Mittwoch, 24. Oktober 2018

K+S nach der geplatzten Übernahme Casino Royale in Kassel - Zocken mit fremdem Geld

Rien ne va plus! K+S-Aktionäre müssen sich damit abfinden, dass Potash so schnell kein Angebot mehr vorlegt

2. Teil: Die Phantasie ist erst mal raus. Aber ...

Jan D. Bayer
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    Jan D. Bayer ist Rechtsanwalt in Frankfurt am Main und Inhaber von BayerLaw. Er berät im Übernahme- und Aktienrecht sowie Gläubiger bei finanziellen Restrukturierungen und in Refinanzierungssituationen.
Müssen K+S-Aktionäre davon ausgehen, dass die Absage der Übernahme ein endgültiges Ende der Potash-Bemühungen um K+S bedeutet? Nicht notwendig, aber es dürfte jedenfalls auf absehbare Zeit keine Phantasie dafür bestehen, dass Potash ein Angebot mit einer vier oder auch nur einer drei vor dem Komma für K+S abgibt. Das ist den kanadischen Aktionären von Potash jetzt nicht mehr zu vermitteln. K+S-Aktionäre müssen sich diesbezüglich wohl damit abfinden: Rien ne va plus!

Die industrielle Logik für einen Zusammenschluss zwischen Potash und K+S besteht allerdings noch immer, genauso wie die Überkapazität und der Preisverfall an den Kalimärkten. Potash könnte den einknickenden Kurs bei K+S daher dafür nutzen, am Markt eine deutlich günstigere Position aufzubauen und K+S dann schrittweise im Wege einer schleichenden Übernahme ohne Prämie übernehmen.

Eine andere Möglichkeit bestünde darin, dass Potash in absehbarer Zukunft der K+S eine "Fusion unter Gleichen" aufzwingen könnte, ebenfalls ohne Prämie und gegebenenfalls nur im Tausch für Potash-Aktien. Dafür müsste zunächst der jetzige K+S-Vorstand gehen, und auch dann dürften die Konditionen für die K+S-Aktionäre und die Mitarbeiter deutlich hinter dem zurückbleiben, was einstmals auf dem Tisch lag.

Oder Potash betrachtet sich in aller Ruhe erst einmal den Scherbenhaufen, den der K+S-Vorstand hinterlassen hat und wartet ab, ob K+S Potash wirklich "nicht braucht" und wie sich der vom Vorstand so vollmundig beschworene innere Wert von K+S entwickelt. In diesem Fall dürften die Leerverkäufer bei K+S wieder das Kommando übernehmen, so wie schon bereits vor den Übernahmegerüchten.

Vielleicht wäre es an der Zeit für eine neue Umfrage bei den Privataktionären, was sie vom Vorgehen des K+S-Vorstands heute so halten. Freudige Erregung über die erhaltene Unabhängigkeit des Unternehmens dürfte dabei eine deutlich unterrepräsentierte Rolle spielen.

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