Sonntag, 18. November 2018

Brandstätter-Gruppe gegen Betriebsräte Hitziger Streit bei Playmobil

Playmobil: Unternehmensführung und Teil des Betriebsrats liegen im Clinch

Dieser Sommer war heiß. Die Sonne stach, die Temperaturen lagen deutlich über 30 Grad Celsius - und sie haben jetzt ein gerichtliches Nachspiel. Bei dem Playmobil-Hersteller Geobra Brandstätter ist die Stimmung aufgeheizt: Das fränkische Unternehmen hat vor Gesicht gegen acht Betriebsratsmitglieder einen Antrag auf Ausschluss eingereicht. Das Unternehmen wirft den Betriebsratsmitgliedern vor, eigenmächtig - ohne Beschluss des Betriebsratsgremiums - zu zehnminütigen Arbeitsunterbrechungen wegen der großen Hitze aufgerufen zu haben. Das berichten mehrere Medien.

Laut "Süddeutsche Zeitung" hätten die IG-Metall Betriebsräte in einem Schreiben dem Unternehmen für das Aufstellen von Wasserspendern in den Hallen gedankt, im gleichen Brief an die Mitarbeiter am Produktionsstandort Dietenhofen aber auch auf die Arbeitsschutzrichtlinie hingewiesen, die es Beschäftigten erlaube, bei einer Raumtemperatur von über 35 Grad Celsius, stündlich eine "Entwärmungsphase" von zehn Minuten Länge einzulegen. Das Schreiben rief natürlich die Geschäftsführung auf den Plan, die davor warnte eigenmächtig Pausen zu nehmen.

Hitzebrief spaltet auch Betriebsrat

Der "Hitzebrief" entstammt dabei offenbar der Feder von IG Metall zugehörigen Betriebsratsmitgliedern - ohne dass der Gesamtbetriebsrat seinen Segen dazu gegeben hätte, berichtete die "Frankfurter Rundschau". So scheint die Arbeitnehmervertretung gespalten zu sein. Im Gesamtbetriebsrat habe die IG Metall nicht das Sagen, heißt es. Tatsächlich hätte sich die Gewerkschaft sogar 2016 vor Gericht bei Playmobil einklagen müssen. Auf der anderen Seite gibt es noch Vertreter der Gewerkschaft Bergbau, Chemie Energie, die an dem Brief offenbar nicht beteiligt gewesen waren.

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Laut "Welt" wollten sich weder Unternehmen noch Betriebsrat zum laufenden Verfahren äußern. Doch schon seit einiger Zeit herrsche zwischen Unternehmen und Betriebsrat Streit, heißt es in der Zeitung. Seit dem Tod des Firmengründers Horst Brandstätter soll sich das Klima im Unternehmen gewandelt haben.Betroffene berichten in Medien von Einschüchterungsversuchen und Abmahnungen. "Jedes Widerwort bedeute eine "Gefährdung der beruflichen Existenz", sagte eine IG Metall-Vertreterin der "FR".

Über Wohl und Wehe in der medienscheuen Konzerngruppe entscheidet Marianne Albert, die frühere Sekretärin des Gründers sowie Testamentsvollstreckerin und Beiratsvorsitzende. Schon vor rund einem Jahr berichtete manager magazin (9/17) vom Kampf zwischen IG Metall und Geobra Brandstätter Stiftung , bei dem die Staatsanwaltschaft wegen des Verdachts auf Anstiftung zur Falschaussage ermittelte.

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