Montag, 25. September 2017

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Fälschungen Produktpiraterie im Maschinenbau auf Rekordhoch

Oft kopiert: Produktpiraten nehmen häufig Hersteller von Holzbearbeitungsmaschinen ins Visier

So viele Maschinenbauer wie noch nie sind von Produktpiraterie betroffen. Knapp drei Viertel der deutschen Betriebe hat mit Fälschungen zu kämpfen - dadurch verlieren sie Milliarden.

Hannover - Die deutschen Maschinenbauer müssen sich immer stärker gegen illegale Kopien ihrer Anlagen wappnen. Der Branchenverband VDMA bezifferte den Umsatzverlust allein für das vergangene Jahr auf schätzungsweise 7,9 Milliarden Euro. "Ein Umsatz in dieser Schadenhöhe würde der Maschinenbauindustrie knapp 38.000 Arbeitsplätze sichern", sagte VDMA-Präsident Reinhold Festge auf der Hannover Messe. Nach einer Umfrage unter rund 340 Mitgliedsunternehmen seien vor allem die Hersteller von Holzbearbeitungsmaschinen im Visier, gefolgt von Textilmaschinen und Landtechnikherstellern.

Insgesamt seien 71 Prozent der Maschinen- und Anlagenbauer von den illegalen Kopien betroffen. Dies sei ein neuer Höchstwert. In der letzten Umfrage vor zwei Jahren hätten dies 67 Prozent der Befragten erklärt.

Plagiatsweltmeiter ist den Firmen zufolge weiter China. Doch auch aus Deutschland kämen immer mehr Fälschungen. Knapp ein Viertel der Befragten zeige mit dem Finger auch auf deutsche Wettbewerber. Vorne mit dabei seien auch Hersteller aus der Türkei und Indien. Kopiert würden nicht nur einzelne Komponenten und das Design. "Gut die Hälfte der Unternehmen klagt über Kopien ganzer Maschinen." Zu allem Überfluss habe jedes vierte Unternehmen auch noch mit ungerechtfertigten Reklamationen durch Plagiate zu kämpfen.

Vereinbarung mit Verfassungsschutz

Hilfe erhofft sich die überwiegend mittelständisch geprägte Branche mit fast einer Million Beschäftigten vom Verfassungsschutz. Der Verband will künftig enger mit dem Bundesamt zusammenarbeiten. Eine entsprechende Vereinbarung wollte der VDMA noch am Montag auf der Messe mit dem Verfassungsschutzpräsidenten Hans-Georg Maaßen unterzeichnen. Die Behörde soll den Maschinenbaufirmen beim Schutz ihres Know-hows mit Rat und Tat zur Seite stehen.

In Sachen Krim-Krise warnen die Maschinenbauer vor einer weiteren Eskalation und neuen wirtschaftlichen Strafen gegen Russland. "Ein hartes Russland-Embargo hätte das Zeug, die Konjunkturentwicklung im Maschinenbau zu brechen", sagte der VDMA-Präsident Festge. Sollte die Politik die Schrauben anziehen, wäre das "Gift für die Konjunktur".

Einerseits müssten zwar deutliche Antworten auf den Tisch. "Es ist völlig klar, dass hier ein eklatanter Bruch des Völkerrechtes begangen wurde, auch noch von einem Mitglied des UN-Sicherheitsrates. Es ist auch klar, dass es notwendig ist, deutliche Grenzen zu zeigen", sagte Festge. "Aber man muss wissen, was man tut, wenn man mit lautem Geschrei weiter an der Eskalationsschraube dreht: Es geht um den viertgrößten Markt für den Maschinenbau, und es gibt kein Land, das derartig massive Investitionen in Russland getätigt hat, wie Deutschland", warnte Festge. Der deutsche Maschinenbau beschäftigt hierzulande fast eine Million Menschen direkt und viele indirekt.

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