Donnerstag, 19. Oktober 2017

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Start-up Lilium erhält 90 Millionen Dollar Millionen-Investment beflügelt Bau von Elektro-Lufttaxi

Skizze einer Station für Lilium-Flugzeuge: In 5 Minuten sollen Passagiere ans andere Ende der Stadt fliegen, verspricht Lilium

Einfach die Staus auf den Straßen überfliegen: Davon haben die meisten Autofahrer schon mal geträumt, als sie im Stop-and-Go-Verkehr standen. Die mächtigsten Taktgeber des Silicon Valley wollen es nicht beim Träumen belassen. Sie investieren seit einiger Zeit vermehrt in Start-ups, die Kleinstflugzeuge für gerade mal eine Handvoll Passagiere bauen wollen. In Zukunft sollen diese, so der verwegene Plan, senkrecht auf Stationen möglichst in den Stadtzentren starten und landen können - und so eine neue, schnelle Art der Personenbeförderung ermöglichen.

Die besten Karten im Buhlen um Investorengeld haben Start-ups, die die Personenbeförderung durch die Luft mit möglichst geräusch- und abgasarmen Antrieben kombinieren - also auf Elektroantrieb setzen. Wenn sie auch noch in Aussicht stellen, dass ihre Flugzeuge bald ohne Piloten oder menschliche Steuerung auskommen, erhöht das die Chancen auf einen üppigen Geldsegen.

Solche Personen-Flugdrohnen wollen aber nicht nur amerikanische oder chinesische Start-ups bauen - oder etwa der Flugzeughersteller Airbus oder der Fahrdienst Uber. Gut im Rennen ist offenbar auch ein junges Unternehmen aus München: Das deutsche Startup Lilium ist seinem Ziel, das erste elektrisch angetriebene Lufttaxi der Welt in Serie zu bauen, einen Schritt nähergekommen.

Die Münchener Jungfirma sammelte frisches Kapital in Höhe von 90 Millionen Dollar bei Investoren ein. Mit dem Geld will Lilium laut eigenen Angaben ein fünfsitziges Flugzeug entwickeln, das in Serie gehen solle. Die ersten Testflüge des Kleinstfliegers sind für 2019 geplant.

Erst 2015 gegründet - und nun schon renommierte Investoren

Nach eigenen Angaben vom Dienstag steckten unter anderem der chinesische Internet-Gigant Tencent, der Fonds Atomico von Skype-Gründer Niklas Zennström sowie Europas größte Investmentfirma in Familienbesitz, LGT, Geld in das 2015 von vier Absolventen der Technischen Universität München gegründete Unternehmen. Auch die Investment-Firma Obvious Ventures von Twitter-Mitgründer Ev Williams soll sich an der jüngsten Kapitalrunde von Lilium beteiligt haben.

Mit seiner ersten Geldspritze von gut zehn Millionen Dollar hatte Lilium einen Prototypen entwickelt und getestet, der senkrecht starten und landen kann. Zugleich fliegt die Maschine im Gegensatz zu Konkurrenzmodellen wie ein klassisches Flugzeug und nicht wie eine große Drohne.

"Wir haben einen Prototypen gebaut, der demonstriert, dass die Technologie an sich funktioniert - aber der größere Weg ist der vom Prototypen zum zugelassenen Serienflugzeug", sagte Mitgründer und Chef Daniel Wiegand gegenüber Nachrichtenagenturen. Deshalb seien nun der Umfang an Tests für die Zulassung, aber auch der Detailaufwand in der Entwicklung um ein Vielfaches höher.

"Wir werden sicherlich noch eine Finanzierungsrunde machen, bevor wir in Serie auf dem Markt sind. Aber man kann mit 90 Millionen schon sehr viel schaffen, auch in der Flugzeugentwicklung."

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