Mittwoch, 19. Dezember 2018

Geplante Linde-Praxair-Fusion Japaner könnten Teile von Linde und Praxair kaufen

Linde-Chefaufseher Wolfgang Reitzle: Er hat gegen große Proteste und Widerstände die geplante Fusion von Linde und Praxair mit auf den Weg gebracht. Sie ist noch nicht in trockenen Tüchern
imago/Sven Simon
Linde-Chefaufseher Wolfgang Reitzle: Er hat gegen große Proteste und Widerstände die geplante Fusion von Linde und Praxair mit auf den Weg gebracht. Sie ist noch nicht in trockenen Tüchern

Die Gase-Hersteller Linde und Praxair basteln seit einem Jahr an ihrer 80 Milliarden Dollar schweren Fusion. Um die Kartellbehörden milde zu stimmen, wollen die Konzerne Geschäftsteile mit Milliardenwert verkaufen. Ein japanischer Konzern gilt als favorisierter Käufer.

Die Industriegashersteller Linde Börsen-Chart zeigen und Praxair wollen Insidern zufolge vor ihrer geplanten Fusion europäische Firmenteile an strategische Investoren verkaufen. Favorit für Vermögenswerte von insgesamt mehr als vier Milliarden Dollar sei der japanische Konzern Taiyo Nippon Sanso, sagten mehrere mit der Angelegenheit vertraute Personen der Nachrichtenagentur Reuters.

Demnach setzen Linde und Praxair für die europäischen Firmenteile auf Interessenten aus der Branche, um von den Kartellwächtern eine Genehmigung für ihre Fusion zu bekommen. Den Insidern zufolge könnten der Finanzinvestor CVC Capital Partners und die hessische Gasfirma Messer noch immer zum Zuge kommen. Die Finanzinvestoren Carlyle, Onex und Blackstone kommen demnach für die US-Geschäfte infrage. Die Gebote müssen bis Montag eingegangen sein.

Die Münchner Linde-Gruppe und Praxair aus dem US-Staat Connecticut bieten eine Vielzahl von Gasen von Sauerstoff bis Helium an. Die beiden Konzerne hatten sich vor einem Jahr auf einen Zusammenschluss im Volumen von 80 Milliarden Dollar geeinigt. Das neue Unternehmen würde mit einem Umsatz von 29 Milliarden Dollar die französische Air Liquide überholen und hätte 88.000 Mitarbeiter.

Der neue Konzern soll von den USA heraus geführt werden. Die IG Metall befürchtet den Verlust von Arbeitsplätzen und Mitbestimmungsrechten. Bei zu hohen Auflagen der Kartellbehörden haben sich Linde und Praxair einen Rückzieher vorbehalten.

Mit dem Verkauf von Firmenteilen hoffen Linde und Praxair, Bedenken der Kartellbehörden zu zerstreuen. Die EU-Wettbewerbshüter hatten ein vertieftes Prüfverfahren zur geplanten Fusion eingeleitet. Es gebe Bedenken, dass der Wettbewerb auf dem Markt für mehrere wichtige Gase, darunter Sauerstoff und Helium, beeinträchtigt werden könne, hieß es seinerzeit. Die EU-Wettbewerbshüter haben bis 4. Juli Zeit, die angestrebte Megafusion zu durchleuchten.

rei mit Reuters

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