Montag, 22. Oktober 2018

Dax-Konzern im Abwehrkampf Fünf Bundesländer wollen K+S als deutsches Unternehmen erhalten

Termin eigentlich Nebensache: Im Spurenanalytiklabor des neuen K+S Analytik- und Forschungszentrums sprechen Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow (Mitte) und K+S-Vorstandschef Norbert Steiner (l.) miteinander. Der Kali-Produzent hat rund 30 Millionen Euro in das neue Konzern-Forschungszentrum investiert. Der Neubau bietet bis zu Arbeitsplätze. K+S droht derzeit die feindliche Übernahme durch den kanadischen Wettbewerber Potash

Der Düngemittelhersteller K+S erhält im Übernahmepoker mit dem kanadischen Rivalen Potash erneut Rückendeckung aus der Politik. "Wir wollen, dass das Unternehmen ein in Deutschland ansässiges und von Deutschland aus geführtes Unternehmen bleibt", sagte der thüringische Ministerpräsident Bodo Ramelow am Montag.

Die Ministerpräsidenten von Thüringen, Hessen, Sachsen-Anhalt, Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen hätten sich gemeinsam darauf festgelegt, K+S als deutsches Unternehmen in der Region zu stabilisieren - "mit den Mitteln, die uns zur Verfügung stehen", sagte Raemlow anlässlich der Eröffnung eines neuen Analytik- und Forschungszentrum von K+S im thüringischen Unterbreizbach.

Ramelow hält eine feindliche Übernahme von K+S, größter Arbeitgeber in der infrastrukturschwachen Region, für den falschen Weg. "Eine feindliche Übernahme eines Konzerns ist zwar legitim im Weltmaßstab, aber keine hilfreiche Lösung hier vor Ort."

K+S-Chef Norbert Steiner machte deutlich: "K+S braucht Potash nicht. Potash braucht vielleicht K+S. Das ist der Punkt, an dem wir stehen", bekräftige er lediglich frühere Aussagen.

Der Vorstand hat das informelle Angebot von Potash von 41 Euro je K+S-Aktie wiederholt als zu niedrig abgelehnt. Steiner fürchtet, dass die vorgeschlagene Übernahme Arbeitsplätze und Standorte gefährdet. Ihre Offerte wollten die Kanadier bislang nicht erhöhen.

Den Rücken stärkte Ramelow K+S auch nach der Razzia in der vergangenen Woche wegen des Verdachts der unerlaubten Abfallentsorgung. "Das ist ein Statement, wenn ich hier stehe", betonte er. Es gelte die Unschuldsvermutung. "Die Ermittlungen werden so durchgeführt, wie es die Justiz für richtig hält." Diese wolle er nicht bewerten.

Auch Steiner wollte sich zu dem laufenden Verfahren nicht äußern. Ermittler hatten am vergangenen Mittwoch Büros und Geschäftsräume des Kasseler Unternehmens durchsucht. Ausgangspunkt war eine Strafanzeige von Gerstungen aus dem Jahr 2008. Die thüringische Gemeinde wirft K+S vor, von 1999 bis 2007 insgesamt 9,5 Millionen Kubikmeter Abfall, insbesondere Salzlauge, in unterirdische Gesteinsschichten der Gerstunger Mulde versenkt zu haben.

rei/reuters

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