Samstag, 29. April 2017

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Nach dem erneuten Praxair-Angebot Linde-Aufsichtsrat berät mögliche Fusion

Linde: Bald in einem Konglomerat mit Praxair? Der Aufsichtsrat berät darüber

Richtungsentscheidung bei Linde: Wenn der Aufsichtsrat des Gaskonzerns am Nachmittag zusammen kommt, wird der neuerliche Fusionsvorschlag des US-Rivalen Praxair für heftigen Diskussionsstoff sorgen. Kennern zufolge ist der Ausgang des Treffens völlig offen. Während Aufsichtsratschef Wolfgang Reitzle auf einen Zusammenschluss drängt, halten sich die Vertreter der Arbeitnehmer bedeckt. Die Entsandten der Betriebsräte wie auch der Gewerkschaften IG Metall und IG BCE wollen sich erstmal ein Bild der Lage machen - es sei daher denkbar, dass eine Richtungsentscheidung verschoben wird, sagte ein Insider. "Das Thema ist im Fluss." Das Unternehmen wollte sich zunächst nicht dazu äußern.

Nach Einschätzung eines anderen Kenners hat Praxair aus Sicht des Managements in seinem aktuellen Vorstoß nun ausreichend Zugeständnisse an die Münchner gemacht. So seien etwa zwei Konzernzentralen in Bayern und den USA eine Option. Den 200 Beschäftigten in der Linde-Zentrale könnten Standortgarantien von drei bis fünf Jahren gemacht werden. Ein dem US-Konzern nahestehender Insider sagte, Praxair sei Linde bei "sozialen Themen", etwa der Besetzung von Spitzenpositionen, entgegen gekommen. Es gebe verschiedene Vorschläge für die Ansiedlung eines neuen gemeinsamen Hauptsitzes.

Angesichts möglicher Synergien von bis zu einer Milliarde seien die Kosten dafür vernachlässigbar. Die 5500 Linde-Mitarbeiter würden geschont, da das deutsche Praxair-Geschäft ohnehin verkauft werden müsse, sagten Insider. Praxair würde seine Anlagen zudem künftig von Linde beziehen und sie nicht bisher am Markt kaufen. Offen blieb indes, wie es mit dem aktuellen Sparplan des scheidenden Linde-Chefs Wolfgang Büchele weitergehen soll, der den Abbau von bis zu 4000 der weltweit 65.000 Arbeitsplätze vorsieht.

Ein Kenner betonte, es seien noch keine Detailplanungen für den Zusammenschluss übermittelt worden. Laut Linde geht es aber weiterhin um eine Fusion unter Gleichen. Das bedeutet, dass keiner der beiden Partner einen größeren Aufschlag auf den Aktienkurs des anderen zahlt. Die Gespräche über den Zusammenschluss zum größten Industriegasekonzern der Welt waren vor zwei Monaten überraschend geplatzt, weil sich beide Seiten nicht über zentrale Fragen wie den Firmensitz, Entwicklungsstandorte und Führungspersonalien einigen konnten.

got/reuters

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