Mittwoch, 12. Dezember 2018

Kuka in Turbulenzen Wie die Träume der Hype-Branche Robotik platzen

Scheidender Kuka-Chef Till Reuter (im Hintergrund Nachfolger Peter Mohnen)

"Ich gehe nicht gern, ich bin traurig" - der scheidende Kuka-Chef Till Reuter macht seinen Abgang vom führenden deutschen Roboterhersteller per Interview mit der "Augsburger Allgemeinen" zur Demonstration. Am Dienstagabend lud er noch Beschäftigte zum Eishockeyspiel der Augsburger Panther, nachdem die Verkündung seines Abgangs im Werk schon zu Sympathiekundgebungen führte.

Mit der Ablösung Reuters, so scheint es, greift der chinesische Eigentümer Midea jetzt doch beherzt zu auf kostbares Know-how, den größten deutschen Hersteller von Industrierobotern - wenngleich die Firma mit Reuters Vorstandskollege Peter Mohnen als Nachfolger Kontinuität wahren will und auch versichert, der Vertrag zum Schutz des geistigen Eigentums bleibe gewahrt. Trotzdem fühlen sich diejenigen in Deutschland gestärkt, die wegen des Falls Kuka eine antichinesische Mauer fordern.

Doch es gibt noch eine andere, ganz profane Erklärung für die Ungeduld der Investoren: Kukas Geschäft läuft nicht mehr rund. Midea hat viel Geld für ein Unternehmen gezahlt, das zwar weiterhin eine starke Stellung in einer wichtigen Zukunftstechnik verspricht, aktuell aber die Gewinnmarge der Chinesen aus Old-Economy-Geschäften (Waschmaschinen und Klimaanlagen) verwässert.

Die Roboterindustrie, seit Jahren gefeiert oder gefürchtet als wichtiger Treiber der Transformation hin zu Industrie 4.0 und Internet der Dinge, schafft es nicht, die hochfliegenden Erwartungen zu erfüllen. 2018 ist ein Jahr vieler Enttäuschungen - nicht zuletzt für Kuka.

Schon vor einem Jahr wurden 250 Stellen in der inzwischen nicht mehr ausgewiesenen Anlagenbau-Sparte Systems gestrichen, die nur auf 1 Prozent Ebit-Rendite kam. In diesem Oktober musste Reuter melden, dass Kuka insgesamt mit einem sinkenden Umsatz in diesem Jahr rechne. "Nach einer langen Wachstumsperiode" lege die Firma jetzt "einen stärkeren Fokus auf unser Effizienzprogramm". Als Gründe nannte Kuka "sowohl die Abkühlung der Konjunktur in der Automobilindustrie als auch Unwägbarkeiten des chinesischen Automatisierungsmarktes".

Die Schwäche der Autoindustrie hat im Sommer sogar die gesamte deutsche Wirtschaftsleistung ins Minus gedrückt - die Roboterhersteller als deren Zulieferer bleiben davon nicht verschont. Traditionell ist die Autoindustrie stärker automatisiert als jede andere Branche und nimmt einen Großteil der Industrieroboter ab. Erst allmählich gewinnen die Roboterbauer auch andere Abnehmer, vor allem in der Elektroindustrie.

Wie Elon-Musk Anti-Werbung für Roboter betrieb

Kuka rühmt sich, im Vergleich der "großen Vier" (neben ABB, Fanuc und Yaskawa) wenig abhängig von dieser einen Branche zu sein. Doch auch für die Augsburger macht die Autoindustrie bis heute knapp die Hälfte des Geschäfts aus.

Denkbar wäre, dass die deutschen Autobauer wegen der China-Connection besonders zurückhaltend gegenüber ihrem traditionellen Lieferanten Kuka wären. Der japanische Wettbewerber Fanuc sieht sich selbst als Marktführer - neuerdings auch in Europa. "Tatsache ist, dass die deutschen Autohersteller ihre Roboterzulieferer diversifizieren", sagte Fanuc-Chef Yoshiharu Inaba im August der "Börsen-Zeitung".

Doch auch Fanuc nennt die Marktsituation "herausfordernd und insgesamt unvorhersehbar" und bereitet die Anleger auf einen Rückgang der Nachfrage im laufenden Geschäftsjahr vor.

Besondere Furore machte Tesla-Chef Elon Musk - zuerst als ausgesprochener Roboterenthusiast, der die Automatisierung auf die Spitze trieb, Ende 2017 für die "Produktionshölle" des neuen Model 3 hunderte Roboter von Fanuc und Kuka bestellte und entgegen der Branchenpraxis sogar die Endmontage robotisieren ließ; in diesem Frühjahr folgte jedoch die große Ernüchterung. Plötzlich räumte Musk ein, zu viele Roboter seien die Ursache der Qualitätsprobleme - mehr menschliche Arbeit wurde als Lösung präsentiert; nicht die beste Werbung für die Automaten.

Leichtere, flexiblere und billigere Roboter, die mit Menschen zusammenarbeiten statt sie zu ersetzen, werden seit Jahren als das nächste große Ding gepriesen. Als Pionier dieser Cobots gilt die 2011 gestartete US-Firma Rethink Robotics - doch die hat in diesem Oktober aufgegeben. Es fehlte der kommerzielle Erfolg.

Andere Startups, angeführt von der dänischen Firma Universal Robots, setzen das Konzept zwar erfolgreich um und gewinnen so auch mittelständische Kunden aus mehreren Industriebranchen für die Robotik. Doch mit rasantem Wachstum kommen die (inzwischen von einem US-Investor gekauften) Dänen auch erst auf 150 Millionen Euro Jahresumsatz - ein Schatten der Milliardengeschäfte der "großen Vier", die auch alle ihre Palette um Cobots und Leichtbau erweitert haben.

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