Samstag, 25. Juni 2016

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Vier gleiche Arzneien, vier verschiedene Preise Marketing-GAU! Dieser Pharmakonzern hat's verbockt

Eines für jedes Wehwehchen: Die Nurofen-Palette - mit immer demselben Wirkstoff

Wenn man so richtig Rückenschmerzen hat, will man nur eins: dass der Schmerz schnell verschwindet. Und wenn das beste Mittel eben etwas teurer ist - sei es drum. Dass viele Menschen, die es sich leisten können, so ticken, dachte sich offenbar auch der britische Konsumgüterhersteller Reckitt Benckiser und brachte in Australien gleich vier verschiedene Schmerzmittel in die Supermärkte:

  • Nurofen gegen Rückenschmerzen,
  • Nurofen gegen Menstruationsbeschwerden,
  • Nurofen gegen Migräne und
  • Nurofen gegen Spannungskopfschmerzen.

Alle waren deutlich teurer als das Standardprodukt der Marke und vergleichbare Generika - und teils auch noch unterschiedlich teuer. Tatsächlich enthielten jedoch alle Produkte genau denselben Wirkstoff - und zwar genau in derselben Menge.

Das fand ein australischer Richter nun doch nicht witzig, nachdem eine Verbraucherschutzorganisation Klage gegen das Vorgehen erhoben hatte. Er sah in der "Diversifizierung" eine klare Täuschung der Verbraucher.

"Keines der vier Produkte ist in irgend einer Weise mehr oder weniger effektiv als die anderen", schrieb er in seinem Urteil. Und er ordnete an, dass Reckitt-Benckiser, der neben Nurofen auch Marken wie Clerasil, Vanish oder Calgon herstellt, die beanstandeten Verpackungen innerhalb der nächsten drei Monate aus den Regalen nehmen muss.

Jetzt droht auch in Großbritannien Ärger

Eine Forderung, die Nurofen erfüllen will. Man habe die Verbraucher nicht täuschen wollen, erklärte eine Sprecherin. Es sei vielmehr darum gegangen, den Verbrauchern im Supermarkt bei der Schmerzmittelauswahl zu helfen. Schließlich stehe ihnen dort keine Fachkraft zur Seite, um sie bei ihrer Entscheidung zu unterstützen.

Einige Nutzer sehen das ganze allerdings weniger gelassen. Sie warfen Nurofen in den sozialen Netzwerken Betrug vor und machten sich über die Geschäftstaktik lustig, indem sie Reckitt vorschlugen, gegen was das Unternehmen noch alles Mittelchen auf den Markt werfen könnte.

In Großbritannien, wo die Produkte ebenfalls noch auf dem Markt sind, startete eine Verbraucherin sogar eine Petition auf der Plattform Chance.org, in der sie Reckitt. an dem auch diedeutsche Milliardärsfamilie Reimann beteiligt ist, aufrief, die beanstandete Geschäftspraxis auch in Großbritannien zu beenden und künftig für dasselbe Produkt auch denselben Preis zu nehmen.

Es ist nicht der einzige Ärger der Reckitt im Vereinigten Königreich dräut. Wegen umstrittener Werbeaussagen TV-ist der Konzern dort ins Visier der Werbeaufsicht geraten. Anders als in Australien sind die Vorwürfe hier noch nicht geprüft und es ist noch keine Entscheidung ergangen.

Reckitt ist nicht der einzige Medikamentehersteller der zuletzt ins Visier der Öffentlichkeit geriet. So gab es in den USA einen öffentlichen Aufschrei nachdem der Pharmamanager Martin Shkreli den Preis eines von ihm übernommenen Medikamentes auf einen Schlag mehr als verfünfzigfachte.

mit AP

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