard 2" her.

KNDS ist eine gemeinsame Holding des Münchener Familienunternehmens KMW und des französischen Staatskonzerns Nexter. Auch Formen der Kooperation mit KNDS und beziehungsweise KMW seien möglich, erklärte Rheinmetall. Der Ausgang sei offen. Die Lage ist jedoch komplizierter als es sich zunächst anhört. Denn Rheinmetall kommt mit seinem Willen zur Fusion letztendlich dem Wunsch der Politik nach.

Wie das "Handelsblatt" berichtet, haben die beiden Ministerkolleginnen aus Frankreich und Deutschland, Florence Parly und Ursula von der Leyen, ihre Ministerien ausarbeiten lassen, wie die nächste Generation von Kampflugzeugen und Kampfpanzern bestellt werden könne. Beide Länder wollen dabei eng zusammenarbeiten und das Equipment in enger Abstimmung entwickeln und anschaffen. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron möchte am liebsten sogar eine europäische Armee aufbauen, von der Leyen präferiert dagegen eine engere und tiefere Kooperation.

Vergangene Woche hatten nun Frankreich und Deutschland gemeinsam die Aufträge für die Entwicklung neuer Panzer und Kampfflugzeuge vergeben. In die Auswahl für Entwicklungsstudien gelangten die Unternehmen Dassault und Airbus für die Jets und Rheinmetall und Kraus-Maffei Wegmann für die Panzer. Dabei ist der Wert des Auftrags für ein neues Kampfflugzeug mit rund 500 Milliarden Euro fünfmal größer als der für die Panzer mit 100 Milliarden Euro, schreibt das "Handelsblatt". De facto vergäben die beiden Ministerien jedoch die begehrtesten militärischen Großaufträge in Europa und legten damit die Industrieführerschaft fest. Schließlich bescherten die Aufträge den beteiligten Unternehmen bis 2040 Umsätze in dreistelligem Milliardenbetrag, so die Zeitung.

Die Folge der Auftragsvergabe dürfte für die Branche also gravierend sein, denn die Unternehmen werden sich neu sortieren müssen, meinen Experten. Das größere Rheinmetall kooperiert zwar mit dem kleineren KMW bei Panzermodellen wie beispielsweise dem "Puma", auf der anderen Seite konkurrieren die beiden Unternehmen aber weltweit bei der Auftagsvergabe. Statt sich mit Rheinmetall zusammenzuschließen, das schon länger ein Auge auf KMW geworfen hat, schloss sich die "Leopard-2"-Schmiede vor rund drei Jahren mit dem französischen Rüstungsspezialisten Nexter zusammen und wurde Teil der KNDS - alles mit Genehmigung der Politik.

Doch bereits in diesem Sommer sollen die beiden Chefs von Rheinmetall und KMW, Armin Papperger und Frank Haun, zu einer Sitzung nach Berlin eingeladen worden sein, und den Auftrag erhalten haben, auszuloten wie die Chancen für einen Zusammenschluss stünden.Einem Branchenmanager zufolge, habe es in der Vergangenheit wohl schon vielfach solche Überlegungen gegeben, dieses Mal sei es aber ernst.

Der neuerliche Versuch von Rheinmetall, KMW zu übernehmen, dürfte damit in der aktuellen Gemengelage auf viel Wohlwollen stoßen. Berlin scheint eine Übernahme zu befürworten und auch Frankreich, immerhin Eigentümer von Nexter, soll sich grundsätzlich offen für eine Neuregelung gezeigt haben, heißt es. Dahinter könnte zudem stecken, dass sich der Zusammenarbeit von Nexter und KMW nicht als so zukunftsträchtig erwiesen habe, wie man sich zuvor vielleicht erhofft haben mag.

Dem "Handelsblatt" zufolge seien die KMW-Familienmitglieder bereits dabei, ihre Anteile an Rheinmetall zu veräußern. Hinter KMW steht die Familienholding Wegmann Unternehmens-Holding in Kassel, die wiederum etwa 26 stillen Teilhabern gehört. Sie setzen sich wiederum aus Familienangehörigen der Familien Bode, von Braunbehrens, von Maydell und Sethe und allen Nachfahren der Firmengründer und der späteren Eigentümern von Wegmann & Co zusammen.


Lesen Sie auch:

Thyssenkrupp-Chef Kerkhoff baut Problemtochter um
Exportschlager Leopard 2 - nicht nur Türkei ist Stammkunde
Sipri Studie: Rüstungskonzerne verkaufen erstmals seit fünf Jahren wieder mehr Waffen


KMW wollte sich zu dem Vorstoß von Rheinmetall jedenfalls zunächst nicht äußern. Die Rheinmetall-Aktie legte indes zeitweise über sechs Prozent zu. Ob die Transaktion rechtlich jedoch durchführbar und wirtschaftlich darstellbar sei, werde derzeit vom Vorstand von Rheinmetall geprüft und hänge von einer Vielzahl politischer, wirtschaftlicher und regulatorischer Faktoren ab, heißt es in der Pressemitteilung von Rheinmetall. Abhängig vom Ausgang dieser Prüfungen werde der Vorstand über das weitere Vorgehen entscheiden.

mit Material von Reuters/dpa-afx

© manager magazin 2018
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung