Donnerstag, 29. September 2016

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Konzernumbau Siemens plant erneut Abbau tausender Stellen

Siemens-Chef Joe Kaeser: Den Kauf von Alstom wird er am 7. Mai kaum verkünden können
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Siemens-Chef Joe Kaeser: Den Kauf von Alstom wird er am 7. Mai kaum verkünden können

Am Dienstag berät der Aufsichtsrat über den Umbau von Siemens. Die Verschlankung geht nach Informationen von manager magazin online mit Stellenabbau und einer Entmachtung der Vorstände einher.

Hamburg/München - Sollte General-Electric-Chef Jeff Immelt es geplant haben, Joe Kaeser die Schau zu stehlen, so dürfte ihm dies geligen. Angesichts des schlagzeilenträchtigen Bieterkampfs, den sich GE mit Siemens Börsen-Chart zeigen gerade um den französischen Rivalen Alstom liefert, droht die Strategiepräsentation des neuen Siemens-Chefs am 7. Mai in der öffentlichen Aufmerksamkeit ins Hintertreffen zu geraten.

Den Kauf von Alstom Börsen-Chart zeigen wird Kaeser in Berlin kaum präsentieren können, hat er die Gespräche auf Wunsch der französischen Regierung doch gerade erst wieder aufgenommen. Stattdessen wolle der Siemens-Chef eine andere Akquisition im Energiebereich ankündigen, erfuhr manager magazin online aus Siemens-Kreisen. Die Investition dafür werde im Milliardenbereich liegen, allerdings viel kleiner als Alstom sein.

Auch erste Desinvestitionen sollen den Kreisen zufolge veröffentlicht werden, darunter der Mehrheitsverkauf des österreichischen Stahlanlagenbauers VAI an den japanischen Konkurrenten Mitsubishi Heavy Industries Börsen-Chart zeigen.

Kern der Strategievorstellung wird aber eine Neuorganisation sein, bei der die vier Sektoren aufgelöst werden und damit die oberste Hierarchieebene gestrichen wird. Dies werde einen "signifikanten Stellenabbau" mit der Kürzung von vielen Tausend Stellen mit sich bringen, sagten mehrere Siemens-Topmanager zu manager magazin online. Voraussichtlich werde eine mittlere bis höhere vierstellige Zahl von Arbeitsplätzen wegfallen. Ein Siemens-Sprecher lehnte jeden Kommentar zu den mm-Informationen ab.

Vornehmlich Verwaltungsposten bedroht

Die Jobs kürzt Siemens zusätzlich zu dem 2012 von Kaesers Vorgänger Peter Löscher gestarteten Sparprogramm, bei dem konzernweit noch bis Ende dieses Jahres 15.000 Stellen gestrichen werden. Analysten hätten allerdings teilweise noch höhere Zahlen erwartet und werten den eher moderaten Abbau als Zugeständnis des seit August 2013 amtierenden Siemens-Vormanns an die Beschäftigten und die mächtige IG Metall.

So soll Kaesers neue Sparkur - anders als Löschers Programm - fast ausschließlich Posten in der Verwaltung betreffen, bis hinauf ins obere Management. Ziel sei es, die Prozesse von der Angebotserstellung bis zur Produktion sowie von der Produktion bis zur Abwicklung zu straffen und mit weniger Personal effizienter und schneller zu bewältigen, berichten mehrere Eingeweihte. Die Werke, auch in Deutschland, bleiben demnach weitestgehend ungeschoren.

Nachdem Löscher direkt nach seinem Amtsantritt 2007 rund zwei Milliarden Euro Verwaltungskosten gekürzt hatte, war der Apparat über die letzten Jahre regelrecht gewuchert. Im vergangenen Geschäftsjahr 2012/13 erreichten die Verwaltungs- und Vertriebskosten mit 14,9 Prozent den höchsten Anteil am Umsatz seit 2008.

Insofern leidet Siemens noch unter den Folgen einer von Löscher 2011 gestartete Wachstumsinitiative, bei der Siemens aus den drei Sektoren Energie, Industrie und Medizintechnik vier machte und den Sektor Infrastruktur & Städte zusätzlich schuf, acht Milliarden Euro zusätzlich ausgab und 36.000 Menschen extra einstellte. Trotz dieses Investments wuchs Siemens kaum. So schätzt JP-Morgan-Analyst Andreas Willi den Kostenüberhang nach Abschluss des laufenden Sparprogramms immer noch auf rund zwei Milliarden Euro.

"Siemens wird härter als in den vergangenen zehn Jahren arbeiten müssen, um seine Wettbewerbsfähigkeit aufrechtzuerhalten", schreibt der JP-Morgan-Analyst.

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