Mittwoch, 20. Februar 2019

Rückschlag für Reitzle, Rückzieher möglich EU hat Bedenken wegen Fusion von Linde und Praxair

Linde-Aufsichtsratschef Reitzle: Die EU schaut nochmal nach
imago/Sven Simon
Linde-Aufsichtsratschef Reitzle: Die EU schaut nochmal nach

Die EU-Wettbewerbshüter nehmen die geplante Fusion zwischen dem Industriegasekonzern Linde und dem US-Konkurrenten Praxair ins Visier. Eine vertiefte Prüfung des Zusammenschlusses werde eingeleitet, teilte die EU-Kommission am Freitag in Brüssel mit. Es gebe Bedenken, dass der Wettbewerb auf dem Markt für mehrere wichtige Gase, darunter Sauerstoff und Helium, beeinträchtigt werden könne.

"Gase wie Sauerstoff und Helium kommen bei der Herstellung einer Vielzahl von Produkten, die wir tagtäglich verwenden, zum Einsatz. Die Hersteller beziehen diese Gase von einer geringen Zahl von Anbietern", sagte EU-Wettbewerbskommissarin Margrethe Vestager. Die beiden Unternehmen liefern etwa medizinischen Sauerstoff, mit dem Krankenhäuser und Pflegeheime versorgt werden.

"Deshalb werden wir sorgfältig prüfen, ob der geplante Zusammenschluss der Gasanbieter Praxair und Linde Börsen-Chart zeigen für die europäischen Verbraucher und Unternehmen zu höheren Preisen oder einer geringeren Auswahl führen würde", sagte Vestager weiter.

EU-Wettbewerbshüter haben nun 90 Tage für vertiefte Prüfung Zeit

Die EU-Wettbewerbshüter haben nun 90 Arbeitstage - also bis zum 4. Juli - Zeit, das Vorhaben zu durchleuchten. Bedenken gebe es unter anderem, dass einschließlich der beiden Unternehmen nur die vier größten Konzerne in der Branche den für die Wettbewerbsfähigkeit erforderlichen weltweiten Zugang zu Heliumquellen hätten.

Linde und Praxair hatten ihren Zusammenschluss im vergangenen Sommer vereinbart. Linde-Aufsichtsratschef Wolfgang Reitzle hatte das Vorhaben gegen den Widerstand der Linde-Beschäftigten durchgedrückt.

Möglicher Rückzieher bei zu hohen Auflagen der Kartellbehörden

Der neue Konzern soll zum Weltmarktführer für Industriegase mit 66 Milliarden Euro Börsenwert, 80.000 Mitarbeitern und 27 Milliarden Euro Umsatz werden. Er soll aus den USA heraus geführt werden. Die IG Metall befürchtet den Verlust von Arbeitsplätzen und Mitbestimmungsrechten. Bei zu hohen Auflagen der Kartellbehörden haben sich Linde und Praxair einen Rückzieher vorbehalten.

la/dpa/reuters

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