Montag, 11. Dezember 2017

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Autos, Flugzeuge, Raketen von Fälschungen betroffen Gepanschte Metalle verseuchen Japans Top-Produkte

Produktion bei Toyota

Ein Skandal um gepanschte Metalle erschüttert Japan. Die Aktie des drittgrößten Stahlkonzerns Kobe Steel stürzte am Mittwoch um weitere 18 Prozent ab, nachdem offenbar mehr Produkte von Datenfälschungen betroffen sind als zunächst angenommen. Am Tag zuvor hatten sie bereits um gut ein Fünftel nachgegeben. Das Unternehmen bestätigte einen Medienbericht, wonach auch die Angaben zu Produkten aus Eisenpulver gefälscht sein könnten.

Die Zeitung "Yomiuri" hatte zuvor berichtet, dass sich der Datenfälschungsskandal auch auf diese etwa in Autogetrieben verwendeten Bauteile ausweiten könnte. Am Wochenende musste der 36.000-Mitarbeiter-Konzern bereits einräumen, die Daten einiger Aluminium- und Kupferprodukte gefälscht zu haben.

Unterdessen berichtete die Tageszeitung "Nikkei", die Tochtergesellschaft Kobelco Research Institute, die sowohl für Kobe Steel als auch andere Firmen Produkte testet, habe ohne Inspektionen Materialien zur Produktion von Halbleitern ausgeliefert. Ein Unternehmenssprecher bestätigte Ermittlungen in dem Geschäftszweig.

Der Zeitung zufolge erwägt Kobe Steel den Verkauf seines Immobiliengeschäfts, um angesichts des Skandals eine drohende Schieflage zu verhindern. Dazu wollte sich der Unternehmenssprecher nicht äußern.

Japans Industrie wurde durch die Enthüllungen in Aufruhr versetzt. Die Datenfälschungen betreffen Materialien, die in Autos, Flugzeugen und möglicherweise auch in einer Weltraumrakete sowie Militärausrüstung eingesetzt wurden.

Kobe-Steel-Vizepräsident Naoto Umehara (r.) entschuldigt sich für den Skandal

Betroffen sind rund 200 Firmen, darunter der Autobauer Toyota Börsen-Chart zeigen . Ihnen sei vorgetäuscht worden, dass ihre Ansprüche erfüllt worden seien. Kobe Steel hatte die Beteiligung Dutzender Mitarbeiter eingeräumt. Die Vorfälle könnten bis zu zehn Jahre zurückreichen.

Kobe Steel erwirtschaftete im vergangenen Jahr einen Umsatz von 1,696 Billionen Yen (12,8 Milliarden Euro). Dabei schrieb der Konzern dabei einen Verlust in Höhe von 170 Millionen Euro. Schon im Jahr zuvor hatte es rote Zahlen gegeben.

nis/rtr

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