Dienstag, 12. Dezember 2017

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Keurig wechselt in deutsches Kaffeeimperium Milliardärs-Clan Reimann schnappt sich Nespresso-Rivalen

Keurig-Laden in den USA: Mit der international bekannten Marke kauft sich JAB in Millionen amerikanische Haushalte und Büros ein

Paukenschlag im Kaffeegeschäft: Der deutsche Milliardärs-Clan Reimann schnappt sich den US-Kaffeekonzern Keurig und baut so sein weltweites Kaffeeimperium weiter aus. Insgesamt 13,9 Milliarden Dollar oder 92 Dollar pro Aktie lässt sich das Konsortium unter der Führung der Reimann-Finanzholding JAB den Nespresso-Rivalen kosten, ein Premium von 78 Prozent gegenüber dem Aktienkurs vom Freitag.

Der Aufsichtsrat hat der am Montag verbreiteten Mitteilung zufolge bereits zugestimmt. Das Geschäft soll bereits im ersten Quartal 2016 über die Bühne gehen.

Der Hersteller von Nespresso-ähnlichen Kaffeekapseln, den so genannten K-Cups, hatte seit seiner Gründung im Jahr 1992 eine Erfolgstory hingelegt, bevor es 2006 von Green Mountain Coffee übernommen wurde. Nach dem Verlust des US-Kapsel-Patentes 2012 hatten die Geschäfte des einstigen Vorzeigeunternehmens aber gelitten.

Der Absatz mit Kaffekapseln schwand, das Geschäft mit Maschinen gestaltete sich angesichts zunehmender Konkurrenz von Wettbewerbern schwierig, und der Versuch, die Kunden mit technischen Tricks von der Verwendung fremder Kapseln abzuhalten, scheiterte grandios.

Versuche, das Wachstum mit dem Start von Kaltgetränk-Kapseln oder Suppen-Kapseln wettzumachen, blieben erfolglos. Die Aktie verlor in den vergangenen 12 Monaten rund die Hälfte ihres Wertes. Der Netto-Umsatz schrumpfte im abgelaufenen Quartal von 1,2 auf 1,04 Milliarden Dollar.

Ein Schnäppchen für den Reimann-Clan

Für JAB war das die Chance zuzuschlagen - schließlich schmiedet JAB bereits seit mehreren Jahren an einem weltumspannenden Kaffeeimperium, in das er der Nachrichtenagentur Bloomberg zufolge in den vergangenen vier Jahren bislang mehr als 30 Milliarden Dollar investierte.

So ist der Clan erheblich am neu gegründeten Senseo-Hersteller und Nestlé-Konkurrenten Jacobs Douwe Egberts beteiligt, bei der US-Kette Peet's Coffee & Tea und dem Starbucks-Konkurrenten Caribou Coffee investiert.

Und JAB hat erst kürzlich über sein Investment Peet die populäre US-Edelmarke Stumptown Coffee Roasters zugekauft. In Skandinavien gehören die Kaffeketten Espresso House und Baresso Coffee zum Portfolio.

Der Zukauf von Keurig ist allerdings einer der größten Deals der letzten Zeit. Mit im Boot bei dabei sind JDE-Partner Mondelez International sowie Investmentvehikel von BDT Capital Partners.

Eine Integration von Keurig in bestehende Kaffeeinvestments des Clans sei aktuell nicht geplant. Das Unternehmen solle weiter unabhängig agieren, hieß es in der am Montag verbreiteten Pressemitteilung.

Das passt ins Bild: Laut JAB-Chairman Bart Becht geht es nämlich nicht darum, einen riesigen Kaffeekonzern zu bauen, sondern eine "globale Kaffeeplattform", für die der Zukauf von Keurig einen wichtigen Schritt bildet. Erklärtes Ziel: die Nummer eins oder zwei im Geschäft mit Bohnen und Kapseln zu werden.

Interessant für den Reiman-Clan dürfte neben dem Zugang zu Millionen Privathaushalten und Büros im kaffeeverliebten US-Markt auch die Zusammenarbeit mit dem bisherigen Keurig-Großaktionär Coca-Cola sein. Mit Ihr hatte Keurig bereits im Kaltgetränkemarkt zusammengearbeitet - und will dies weiter tun.

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