Montag, 20. November 2017

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Annahmequote gesenkt, Frist verlängert Linde legt Latte für Praxair-Fusion niedriger

Ist noch mit der Praxair-Fusion noch nicht am Ziel

Bislang hat lediglich gut die Hälfte der Linde-Aktionäre das Tauschangebot angenommen. Um die Fusion mit Praxair nicht zu gefährden, hat Linde nun die Annahmequote gesenkt und zugleich die Annahmefrist verlängert. Doch auch wenn die gesenkte Annahmequote erreicht wird, ist der Deal noch nicht endgültig in trockenen Tüchern.

Der Industriegasekonzern Linde will auf den letzten Metern zur geplanten Fusion mit dem US-Rivalen Praxair auf Nummer sicher gehen und hat die Schwelle für den geplanten Zusammenschluss gesenkt. Statt 75 Prozent der Linde-Aktien müssten jetzt nur noch 60 Prozent in Aktien des fusionierten Konzerns umgetauscht werden, teilte Linde am Montag mit.

Zugleich werde die eigentlich schon an diesem Dienstag ablaufende Annahmefrist um zwei Wochen verlängert bis 7. November. Damit wolle Linde Börsen-Chart zeigen bestimmte Aktienfonds erreichen, die den Dax abbilden und ihre Aktien erst nach Umstellung des Indexes umtauschen könnten.

Bis Freitag hatten lediglich 50 Prozent der Linde-Aktionäre das Tauschangebot angenommen. Mit der verlängerten Frist haben nun auch Indexfonds genügend Zeit, ihre Anteile zum Umtausch einzureichen - viele durften bislang aufgrund eigener Vorschriften ihre Aktien nicht andienen.

Für viele Indexfonds, die den deutschen Leitindex Dax abbilden, gilt die Schwelle von 50 Prozent als eine Voraussetzung. Einige können nach ihren eigenen Regularien ihre Aktien erst andienen, wenn die zum Umtausch angebotenen Papiere in den entsprechenden Index einziehen.

Bei weniger als 75 Prozent stünde Fusion auf der Kippe

Doch auch wenn die gesenkte Annahmequote genommen wird, gibt es eine weitere Hürde: Die Fusion stünde auf der Kippe, wenn die für einen Beherrschungs- und Gewinnabführungsvertrag notwendige Quote von 75 Prozent letztlich nicht erreicht werden würde. Mit solchen Verträgen können Firmen bei ihren Übernahmezielen durchregieren.

In diesem Fall drohten höhere Steuern, und die Fusion würde wahrscheinlich platzen, sagte ein Linde-Sprecher. Linde und Praxair erwarteten aber, dass "alle relevanten Schwellenwerte erreicht werden und der Zusammenschluss in der zweiten Hälfte 2018 vollzogen wird".

Die zum Umtausch angebotenen Linde-Aktien ersetzen nach Angaben der Deutschen Börse die bisherigen Titel im Dax erst am Mittwoch - einen Tag nach dem Ende der ursprünglichen Annahmefrist. Nach früheren Angaben liegen zwischen zehn und 13 Prozent der Linde-Anteile bei börsengehandelten Fonds (ETFs) und Indexfonds.

Auflagen der Wettbewerbsbehörden gelten als wahrscheinlich

Die Fusion von Linde und Praxair zu einem führenden Industriegase-Konzern mit 29 Milliarden Euro Umsatz, einem Börsenwert von annähernd 70 Milliarden Euro und rund 88.000 Mitarbeitern weltweit soll im zweiten Halbjahr perfekt sein. Nach den Aktionären müssen auch noch die Wettbewerbsbehörden in der EU und anderen Ländern zustimmen. Sie dürften Auflagen machen, dass der fusionierte Konzern sich von einigen Geschäftsteilen trennt.

Linde und Praxair wollen dabei nicht mehr als 3,7 Milliarden Dollar Umsatz abgeben. Konkurrent Messer hat bereits offen Interesse bekundet, die internationalen Rivalen Air Products und Air Liquide wollen sich mögliche Gelegenheiten anschauen.

Rei/dpa/Reuters

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