Freitag, 16. November 2018

Vor Veto aus Berlin - Maschinenbauer soll jetzt an die Börse Chinesischer Investor gibt bei Leifeld auf

Chinesische Investoren sind nach wie vor an deutschen Unternehmen interessiert, doch das politische Berlin reagiert zusehends abweisend

Das chinesische Übernahmevorhaben beim deutschen Maschinenbauer Leifeld Metal Spinning AG ist abgeblasen worden. Angesichts der politischen Bedenken gegen die Übernahme trat der Interessent, die französische Manoir Industries, hinter der wiederum die chinesische Gesellschaft Yantai Taihai Group steht, von dem Vorhaben zurück, wie Leifeld-Hauptaktionär Georg Kofler am Mittwoch der Nachrichtenagentur Reuters sagte.

"Der Interessent hat seinen Antrag auf eine Undenklichkeitsbescheinigung beim Wirtschaftsministerium zurückgezogen", sagte er. "Das Übernahmevorhaben wird nicht mehr verfolgt." Aufsichtsrat und Geschäftsführung planten nun, die Gesellschaft "noch dieses Jahr" an die Börse zu bringen, kündigte Kofler als Konsequenz an. Wir wollen mehr als 50 Prozent dann im Streubesitz haben - im regulierten Markt", sagte Kofler, der früher Chef von ProSieben und dem Sky-Deutschland-Vorgänger Premiere war.

Grund für die Bedenken in der deutschen Regierung waren Sicherheitserwägungen, nicht zuletzt, weil das chinesische Unternehmen im Nukleargeschäft tätig ist. Ursprünglich war erwogen worden, dass das Kabinett in seiner Sitzung ein Veto gegen das Übernahmevorhaben einlegt.


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Das Ahlener Unternehmen beschäftigt laut "Wirtschaftswoche" rund 200 Mitarbeiter. Die Firma sei Technologieführer bei hochfesten Materialien, die in der Luft- und Raumfahrt zum Einsatz kommen, aber auch im Nuklearbereich verwendbar seien.

Die Regierung hatte zuletzt bereits den Kauf eines Anteils von 20 Prozent an dem Stromnetzbetreiber 50Hertz durch einen chinesischen Investor verhindert. Auf ihr Geheiß war das Paket stattdessen von der staatlichen Förderbank KfW in Frankfurt übernommen worden, um es später weiterzuveräußern.

Auch auf EU-Ebene wird derzeit darüber diskutiert, Übernahmen durch chinesische Investoren zu erschweren. Chinesische Investoren sind weltweit aktiv, in Deutschland sind die Unternehmen aus der Volksrepublik vor allem an Schlüsseltechnologien wie Robotik, Maschinen- und Anlagenbau oder Biomedizin interessiert.

Offizielles Ziel der chinesischen Regierung ist es, bis Mitte des Jahrhunderts in sämtlichen wichtigen Industriesparten die technologische Weltspitze zu übernehmen. Am meisten Aufsehen erregte bislang 2016 die milliardenschwere Übernahme von Kuka , einem der technologisch führenden Hersteller von Robotern für die Industrie. Käufer war der chinesische Konzern Midea.

Rei/Reuters/dpa

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