Donnerstag, 13. Dezember 2018

Einigung bei Abertis Hochtief bleibt Bieterrennen erspart

Hochtief: Der spanische Mehrheits-Aktionär ACS einigt sich mit Atlantia über die Übernahme von Abertis. Nun steht bei Hochtief eine Kapitalerhöhung an

Das Bieterrennen um Abertis ist abgeblasen. Der spanische Hochtief-Mehrheitseigner ACS und die italienische Atlantia verständigten sich nach Angaben vom Mittwoch darauf, den spanischen Mautstraßenbetreiber in einer komplexen Transaktion gemeinsam zu übernehmen. Dazu sollen die Abertis-Geschäfte in einer Holding landen, an der Atlantia eine knappe Mehrheit halten soll.

Auf den Essener Baukonzern Hochtief, der mit Unterstützung von ACS für Abertis bietet, soll letztlich nur ein Minderheitsanteil von 20 Prozent entfallen. Atlantia soll zudem bei den Essenern einsteigen. Mit der spanisch-italienischen Übereinkunft ist ein milliardenschwerer Bieterwettkampf vom Tisch.

Hochtief hatte bislang mit ACS im Rücken versucht, den spanischen Mautstraßen-Betreiber allein den Italienern wegzuschnappen. Dazu hatte der Essener Baukonzern im Oktober eine rund 18 Milliarden Euro teure Übernahmeofferte aus Barmitteln und Aktien vorgelegt und damit Atlantia überboten. Der von der Textildynastie Benetton kontrollierte Konzern hatte aber deutlich gemacht, dass er nachlegen wolle - ebenso wie Hochtief. Beide Konzerne standen damit in den Startlöchern für ein teures Übernahmerennen. Doch die spanische Hochtief-Mutter ACS und Atlantia wollten das verhindern und handelten deswegen hinter den Kulissen eine neue Transaktion aus.

Hochtief wird sein Angebot für Abertis modifizieren

Die Einigung sieht Mitteilungen von ACS und Hochtief zufolge so aus: Zunächst einmal zieht Atlantia seine mit dem Hochtief-Angebot rivalisierende Offerte für Abertis zurück. Die Italiener bestätigten, dass sie dazu bereit sind.

Hochtief werde sein Angebot zudem modifizieren - der Preis bleibe gleich, doch solle die bislang angekündigte Aktien-Komponente wegfallen. Die Essener machen damit eine Bar-Offerte von 18,36 Euro je Abertis-Aktie. Der deutsche Konzern solle Abertis letztlich von der Börse nehmen.

Zudem solle es bei Hochtief eine Kapitalerhöhung um knapp 6,5 Millionen Aktien geben - ACS werde diese Anteilsscheine für 146,42 Euro je Aktie übernehmen. Gleichzeitig werde ACS Hochtief-Aktien im Wert von bis zu 2,5 Milliarden Euro zum gleichen Preis an Atlantia veräußern, teilte Hochtief mit.

Letztlich halten sich beide Parteien dann bei Abertis knapp die Waage. Die von Hochtief zusammengekauften Abertis-Anteile sollen in einer Holding landen. Atlantia soll dort dann 50 Prozent plus eine Aktie kontrollieren und Abertis in die Bücher nehmen. Auf ACS entfallen rund 30 Prozent, auf das deutsche Unternehmen 20 Prozent.

Hochtief hatte erklärt, mit Abertis die Wertschöpfungskette verlängern zu wollen. Der Essener Konzern könnte dann gemeinsame Projekte mit der öffentlichen Hand wie Maut-Autobahnen planen, bauen und betreiben. Die vor allem in Italien starke Atlantia wollte mit den Spaniern den größten Mautstraßen-Betreiber Europas schmieden. Das hatte aber auch die spanische Regierung beunruhigt, da wichtige heimische Verkehrsadern unter ausländische Kontrolle geraten wären. Nun wollen ACS, Atlantia, Hochtief und Abertis ein Bündnis schmieden: Geplant sei eine Vereinbarung, um Synergien untereinander und mit Abertis "möglichst weitgehend zu nutzen".

Spanische ACS hat bei Hochtief das Sagen

ACS hatte Hochtief vor Jahren nach einem erbitterten Übernahmekampf geschluckt, sie halten knapp 72 Prozent der Anteile. Kontrolliert wird ACS von Real-Madrid-Präsident Florentino Perez, der als gut verdrahtet in der spanischen Politik gilt. An die Hochtief-Spitze hat er seinen Landsmann und Vertrauten Marcelino Fernandez Verdes entsandt, dieser ist auch Mitglied der ACS-Führung.

Die 2003 gegründete Abertis verwaltet mehr als 8600 Kilometer Mautstraßen weltweit. Allein in Spanien sind es knapp 1600 Kilometer, mehr als 60 Prozent der dortigen Mautstraßen. Die Spanier sind auch in Italien, Frankreich, Großbritannien und Südamerika aktiv. Mehr als 70 Prozent der Umsätze werden außerhalb des Heimatmarkts eingefahren. Im vergangenen Jahr war der Nettogewinn um 13 Prozent auf 897 Millionen Euro geklettert.

la/dpa/reuters

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