Mittwoch, 19. September 2018

Fusion der Gasriesen EU billigt Fusion von Linde und Praxair unter Auflagen

Linde: Die EU stimmt der Fusion mit Praxair unter Auflagen zu. Die Zustimmung der FTC steht noch aus

Der Industriegasekonzern kommt dem milliardenschweren Zusammenschluss mit Praxair einen großen Schritt näher: Brüssel gibt grünes Licht - verlangt aber Zugeständnisse.

Der Industriegasekonzern Linde Börsen-Chart zeigen kommt bei der geplanten milliardenschweren Fusion mit dem US-Konkurrenten Praxair voran. Die Wettbewerbshüter der EU-Kommission billigen den anvisierten Zusammenschluss zu einem neuen Branchenriesen, wie die Behörde am Montag in Brüssel mitteilte. Allerdings verlangen sie die Erfüllung von Auflagen. So muss Praxair sein gesamtes Gasgeschäft im Europäischen Wirtschaftsraum verkaufen und seine Beteiligung an dem italienischen Gemeinschaftsunternehmen Siad abgeben. Zudem sollen Helium-Bezugsverträge veräußert werden.

In der angemeldeten Form hätte die Fusion zu einer signifikanten Verringerung der Zahl der geeigneten alternativen Anbieter geführt und damit potenziell zu Preiserhöhungen, erklärte die EU-Kommission. Gase wie Helium und Sauerstoff kämen bei einer Vielzahl von Produkten zum Einsatz, etwa in der Stahlproduktion und in Krankenhäusern, erklärte Wettbewerbskommissarin Margrethe Vestager. "Weltweit gibt es nur sehr wenige Unternehmen, die alle diese Gase liefern können." Die nun von Linde und Praxair angebotenen Verpflichtungen räumten die wettbewerbsrechtlichen Bedenken aus.

US-Behörde FTC muss noch zustimmen

In trockenen Tüchern ist der geplante Zusammenschluss damit aber noch nicht. Vor allem die US-Wettbewerbsbehörde FTC, aber auch Kartellwächter in Brasilien, Argentinien, Südkorea, Indien und China müssen grünes Licht geben, damit der Deal gelingt. An der Börse legten Linde-Aktien nach der Nachricht aus Brüssel nur kurz zu.

Linde hatte Anfang August mitgeteilt, dass die FTC weitere Veräußerungen von Geschäften fordert. Für solche Verkäufe hatten Linde und Praxair eine Grenze von 3,7 Milliarden Euro Umsatzvolumen vereinbart. Die Schwelle könnte überschritten werden, hieß es damals. Mit den Amerikanern laufen nun Verhandlungen. Linde wollte sich am Montag nicht weiter äußern. Die Zeit drängt: Laut Wertpapiergesetz muss die Fusion spätestens am 24. Oktober unter Dach und Fach sein.

Mit dem Zusammenschluss wollen Linde und Praxair den weltgrößten Gasehersteller schmieden - noch vor dem französischen Konkurrenten Air Liquide. Mit 80 000 Mitarbeitern und 28 Milliarden Euro Jahresumsatz würde das neue Unternehmen ein Viertel des Weltmarkts beherrschen. Praxair ist Marktführer in den USA, Linde stark in Europa und Asien, im US-Medizingeschäft und im Anlagenbau.

Linde und Praxair hatten bereits Geschäfte verkauft, um den Wettbewerbshütern entgegenzukommen: Während Praxair einen Großteil seines Europa-Geschäfts an den japanischen Konkurrenten Taiyo Nippon Sanso veräußerte, verkaufte Lindeden Löwenanteil seiner US-Geschäfte an die deutsche Gesellschaft Messer und den Finanzinvestor CVC.

Der Dax-Konzern beschäftigt 58 000 Menschen weltweit und produziert Kohlensäure etwa für Bier und Sprudel, Sauerstoff für Klinikpatienten und Anlagen für die Petrochemie. Mit der Fusion wollen die beiden Konzerne Größenvorteile heben und höhere Gewinnmargen erzielen. Linde und Praxair rechnen mit Synergien von 1,1 Milliarden Euro jährlich.

Arbeitnehmervertreter sehen die Fusion kritisch. Die Gewerkschaft IG Metall fürchtet den Abbau von bis zu 10 000 Jobs und bangt um Mitbestimmungsrechte, sollte die neue Lindeplc wie geplant ihren Sitz in Dublin beziehen und von Praxair-Chef Steve Angel geführt werden. Linde-Aufsichtsratschef Wolfgang Reitzle hatte sich dagegen optimistisch gezeigt, dass mit dem Deal neue Arbeitsplätze entstehen.

la/dpa/reuters

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