Samstag, 26. Mai 2018

350 Jahre Merck Wie die Merck-Familie zu einem der reichsten Clans Deutschlands wurde

Merck-Tabletten: Mit knalligen Farben will Merck die Marke aufpeppen

Renate Koehler, Inhaberin der "Engel"-Apotheke, will, dass die Apotheke in Familienhand bleibt

Eine historische Engelfigur mit dem Familienwappen und Fotos auf einem Leuchtband: Sie erinnern an die 350 Jahre lange Geschichte der größten Apotheke in Darmstadt. Friedrich Jakob Merck hatte 1668 mit der Übernahme der zweiten Hofapotheke die Keimzelle für den gleichnamigen Pharma- und Chemiekonzern gelegt. Der Dreißigjährige Krieg war da erst 20 Jahre vorüber.

Heute steht die "Engel"-Apotheke im Merck-Haus am Luisenplatz im Darmstädter Zentrum. Sie ist nach wie vor in Hand der Familie - so wie Merck selbst. Inhaberin Renate Koehler, eine Nachfahrin von Friedrich Jakob in elfter Generation, plant schon die Nachfolge: "Es ist moralisch eine wichtige Sache, dass es in der Familie bleibt."

Diese Tradition spielt in Darmstadt eine besondere Rolle. Denn Merck Börsen-Chart zeigen liegt mit rund 70 Prozent der Aktien in Besitz der Merck-Familie. Über die E. Merck Kommanditgesellschaft kontrolliert sie den Konzern. Damit ist Merck im Leitindex Dax Börsen-Chart zeigen ein Sonderfall. Die Familie gehört zu den reichsten Großfamilien in Deutschland.

Am Donnerstag feiert sich das Unternehmen selbst. Zusammen mit rund 800 Gästen reisen viele der 270 Familienmitglieder an, auch Kanzlerin Angela Merkel schaut vorbei. Mit 350 Jahren ragt Merck selbst unter alten deutschen Wirtschaftsriesen wie BASF oder Siemens heraus.

Von der Apotheke zum Pharmakonzern

Seit 1668 hat Merck viel überstanden, nicht zuletzt zwei Weltkriege. Heute hat der Konzern fast 53.000 Mitarbeiter weltweit und erzielt gut 15 Milliarden Euro Umsatz pro Jahr. Er spielt im globalen Pharmakonzert mit, wenn auch nicht auf Augenhöhe mit den Branchenriesen aus der Schweiz oder den USA.

Der Wandel von der kleinen Apotheke zum forschenden Industrieunternehmen habe sich mit dem wissenschaftlich gebildeten Emanuel Merck vollzogen, sagt Merck-Historikerin Sabine Bernschneider. Er legte 1827 für Ärzte, Chemiker und Apotheker eine Sammlung hochreiner Pflanzenalkaloide an - Naturstoffverbindungen mit medizinischer Wirkung. Sein Ziel: "Sie mit wenigen Kosten in den Stand (zu) setzen, Versuche anzustellen."

Um die Firma abzusichern, gründete Emanuel Merck mit seinen Söhnen 1850 die Gemeinschafts-Sozietät E. Merck mit mehreren Teilhabern - "im richtigen Moment die richtige Geschäftsidee", so Bernschneider. Als Kaufmann, Apotheker und Chemiker führten die drei Brüder Merck gemeinsam. Schnell folgte die Expansion über Deutschland hinaus.

Die Weltkriege aber warfen Merck zurück. So verlor der Konzern im Zuge des Ersten Weltkrieges seine US-Tochter. Als Merck & Co ist sie heute eigenständig und an der Wall Street notiert. Und 1944 wurden bei einem Luftangriff auf die Darmstädter Fabrik 60 Menschen getötet und fast 70 Prozent der Gebäude zerstört. Damals waren rund 3000 Leute, einschließlich 257 Zwangsarbeitern, in Darmstadt beschäftigt.

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