Donnerstag, 22. November 2018

Aktie springt um mehr als 30 Prozent Chinesen greifen nach Roboterfirma Kuka

Kuka-Roboter versetzten zuletzt auch Kanzlerin Angela Merkel ins Staunen
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Kuka-Roboter versetzten zuletzt auch Kanzlerin Angela Merkel ins Staunen

Der chinesische Haushaltsgerätehersteller Midea will seinen Anteil am deutschen Roboter- und Anlagenbauer Kuka kräftig aufstocken. Nach eigenen Angaben hat Midea es jedoch nicht auf eine Kontrolle über das Augsburger Unternehmen abgesehen.

Kuka solle an der Börse notiert bleiben, ein Beherrschungsvertrag sei nicht geplant, heißt es in einer am Mittwoch veröffentlichten Präsentation von Midea. Ziel sei es nur, den Anteil an Kuka von derzeit 13,5 Prozent auf mindestens 30 Prozent aufzustocken. Der Kuka-Vorstand um Till Reuter habe weiterhin freie Hand. Auch am Firmensitz, der Belegschaft und an den Produktionsstandorten von Kuka solle sich nichts ändern. Nur eine angemessene Vertretung im Aufsichtsrat verlange Midea.

Über ihre Tochter Mecca International gaben die Asiaten am Mittwoch ein öffentliches Übernahmeangebot ab: Pro Kuka-Aktie Börsen-Chart zeigen bieten sie demnach 115 Euro - das entspricht einem Unternehmenswert von rund 4,5 Milliarden Euro. Die im MDax Börsen-Chart zeigen notierten Aktien von Kuka legten am Mittwoch vorbörslich um bis zu 35,5 Prozent zu, wurden zuletzt aber noch etwas unterhalb des Angebotspreises gehandelt.

Anfang Februar hatten die Chinesen ihren Anteil bei Kuka auf gut 10 Prozent fast verdoppelt. Im August 2015 waren sie Chinesen bei dem Roboterspezialisten eingestiegen.

Kuka reagierte nicht abgeneigt. Vorstand und Aufsichtsrat wollen das Angebot sorgfältig prüfen, wie das Unternehmen am Mittwoch mitteilte. "Wir prüfen es ergebnisoffen, grundsätzlich passt der Vorschlag aber zu unserer Strategie", sagte eine Kuka-Sprecherin. Eine Empfehlung werde das Management aber erst abgeben, wenn in vier bis acht Wochen das tatsächliche Angebot von Midea vorliege. Davor muss Midea unter anderem noch rechtliche Themen klären.

Zwei weitere Großaktionäre

Laut Homepage ist der schwäbische Maschinenbaukonzern Voith mit einem Anteil von 25,1 Prozent der größte Anteilseigner von Kuka. Voith werde die weitere Entwicklung beobachten, hieß es in einer Stellungnahme. Das Unternehmen sei "sehr zufrieden" mit der Entwicklung der Beteiligung seit dem Einstieg im November 2014.

Außerdem besitzt der hessische Mittelständler Friedhelm Loh 10 Prozent und hat seine Absicht erklärt, den Anteil "in Abhängigkeit der Markt- und Unternehmensentwicklung" aufzustocken.

Es gehe darum, die Chancen im chinesischen Logistikmarkt zu nutzen und die Automatisierung bei Mideas bestehenden Kunden voranzutreiben, hieß es in der Midea-Präsentation. Die Chinesen sind nach eigenen Angaben weltweit Marktführer für Haushaltsgeräte und erzielen rund 7 von 18,7 Milliarden Euro Umsatz außerhalb ihres Heimatlandes.

Kuka wiederum hat sich vorgenommen, nach jahrelanger Abhängigkeit von der Autoindustrie mehr Geschäft mit Kunden aus der Logistik, Luftfahrt, IT oder Herstellern von Computern, Telefonen, Tablets und Haushaltsgeräten zu machen. Die Schwaben sprechen bereits seit einiger Zeit mit dem chinesischen Unternehmen über dessen Automatisierung von gut 100 Logistikzentren.

China ist für Kuka auch deshalb interessant, weil im größten Robotermarkt der Welt der Automatisierungsgrad vergleichsweise gering ist. Mit dem Einstieg von Midea und der Partnerschaft könne Kukas China-Strategie beschleunigt werden, hieß es weiter. Kuka will bis 2020 den Umsatz auf 4,0 bis 4,5 Milliarden Euro steigern, zuletzt erzielten die Augsburger 2,97 Milliarden. Allein in China will der Roboterbauer eine Milliarde umsetzen.

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rei/ak mit dpa-afx/reuters

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