Samstag, 25. Juni 2016

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Aufstand gegen IHK "We want our money back"

Hamburger Handelskammer: Unternehmer wollen das System der Industrie- und Handelskammern von innen sprengen

In Hamburg wollen etwa ein Dutzend Unternehmer das jahrzehntealte System der Industrie- und Handelskammern von innen sprengen. Ihr Ziel: Abschaffung der Zwangsbeiträge, Transparenz über die Finanzreserven und auch das Gehalt des Hauptgeschäftsführers. Ein Erfolg der Rebellen würde den Verband deutschlandweit zum Beben bringen.

Hamburg - Tobias Bergmann will die offene Feldschlacht. Schon in den vergangenen Jahren saß der 42-jährige Gründer und Gesellschafter der Unternehmensberatung Nordlicht Management Consultants im Plenum der Handelskammer Hamburg, beließ es aber bei Sticheleien.

Jetzt hat er rund ein Dutzend Gefolgsleute um sich geschart, um ab April 2014 in das rund 60-köpfige Gremium wiedergewählt zu werden und Mehrheiten für eine kleine Revolution zu organisieren in einem der größten Wirtschaftsverbände der Republik: Die Handelskammer Hamburg vertritt immerhin rund 170.000 Unternehmen.

Zusätzlich motiviert fühlt sich Bergmann durch ein Urteil des Verwaltungsgerichts Koblenz. Das gab einem Unternehmen Recht, das gegen die millionenhohen Rücklagen der Industrie- und Handelskammer Koblenz geklagt hatte. Die wiederum werden aus Zwangsabgaben gespeist, gegen die sich die Unternehmen des Kammerbezirks nicht wehren können.

Bergmann aber ist der Weg über die Gerichte zu indirekt und kleinteilig. Er will den großen Wurf - auf dass sich dann auch andere Unzufriedene im Riesenreich des Deutschen Industrie- und Handelskammertag (DIHK) ermutigt fühlen. Dass er das als Bayer in Hamburg tut - geschenkt.

mm: Herr Bergmann, Sie organisieren in Hamburg eine Rebellion gegen die Führung der Handelskammer. Wohin soll das führen?

Bergmann: Wir organisieren einen Marsch durch die Institutionen. Uns geht es dabei nicht um einzelne Personen, wir stellen Grundsätze in Frage, wie die Kammern heute arbeiten, zum Beispiel das System der Zwangsabgaben und die Intransparenz bei den Bezügen. Wir wollen die Kammern als moderne Mitgliedsorganisationen. Heute sind sie in Teilen zu selbstgefällig und zu ineffizient - und bildet so einfach nicht mehr die Wirklichkeit in den Unternehmen ab, die die Kammer vertreten soll.

mm: Mit freiwilligen Abgaben wird sich das System aber kaum finanzieren lassen. Wie wollen Sie das System der Abgaben konkret verändern?

Bergmann: Zwangsorganisationen haben immer eine Tendenz zu Bürokratisierung und Ineffizienz - deshalb erfordern sie eine genaue Kontrolle. Bei den Kammerbeiträgen geht es uns in erster Linie um die Höhe. Die Kammer hortet heute Geld. We want our money back. Ich zahle als Unternehmen mit 30 Mitarbeitern eine satte vierstellige Summe im Jahr. Ihre Aufgaben kann die Kammer auch mit einem deutlich geringeren Beitrag erfüllen. Wir sollten künftig eine unabhängige Expertenkommission einrichten, die den tatsächlichen Finanzbedarf der Kammer ermittelt und einen Vorschlag für die Beiträge unterbreitet.

mm: Die Höhe der Kammerbeiträge wird aber doch vom Plenum festgelegt, deren Mitglieder von allen Hamburger Unternehmen gewählt werden. Das ist also ein demokratischer Prozess.

Bergmann: Formal stimmt das. De facto nicken die Gewählten aber nur ab, was die Geschäftsführung ihnen als Budgetvorschlag vorlegt - auch weil es an Transparenz fehlt und niemand nachfragt. Das wollen wir ändern. Was der Hauptgeschäftsführer verdient, ist beispielsweise ein streng gehütetes Geheimnis.

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