Freitag, 20. Juli 2018

Hapag-Lloyd-Großaktionär gibt sich kämpferisch Kühne will mit Hapag Lloyd CMA übernehmen - nicht umgekehrt

Hapag Lloyd: Die Reederei leidet seit Jahren unter Überkapazitäten

Große Pläne trotz knapper Kasse: Inmitten der Schifffahrtskrise hat Hapag-Lloyd-Großaktionär Klaus-Michael Kühne einen Übernahmeversuch des französischen Konkurrenten CMA CGM gekontert. Kühne bestätigte während der Hauptversammlung von Hapag-Lloyd am Dienstag, dass CMA CGM versucht habe, Hapag Lloyd zu übernehmen. Doch Kühne, dem rund 25 Prozent der Hapag-Anteile gehören, sieht die krisengebeutelte Reederei keinesfalls als Übernahmekandidaten: Nach Kühnes Vorstellungen soll es andersherum laufen und Hapag Lloyd solle CMA CGM übernehmen.

Klaus-Michael Kühne: "Wir wollen uns nicht von den Franzosen übernehmen lassen"

"Wir wollen uns nicht von den Franzosen übernehmen lassen," sagte Kühne vor den anwesenden Aktionären bei der Hauptversammlung von Hapag-Lloyd in Hamburg. "Allenfalls wollen wir die Franzosen übernehmen", fügte Kühne unter dem Applaus der Aktionäre hinzu.

Die Sache hat nur einen kleinen Haken: . Um den französischen Konkurrenten übernehmen zu können, fehlt Hapag derzeit schlicht das Geld. So hat Hapag-Chef Rolf Habben Jansen denn auch am Dienstag bekräftigt, weiter die Kosten senken zu wollen: Das Marktumfeld bleibe herausfordernd, sagte Habben Jansen. "Wir müssen eine wettbewerbsfähige Kostenstruktur sichern und noch effizienter werden. In diesem Zusammenhang haben wir bereits kurzfristige Maßnahmen eingeleitet, um uns auf der Kostenseite Entlastung zu verschaffen."

Habben Jansen hatte Ende Juni die Gewinnziele der Firma eingedampft. Statt deutlicher Zuwächse befürchtet er 2018 nun teils kräftige Einbußen. "Wesentliche Eckdaten auf der Kosten- und Ertragsseite haben sich marktbedingt sehr deutlich und außerhalb unserer Erwartungen entwickelt", erklärte er den Aktionären. Die Frachtraten hätten sich weniger stark entwickelt als zu Jahresbeginn angenommen. "Gleichwohl sehen wir aktuell eine positive Tendenz, die sich im zweiten Halbjahr weiter verfestigen sollte."

Die Schifffahrt steckt seit Jahren in der Krise, weil Überkapazitäten die Frachtpreise drücken. Hapag-Lloyd war nach vier verlustreichen Jahren 2015 dank Einsparungen in die schwarzen Zahlen zurückgekehrt.

Die französische Container-Reederei CMA CGM, Nummer drei der Branche, hatte in den vergangenen Monaten das Gespräch über einen Zusammenschluss mit Hapag-Lloyd (Nummer fünf der Branche) gesucht. Entsprechende Berichte der Nachrichtenagentur Reuters wurden am Dienstag von Kühne bestätigt. Die Großaktionäre, zu denen neben Kühne die Stadt Hamburg und die chilenische Reederei CSAV gehören, hätten den Vorstoß aber zurückgewiesen. Auch der Staatsfonds QIA aus Katar, der 14,5 Prozent an Hapag Lloyd hält, habe eine Übernahme durch CMA abgelehnt.

Die Schifffahrt steckt seit Jahren in der Krise, weil Überkapazitäten die Frachtpreise drücken. Mit einer Welle von Fusionen und Allianzen versucht die Branche gegenzusteuern. Hapag übernahm im vergangenen Jahr den arabischen Konkurrenten UASC, davor hatten sich die Hamburger bereits das Containergeschäft der chilenischen Reederei CSAV einverleibt. Nach der jüngsten Gewinnwarnung ist Hapag an der Börse noch rund 5,5 Milliarden Euro wert.

la/reuters

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