Montag, 20. August 2018

Auftragseingang auf Rekordhoch Gea schafft Trendwende, Aktie reagiert mit Kurssprung

GEA-Produktion in Bochum: Auftragseingang und Umsatz stiegen im zweiten Quartal auf Rekordhoch

Der kriselnde Maschinenbauer Gea Group kämpft sich weiter voran. Im zweiten Quartal konnte der Konzern den höchsten Auftragseingang verbuchen, der je in einem Vierteljahr erzielt wurde. Dank der jüngsten Übernahmen war auch der Umsatz auf einem Rekordstand. Gea wird deshalb für die Entwicklung der Erlöse 2018 optimistischer, bangt jedoch weiter um seine Margen. Auch machte der Euro dem Unternehmen erneut zu schaffen. An der Börse kamen die Nachrichten dennoch sehr gut an, hatten Analysten zuletzt doch heftig gestritten, ob und inwieweit Gea bei seinen Zielen zurück rudern muss.

Konzernchef Jürg Oleas hatte nach einem schwachen Jahresstart zunächst ein Fragezeichen hinter die Konzernziele gesetzt und diese vor allem vom Auftragseingang im zweiten Quartal abhängig gemacht. Dieser entwickelte sich zuletzt jedoch prächtig: Nach einem Rückgang zum Jahresauftakt konnte Gea von April bis Juni mit 1,38 Milliarden Euro ein Plus von 11,4 Prozent gegenüber dem Vorjahreswert verbuchen. Dieser Zuwachs kam vor allem durch mehr Aufträge mittlerer Größenordnung zustande, wie Gea am Montag in Düsseldorf erklärte.

Die Börse reagierte begeistert. Weil die befürchtete Gewinnwarnung ausblieb, stieg die im MDax Börsen-Chart zeigen notierte Aktie Börsen-Chart zeigen am frühen Morgen zeitweise um knapp 9 Prozent, zuletzt betrug das Plus noch rund 7 Prozent auf 33,96 Euro. Die Zahlen zum zweiten Quartal seien deutlich besser als erwartet ausgefallen, merkte Thorsten Reigber von der DZ Bank an. "Das Schlimmste für Gea scheint vorbei", kommentierten die Experten der Société Générale. Wichtige Kennzahlen begännen sich zu verbessern.

Operativer Gewinn gestiegen, starker Euro belastet allerdings

Im zweiten Quartal hatten sich für Gea auch jüngste Übernahmen ausgezahlt, der Konzern hatte zuletzt das slowenische Unternehmen Vipoll und die italienische Pavan-Gruppe zugekauft. Von April bis Juni stiegen die Erlöse um knapp 8 Prozent auf 1,23 Milliarden Euro, womit die Erwartungen der Analysten übertroffen wurden. Das Milchgeschäft vermeldete ebenfalls Zuwächse.

Das Betriebsergebnis (operatives Ebitda) kletterte auch dank Einsparungen um knapp 9 Prozent auf 133 Millionen Euro und übertraf damit die Erwartungen der Analysten. Allerdings reichte dies nicht aus, um den Rückstand durch den schwachen Jahresauftakt auszugleichen, wie Oleas einräumte. "Belastungen durch den starken Euro und Materialkostensteigerungen sowie der daraus entstehende Margendruck bedeuten nach wie vor große Herausforderungen für die Erreichung unserer Margenziele", erklärte er.

Gea rechnet für das laufende Jahr nunmehr mit einem Umsatzzuwachs am oberen Rand des Zielkorridors von plus 5 bis 6 Prozent, wobei hier Währungseffekte und Zukäufe nicht eingerechnet sind. Die operative Marge (Ebitda-Marge) wird hingegen nur am unteren Rand der Prognosespanne zwischen 12 und 13 Prozent gesehen. Auch dafür dürfte sich der Konzern noch anstrengen müssen, denn im ersten Halbjahr waren vom Umsatz als Betriebsergebnis lediglich 8,8 Prozent (Vorjahr: 10,2) übrig geblieben. Nach dem schwachen Jahresauftakt hatte Gea im zweiten Quartal die Marge immerhin deutlich verbessern und im Vergleich zum Vorjahr stabil bei 10,8 Prozent halten können.

Nachfolger für Jürg Oleas steht noch nicht fest

Gea kämpft seit Ende 2016 mit Problemen und hatte mehrfach seine Ziele herunterschrauben müssen. Vor allem das Ende des Booms in der Milchindustrie, mit der der Maschinenbauer einen großen Teil seines Umsatzes macht, hatte Gea in eine Misslage gebracht. Das Management sah sich zunehmend in der Schusslinie der Kritiker, der Vertrauensverlust auch an der Börse war groß. Druck kam auch von neuen Anteilseignern wie dem aktivistischen Investor Albert Frère aus Belgien. Auch der große Aktivist Elliott mit seinem streitbarem Chef Paul Singer ist bei Gea mittlerweile mit im Boot.

Der seit Ende 2014 amtierende Chef Jürg Oleas beugte sich und hat seinen Rückzug aus dem Konzern zur Hauptversammlung im April 2019 entschieden. Um einen Generationenwechsel in der Vorstandsriege einzuläuten, soll auch Finanzvorstand Helmut Schmale noch vor dem Ende seiner eigentlich bis März 2021 laufenden Amtszeit abdanken. Nachfolger hat das Unternehmen bislang noch nicht bekannt gegeben.

Aus Sicht von DZ-Experte Reigber dürfte 2018 trotz der Verbesserungen im zweiten Quartal ein herausforderndes Jahr bleiben. "Das Unternehmen hat noch einen langen Weg vor sich, das Investorenvertrauen wieder zurück zu gewinnen", schrieb er in einer aktuellen Einschätzung. Darin übt er auch Kritik an der noch immer offenen Personalfrage an der Unternehmensspitze und der unübersichtlichen Konzernstruktur.

mg/dpa-afx

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