Sonntag, 21. Oktober 2018

Was haben CEOs vor dem Top-Job gemacht? So geht´s nach oben - die Dax-Chefs und ihr Weg an die Spitze

Bill McDermott (SAP): Der bestbezahlte Dax-Chef war vorher Chief Sales Officer - und ist damit eine Ausnahme unter den Dax-Karrieren

Was muss man vorweisen und welche Position sollte man innehaben, um an die Spitze eines Dax-Unternehmens berufen zu werden? Die Personal- und Organisationsberatung Korn Ferry hat die Lebensläufe von 170 Vorstandschefs untersucht - mit überraschenden Ergebnissen.

Finanzchef sollte man sein, Erfahrungen aus der Beraterbranche wären nicht schlecht, und Juristen sind klare Außenseiter: Etwa jeder fünfte Vorstandschef aus der Reihe von 170 Dax-CEOS (aus Dax, MDax, TecDax und SDax) war vor seiner Berufung als Dax-CEO bereits Chef einer operativen Geschäftseinheit. 17 Prozent haben bereits CEO-Verantwortung in einem anderen Unternehmen getragen. Ein Fünftel derjenigen, die zum ersten Mal ein Unternehmen geführt haben, war zuvor Finanzvorstand (CFO). Das ist das Ergebnis einer Untersuchung der Lebensläufe von 170 Vorstandsvorsitzenden durch die Personalberatung Korn Ferry.

Wer sich Hoffnungen auf einen Topjob als Dax-CEO macht, sollte bei seiner Karriereplanung folgendes im Hinterkopf behalten: Der größte Anteil der Dax-Konzernchefs war zuvor für operative Geschäftsbereiche verantwortlich. Dagegen hat kaum eine Stabsfunktion CEO-Chancen - bis auf den Finanzchef (CFO). Ehemalige Berater machen zudem die größte Gruppe der heutigen Vorstandschefs aus. Unterhalb des Dax muss man jedoch nicht unbedingt einen Vorstandsrang vorweisen, um zum CEO ernannt zu werden.

"Viele Untersuchungen haben bereits Studienfächer und Ausbildung der Vorstände ausgewertet", sagt Marcus Schneider, Senior Client Partner und Studienleiter bei Korn Ferry. "Uns hat aber insbesondere interessiert: Welche Ressorts versprechen über alle DAX-Werte hinweg die größte Aussicht darauf, einmal selbst die oberste Führungsfunktion einnehmen zu können. Hier haben wir viele Gemeinsamkeiten, aber auch Unterschiede zwischen den Unternehmen der Indizes festgestellt."

Operative Verantwortung bietet größte Chance auf Chefposten

Die besten Chancen, einmal Vorstandschef zu werden, haben die Vorstände mit operativer Geschäftsbereichsverantwortung - also Länder, Märkte und Produktbereiche. Besonders im DAX (37 Prozent) war der größte Teil der heutigen CEOs zuvor auf Vorstandsebene für einen Geschäftsbereich verantwortlich, im MDAX sind es 17 Prozent, im SDAX 22 Prozent.

Auch in der Frage, welche Funktion die Vorstände hatten, bevor sie das erste Mal in ihrer Karriere CEO wurden, führt die operative Geschäftsverantwortung mit 28 Prozent. Im DAX sind es sogar nahezu die Hälfte (46 Prozent), im MDAX ein Viertel und im SDAX ein Drittel. Einzig im TecDax spielt diese Disziplin eine relevante, aber keine übergeordnete Rolle.

"Aufsichtsräte schätzen operative General-Management-Erfahrung, weil sie damit Kandidaten bekommen, von denen sie wissen: Die haben selbst schon einmal im Feuer gestanden", sagt Schneider. "Hilfreich ist es zudem, auch Erfahrung mit Stabsfunktionen zu haben. Hier sticht die Funktion als Finanzchef hervor."

Mehr als ein Viertel der heutigen CEOs war bereits Finanzchef

27 Prozent der heutigen CEOs war im Laufe der Karriere bereits 'Chief Financial Officer' (CFO), bei 21 Prozent war es die letzte berufliche Station, bevor sie das erste Mal den Chefposten im Vorstand übernommen haben. Die oberste Führungsposition in den Finanzen setzt sich damit deutlich von anderen Stabsstellen ab. Vor allem im TecDax, wo fast jeder Dritte der heutigen CEOs unmittelbar vor ihrer ersten Ernennung zum Vorsitzenden des Vorstands Finanzchef waren.

