Sonntag, 24. Juni 2018

Zentrale von Korean Air durchsucht Haftbefehl gegen die Frau des Konzernchefs?

Lee Myung Hee: Ehefrau des Korean-Air-Chefs soll Angestellte geschlagen haben
imago/Xinhua
Lee Myung Hee: Ehefrau des Korean-Air-Chefs soll Angestellte geschlagen haben

Die Familie des Chefs von Korean Air, Cho Yang Ho, gerät erneut in die Negativschlagzeilen. Wurde am Donnerstag erst bekannt, dass die Konzernzentrale wegen des Verdachts auf Steuerhinterziehung durchsucht worden ist, teilte die Polizei in Seoul am gleichen Tag mit, dass die Behörde plant, einen Haftbefehl gegen Lee Myung Hee zu beantragen. Lee ist Chos Ehefrau. Als Grund für den Haftbefehl werden Angriffe auf Angestellte angegeben. Die 69-Jährige habe "ihren höheren Status missbraucht, um ohne Schuldgefühle sozial Benachteiligte gewohnheitsmäßig zu beschimpfen, zu beleidigen und zu verletzen", hieß es in einer Erklärung.

Lee war diese Woche zwei Mal von der Polizei befragt worden. Konkret wird ihr vorgeworfen, Fahrer und Hausangestellte sowie Bauarbeiter, die ihr Haus renovierten und ein zu Korean Air gehörendes Hotel bauten, angegriffen zu haben. Sie soll vor den Betroffenen geflucht und geschrien, sie geohrfeigt und getreten haben. Auch eine Schere soll Lee geworfen haben.

Bei der Befragung durch die Polizei zeigte sich Lee offenbar nicht sehr kooperativ. "Trotz der Schwere des Falls hat sie die Anschuldigungen dementiert mit der Begründung, dass sie keine Erinnerung daran habe", bemängelte die Polizei. Die Ermittler begründeten ihr Vorhaben, Lee zu inhaftieren, mit der Gefahr, dass sie Beweise vernichten könnte. Ein Sprecher der Fluggesellschaft Korean Air, die von Lees Ehemann geführt wird, wollte sich unter Verweis auf die laufenden Ermittlungen nicht zu dem Fall äußern.

Zentrale durchsucht

Wie am Donnerstag ebenfalls bekannt wurde, hat die Staatsanwaltschaft in Südkorea auch die Zentrale der Fluglinie Korean Air wegen des Verdachts der Steuerhinterziehung durch die Familie des Firmenchefs durchsucht. Die Ermittler hätten Dokumente und anderes Material in der Firmenzentrale in Seoul sichergestellt, berichtete die nationale Nachrichtenagentur Yonhap am Donnerstag. Ein Sprecher von Korean Air bestätigte die Durchsuchung, nannte aber keine Details.

(K)eine ganz normale Familie: Korean-Air-Chef Cho Yang Ho hat sich in der Vergangenheit schon öfter entschuldigen müssen, unter anderem für seine randalierende Tochter

Laut Yonhap stehen die Ermittlungen unter anderem im Zusammenhang mit einer Erbschaft, für die die Familie keine Steuern gezahlt haben soll. Auch gehe die Staatsanwaltschaft verdächtigen Transaktionen über die Bankkonten der Familie Chos nach. Es bestehe der Verdacht, dass schwarze Kassen angelegt worden seien.

Erst im April war die Familie des Firmenchefs in die Schlagzeilen geraten. Ermittler der Zollbehörde hatten Büros von Korean Air durchsucht, um dem Verdacht nachzugehen, die Familie könnte Luxuswaren ins Land geschmuggelt haben.

Wenige Tage zuvor hatte sich Cho für das Verhalten seiner jüngsten Tochter Cho Hyun Min entschuldigt, weil sie bei einem Geschäftstreffen dem Manager einer Werbefirma Wasser ins Gesicht geschüttet haben soll.

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Cho Hyun Min ist die Schwester von Cho Hyun Ah, die vor drei Jahren wegen Gefährdung der Luftfahrtsicherheit zunächst zu einer Haftstrafe und später zu einer Bewährungsstrafe verurteilt wurde. Sie war in einem Flugzeug von Korean Air in Rage geraten, weil ihr Nüsse in einer Tüte und nicht in einer Schale gereicht wurden. Als Folge eines Streits wurde die Maschine von der Startbahn auf einem Flughafen in New York wieder zum Gate gezogen.

dpa-afx/akn

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