Donnerstag, 21. Februar 2019

US-Kartellamt meldet Bedenken an Gasriesen-Fusion von Linde und Praxair droht zu scheitern

Linde-Gebäude in Pullach

Linde Börsen-Chart zeigen und Praxair müssen für ihre Fusion wegen kartellrechtlicher Bedenken möglicherweise mehr Unternehmensteile veräußern als bislang erwartet. Das habe sich aus Gesprächen mit verschiedenen Wettbewerbsbehörden ergeben, teilte Linde in der Nacht zu Sonntag mit. Das könnte den Zusammenschluss ins Wanken bringen. Linde und Praxair haben sich vorbehalten, die Fusion abzublasen, wenn sie mehr als 3,7 Milliarden Euro Umsatz oder 1,1 Milliarden Euro operativen Gewinn (Ebitda) abgeben müssten.

Linde sei darüber informiert worden, dass die US-Behörde Federal Trade Commission (FTC) Erwartungen im Hinblick auf zusätzliche Veräußerungen und die betreffenden Käufer habe, die für eine Freigabe als erforderlich angesehen würden, hieß es in der Mitteilung des Konzerns. Es bestehe daher eine höhere Wahrscheinlichkeit, dass die vereinbarte Obergrenze für Veräußerungen überschritten werde. Über die Folgen für die geplante Fusion äußerte sich Linde nicht direkt, machte aber deutlich, dass die neuen Anforderungen "wahrscheinlich zu einer Überschreitung einer vereinbarten Obergrenze für von Linde und Praxair zu akzeptierende Kartellauflagen führen". In weiteren Gesprächen mit der FTC solle "ein für die Beteiligten akzeptables Ergebnis" erreicht werden.

Linde und Praxair analysierten nun die Erwartungen der Kartellwächter, um deren Reichweite einzuschätzen und zu bewerten, inwieweit sie sich schnell genug umsetzen ließen, um eine rechtzeitige Freigabe des Zusammenschlusses zu erreichen. Bis spätestens 24. Oktober muss dieser über die Bühne gegangen sein. Hintergrund ist das deutsche Recht, nach dem die Aktionäre binnen zwölf Monaten Klarheit über das Gelingen der Transaktion haben müssen.

Die Nachrichtenagentur Reuters hatte Mitte Juli berichtet, dass die EU kurz davor stünde, grünes Licht für die Fusion zu geben. Kartellrechtliche Bedenken der EU-Kommission seien ausgeräumt worden durch die Praxair-Zusage, sich für den geplanten Zusammenschluss von einem Großteil seines Europageschäfts zu trennen, sagten zwei mit dem Vorgang vertraute Personen. Der japanische Konzern Taiyo Nippon Sanso übernimmt Geschäftsteile für insgesamt fünf Milliarden Euro. Zudem verkauft Linde einen Großteil seines Amerika-Geschäfts an den deutschen Konkurrenten Messer. Das hessische Familienunternehmen und der Finanzinvestor CVC übernehmen gemeinsam für umgerechnet 2,8 Milliarden Euro Firmenteile in den USA, Kanada, Brasilien und Kolumbien.

Durch die Fusion von Linde und Praxair würde der weltgrößte Hersteller von Industriegasen wie Sauerstoff und Helium entstehen.

rtr/dpa/mh

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