COO gilt im Ausland als Sprungbrett - aber in Deutschland nicht

"Selbst als 'Chief Operating Officer' sind die Chancen in Deutschland deutlich geringer, direkt im Folgeschritt CEO zu werden", sagt Schneider. "Und das, obwohl in der angelsächsischen Region der COO häufig das Sprungbrett zum Chefposten ist." Nur sechs Prozent der CEOs war zuvor COO. "Das mag in Deutschland aber auch daran liegen, dass viele Unternehmen einen hauptamtlichen Stellvertreter des CEO berufen. Dieser nimmt teils ähnliche Funktionen wahr wie ein COO."

Im Dax 30 ist ein Vorstandsrang ein Muss

Während rund 17 Prozent der heutigen CEOs zuvor keinerlei Vorstandsrang hatten - im TecDAX sind es sogar ein fast ein Drittel (32 Prozent) - gibt es im Leitindex Dax keine Chance, Sprecher eines Vorstands zu werden, ohne selbst bereits Organ gewesen zu sein. Das gilt sogar für die Erstberufung in der Karriere. Nur ein einziger heutiger DAX-Chef war kein Vorstand, bevor er das erste Mal in seiner Karriere zum CEO ernannt worden ist.

"Die Größe der Vorstandsgremien unterhalb des Dax sind deutlich kleiner", sagt Schneider. "Teils gibt es im SDAX nur die Posten des CEO und CFO zu verteilen. Das erklärt, warum es hoher Anteil von Neu-CEOs zuvor keine Organverantwortung übernommen hat. Im DAX dagegen ist das undenkbar. Wer die Top-Verantwortung in einem der 30 größten deutschen Unternehmen übernehmen will, von dem erwartet ein Aufsichtsrat Vorstandsrang. Sonst kommen Kandidaten schlicht nicht in Betracht."

Ex-Berater sind die größte Gruppe deutscher CEOs

Der Boom der Unternehmensberatungen in den vergangenen Dekaden hat dazu geführt, dass ein großer Anteil der heutigen CEOs Beratungserfahrung hat. "Dass aber jeder Fünfte seine berufliche Karriere in der Beratung begonnen hat und diese sogar die größte Gruppe stellt, hat uns überrascht", ergänzt Korn-Ferry-Experte Schneider. Im TecDAX sind sogar 26 Prozent nach dem Studium in die Beratung eingestiegen, der höchste Wert.

Daran schließt sich als Einstiegsbereich der Vertrieb direkt an. Kaum eine Funktion ist neben IT so gefragt in Unternehmen - und so schwer zu besetzen. Ein solcher Einstieg bietet laut Korn Ferry gute Voraussetzungen, sich intern wie extern exzellent zu vernetzen und bei entsprechendem Erfolg rasch General-Management- und ergebnisrelevante Aufgaben zu übernehmen."

Vertriebsexperten und Techniker mit guten Chancen

Elf Prozent der CEOs haben ihre berufliche Karriere im Vertrieb begonnen, im Dax sind es sogar 17 Prozent.

Gute Chancen hat auch, wer sich anfangs technischen Themen widmet und in Forschung und Entwicklung beginnt. 17 Prozent der Vorstandschefs haben hier ihre beruflichen Wurzeln, im TecDAX ist es jeder Dritte (35 Prozent).

"Ähnlich wie im Vertrieb sind die Schnittstellen und die Sichtbarkeit im Konzern in diesem Bereich enorm", sagt Schneider. "Hinzu kommt: Innovationsfähigkeit an der Spitze wird immer wichtiger. Wer Technik versteht und wem es gleichzeitig gelingt, mit diesem Wissen ins General Management zu gelangen, der hat später gute Chancen für den Spitzenposten."

Über die Untersuchung: Korn Ferry hat im April 2018 die Lebensläufe von 170 Vorstandsvorsitzenden der Indizes DAX, MDAX, SDAX und TecDAX ausgewertet, um zu prüfen, welche Gemeinsamkeiten und Unterschiede die jeweiligen Karrierewege aufweisen.

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