Mittwoch, 29. Juni 2016

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Milliardenauftrag in Russland Grubes geheime Mission bringt Bahn in Erklärungsnot

Heikle Mission: Bahn-Chef Grube will trotz der drohenden Eskalation des Konflikts in der Ost-Ukraine einen Milliardenauftrag mit Russland an Land ziehen

Die Krise in der Ost-Ukraine spitzt sich dramatisch zu. In dieser Phase plant Bahn-Chef Grube für einen Milliardenauftrag offenbar ein geheimes Treffen mit dem Chef der russischen Staatsbahn - dabei steht der Mann auf der Sanktionsliste der USA. Die Bahn dementiert.

Hamburg - Die politischen Unruhen in der Ost-Ukraine drohen zu eskalieren, die USA und EU drohen mit weiteren Sanktionen gegen Russland. Geschäfte mit der einstigen Weltmacht sind in so einer Situation ein heikles Unterfangen - erst recht für ein Staatsunternehmen wie die Deutsche Bahn.

"Business as usual" verbietet sich da im Grunde. Dennoch will Bahn-Chef Rüdiger Grube für ein deutsches Konsortium einen lukrativen Auftrag der russischen Staatsbahn RZD sichern und sich in geheimer Mission mit RZD-Chef Wladimir Jakunin in Paris treffen, berichtet das "Handelsblatt" unter Berufung auf Industriekreise.

Jakunin steht wegen der Krim-Krise auf der Sanktionsliste der USA. Vor diesem Hintergrund und des eskalierenden Konflikts in der Ost-Ukraine habe die Bahn ein offizielles Treffen mit dem mächtigen Manager in Moskau zuvor abgesagt, heißt es in dem Bericht.

Die russische Staatsbahn plant den Bau einer 800 Kilometer langen Strecke von Moskau nach Kasan. Zur Fußball-WM 2018 soll das 20 Milliarden Euro schwere Projekt fertiggestellt sein. Dem Konsortium gehören Siemens, Deutsche Bank, Deutsche Bahn und weitere Eisenbahnfirmen an. So soll an dem Geheimtreffen in Paris auch Guillaume Pepy, Chef der französischen Bahn SNCF, teilnehmen.

Bahn: Keine Gespräche über geplante Hochgeschwindigkeitsstrecke

Die Deutsche Bahn wollte dem Bericht zufolge die geänderten Reisepläne ihres Vorstandschefs Grube nicht kommentieren. Montagvormittag erklärte das Unternehmen, Grube reise am Dienstag nach Paris zur Versammlung des Weltverbandes der Eisenbahngesellschaften (UIC), dessen Präsident auch Wladimir Jakunin ist. Berichte, wonach es dabei Gespräche über die geplante Hochgeschwindigkeitsstrecke Moskau-Kasan geben werde, dementierte die Bahn als "schlichtweg falsch".

Grube selbst hatte zuletzt anlässlich seiner Reisepläne nach Moskau noch formuliert: "Über Jahrzehnte sind diese Partnerschaften mit viel Energie und Kraft aufgebaut worden, so etwas ist aber schnell zerstört." Dass Grube nun in in dieser Woche nach Paris reist, interpretieren Beobachter als heiklen Versuch, trotz politischer Unruhen ins Geschäft zu kommen und dabei nicht in die gleiche Falle zu tappen wie seinerzeit Siemens-Chef Jo Kaeser.

Sein Besuch in Moskau bei Präsident Wladimir Putin hatten russische Medien genüsslich ausgeschlachtet. Umgekehrt hatten die lobenden Worte des Siemens-Chefs über den russischen Autokraten dem Manager hierzulande scharfe Kritik eingebracht.

"Wenn der Siemens-Chef das Vorgehen Putins auf der Krim als 'kurzfristige Turbulenz' bewertet und die Wertegemeinschaft mit Putin beteuert, ist das peinlich und unverantwortlich", hatte etwa der Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses im Bundestag, Norbert Röttgen (CDU), kritisert. Der Christdemokrat warf Kaeser vor, damit die deutschen Interessen zu unterlaufen.

Diese Kritik wollte Bahn-Chef Grube offenbar umgehen und hinter den Kulissen trotzdem die Geschäftsinteressen der deutschen Industrie vertreten - mit dem Segen von Kanzlerin Angela Merkel, so scheint es. Wünscht sich die Regierungschefin doch dem Bericht zufolge , dass "der Kontakt zwischen Deutschland und Russland nicht abreißt". Gespräche und Treffen mit russischen Wirtschaftsvertretern sollten aber "diskret geführt werden".

Ob das Grube jetzt noch gelingt, scheint zweifelhaft.

rei

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