Freitag, 16. November 2018

Nach Voith verkauft auch Großaktionär Loh Aktien nach China Deutsche Industrielle machen bei Kuka Kasse

Weg damit: Elektro-Unternehmer Friedhelm Loh hat seine Aktien an Kuka verkauft.

Der chinesische Investor Midea hat die Mehrheit an dem deutschen Roboterbauer Kuka praktisch sicher. Am Montag teilte der Elektro-Unternehmer Friedhelm Loh mit, seinen Anteil von 10 Prozent an die Chinesen verkauft zu haben. Am Wochenende hatte bereits der Familienkonzern Voith den Verkauf seines 25,1-Prozent-Pakets publik gemacht. Weil Midea zuvor schon selbst 13,5 Prozent der Aktien hielt, kommen die Chinesen damit bereits jetzt auf einen Anteil von 48,6 Prozent.

Der Schritt unterstreicht, dass auch für Familienunternehmen kurzfristige wirtschaftliche Argumente mitunter mehr zählen als vage politische. Die Bundesregierung hatte mehrfach dafür geworben, Kuka nicht komplett in chinesische Hände zu geben, sondern mindestens ein großes Aktienpaket in deutscher Hand zu belassen. Kuka gilt als wichtiger Technologieträger für die zunehmende Vernetzung der Industrie ("Industrie 4.0"). Zwischenzeitlich hatte Berlin sogar versucht, einen Gegenangebot gegen Midea zu organisieren.

Die IG Metall hatte der Politik Flankenschutz gegeben: Augsburgs IG-Metall-Chef Michael Leppek hatte kürzlich betont, er hoffe, dass Voith und Loh ihre Anteile behalten. Dies wäre "ein wichtiges Signal für die Nachhaltigkeit der deutschen Wirtschaft und gegen kurzfristiges Gewinnstreben", sagte Leppek, der auch stellvertretender Aufsichtsratschef bei Kuka ist.

Voith rechtfertigte den Verkauf mit seinem Gewinn als Investor: Der Anlagenbauer rechne mit einer Erlössumme von 1,2 Milliarden Euro. Damit habe sich der Wert der Beteiligung binnen rund anderthalb Jahren mehr als verdoppelt. "Unser Einstieg bei Kuka hat sich strategisch als ein großer Erfolg erwiesen", sagte Voith-Chef Hubert Lienhard. "Ich bin davon überzeugt, dass Voith einer der Gewinner dieses Übernahmeangebots ist."

Weg damit: Voith-Chef Hubert Lienhard

Midea bietet 115 Euro je Kuka-Aktie, die Frist zur Annahme für alle Aktionäre läuft erst einmal zum 15. Juli. Diejenigen Aktionäre, die bis dahin unentschlossen bleiben, könnten sich in einer Nachfrist zwischen 21. Juli und 3. August entscheiden, ob sie doch noch das Angebot annehmen und ihre Papiere verkaufen. Anschließend käme allerdings noch eine monatelange Phase, in der vor einer tatsächlichen Übernahme kartellrechtliche Prüfungen anstehen. Voraussichtlich erst Ende März 2017 würde die Übernahme durch Midea tatsächlich vollzogen.

Lesen Sie auch: Das exklusive Porträt von Friedhelm Loh aus der Dezember-Ausgabe des manager magazins.

soc, dpa-afx, Reuters

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