Freitag, 20. Oktober 2017

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Norweger baut Mega-Saugschiff Milliardär steckt Großteil seines Vermögens in Kampf gegen Plastikmüll

Kjell Inge Røkke

Die britische Seglerin Ellen MacArthur hat es getan, Model Barbara Meier ebenfalls und jetzt tut es auch der norwegische Milliardär Kjell Inge Røkke: Eine wachsende Zahl von Reichen und Schönen will die Meere vom Plastikmüll befreien und legt deshalb selbst Hand an.

Røkke will einen Großteil seines Vermögens an die Gesellschaft zurückgeben und gleichzeitig etwas für die Umwelt tun. Zusammen mit der Umweltschutzorganisation WWF lässt er nun ein Forschungsschiff bauen, das bis zu fünf Tonnen Müll am Tag vom Meeresboden aufsaugen und schadstofffrei verbrennen kann. Das erzählte der mit einem Vermögen von zwei Milliarden Dollar zehntreichste Mann Norwegens der Zeitung "Aftenposten" in einem seltenen Interview.

Von dem 181 Meter langen Schiff aus sollen Messungen in der Atmosphäre, 6000 Meter tief im Meer und 20 Meter unter dem Meeresboden vorgenommen werden können. Die Kosten sind unbekannt, aber Røkke will alles zahlen, auch die 30 bis 60 Personen starke Mannschaft. "Das Meer hat mir große Möglichkeiten gegeben und dafür bin ich dankbar", sagte Røkke, der als Fischer begann und heute mit 66,7 Prozent Hauptaktionär des industriellen Investmentunternehmens Aker ist.

Plastikmüll aller Art ist in den Meeren schon lange ein Problem. Auch, dass dieses Problem größer wird, ist bekannt. Zwischen 4,8 und 12,7 Millionen Tonnen Kunststoffmüll landet pro Jahr in den Meeren, rechneten Forscher 2015 in einer Studie vor. Der Grund für die Verschmutzung sei die unsachgemäße Entsorgung des Abfalls. Zuletzt wurde bekannt, dass Partikel von Reifen und Kleidung aus Kunstfaser einen erheblichen Teil zur Vermüllung beiträgt.

Immer wieder machen Prominente auf das Problem aufmerksam. So zog Model Barbara Meier, 2007 Siegerin der Castingshow "Germany's Next Topmodel", im vergangenen Jahr alte Fischernetze aus der Ostsee. "Es schockiert mich extrem seit vielen Jahren, wie die Meere vermüllt werden und wie viel Plastikmüll dort landet", sagte Meier.

Die Seglerin Ellen MacArthur gewann mehrere namhafte Konzerne wie Coca-Cola Börsen-Chart zeigen, Danone Börsen-Chart zeigen, Mars und Dow Chemical Börsen-Chart zeigen für eine Anti-Plastik-Aktion, bei der der schwer abbaubare Stoff schon an Land vermieden werden soll. Als Aushängeschild der beim Weltwirtschaftsforum in Davon präsentierten Initiative dient Google-Verwaltungsratschef Eric Schmitt. Nach Auskunft der Initiative könne bereits 2050 mehr Plastik als Fische in den Weltmeeren schwimmen - gemessen am Gewicht.

2010 segelte der britische Bankerbe David de Rothschild mit der aus PET-Flaschen gebauten "Plastiki" durch den Nordpazifikwirbel, wo besonders viel Müll kreist.

Hilfe könnte zudem von einer Plastik fressenden Raupe kommen. Die spanische Forscherin Federica Bertocchini hatte zuletzt untersucht, wie die Große Wachsmotte (Galleria mellonella) Kunststofftüten vertilgt und zügig verdaut. Sie nistet sich häuft in Bienenstöcken ein und gilt als Plage - doch könnte sie dazu beitragen, das Plastikmüllproblem zu lösen.

In Tests fanden sie heraus, dass rund 100 Wachsmotten-Larven in zwölf Stunden etwa 92 Milligramm einer normalen Einkaufstüte fressen können. Bereits nach 40 Minuten waren Löcher zu sehen. "Das ist ein sehr schneller Abbau, schneller als alles, was zu diesem Thema bisher wissenschaftlich veröffentlicht wurde", sagte Bertocchini.

mit SPIEGEL ONLINE und dpa

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