Sonntag, 9. Dezember 2018

Industriespionage Lanxess will Verdächtige vor Gericht bringen

Kampf gegen Industriespionage

Es klingt wie das Drehbuch zu einem Krimi: Über Jahre soll ein leitender technischer Angestellter von Lanxess Börsen-Chart zeigen Geschäftsgeheimnisse des Chemieunternehmens nach China verraten haben. Dabei ging es um das Herstellungsverfahren eines neuen, vielversprechenden Produkts. Die Staatsanwaltschaft Köln erhob im Juni Anklage gegen den ehemaligen Mitarbeiter, wie die Nachrichtenagentur Reuters von der Behörde jetzt erfuhr. Hintergrund ist eine Anzeige von Lanxess vom Sommer 2016. Das Landgericht Köln muss nun entscheiden, ob ein Hauptverfahren eröffnet wird.

Dem Angeschuldigten, ein 48-jähriger Deutscher chinesischer Herkunft, drohen bis zu vier Jahre Gefängnis. Dem Mann wird vorgeworfen, relevante Betriebsgeheimnisse über das Herstellungsverfahren des Lanxess-Produkts entwendet, per E-Mail verschickt und in China verwertet zu haben. Neben dem ehemaligen Lanxess-Mitarbeiter, dem das Unternehmen fristlos gekündigt hat, gibt es einen zweiten Angeschuldigten, der die deutsche Staatsbürgerschaft hat und ebenfalls chinesischer Herkunft ist. Der 40-Jährige hat laut Anklage die Betriebsgeheimnisse entgegengenommen und war an der Verwertung in China beteiligt. Auch ihm droht eine Freiheitsstrafe von bis zu vier Jahren.

Lanxess bestätigte gegenüber Reuters, dass eine Gruppe von Personen chinesischer Herkunft vertrauliche Informationen über ein "innovatives, noch nicht umsatzstarkes Produkt" entwendet und eine kommerzielle Verwertung versucht hat. Der Haupttäter sei ein ehemaliger Mitarbeiter gewesen, der seinen Zugang zu Betriebs- und Geschäftsgeheimnissen missbraucht habe. "Lanxess konnte die Täter überführen und zieht sie gerichtlich zur Verantwortung", erklärte ein Unternehmenssprecher. "Es ist Lanxess damit gelungen, Schaden für das Geschäft abzuwehren." Zu weiteren Einzelheiten wollte sich der Konzern nicht äußern.

E-Mails nach China verschickt

Das Landesarbeitsgericht Düsseldorf verurteilte den ehemaligen Lanxess-Mitarbeiter bereits zu einer Schadensersatzzahlung von rund 166.677 Euro. Er muss zudem gegebenenfalls weiteren Schaden ersetzen. Die Vorwürfe hatte er vor Gericht zurückgewiesen. Allerdings: Wie aus einer Mitteilung des Landesarbeitsgerichts hervorgeht, verschickte der Mann, der seit Anfang 2010 in leitender Position war, zwischen September 2011 und März 2013 auf Chinesisch verfasste E-Mails an einen "Herrn U in China". Diese enthielten neben dem Herstellungsprozess des Lanxess-Produkts auch eine Anlageninventar- und Materialstückliste zur Herstellung.

"Herr U" wiederum soll im Mai 2013 einen Projektvorschlag für eine Produktionsanlage übersandt haben - woraufhin der damalige Lanxess-Mitarbeiter Anfang 2016 zusammen mit einem anderen Mann eine Gesellschaft zum Vertrieb des Produkts gegründet und im Internet für diese geworben habe. Er sei außerdem Gesellschafter einer GmbH gewesen, die sich mit Import und Export befasste und unter anderem mit dem kopierten Produkt aus China handelte.

Den Unterlagen zufolge wirft Lanxess ihm zudem vor, dass "Herr U" in China eine Produktionsanlage errichte, die jährlich 400 Tonnen des kopierten Produkts herstellen solle. Ob der Bau abgeschlossen wurde oder die Anlage in Betrieb ist, ist nicht bekannt. Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass die beiden Männer versuchten, Kunden von Lanxess abzuwerben. So sollen sie sich etwa bei Messeveranstaltungen als Konkurrenzanbieter ins Gespräch gebracht haben.

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