Samstag, 18. August 2018

US-Konzern pocht auf Übernahmedeal Fresenius lässt Akorn-Kauf platzen, Anleger fürchten teuren Rechtsstreit

Fresenius: Die Übernahme des Generika-Herstellers Akorn wäre der zweitgrößte Deal der Firmengeschichte gewesen

Fresenius lässt die zweitgrößte Übernahme in der Firmengeschichte platzen. Der Bad Homburger Gesundheitskonzern kündigte die Vereinbarung über den rund 4,4 Milliarden Euro schweren Zukauf des US-Generika-Unternehmens Akorn auf. Die Amerikaner hätten mehrere Vollzugsvoraussetzungen nicht erfüllt, teilte Fresenius am Sonntagabend mit.

Der Entscheidung lägen unter anderen schwerwiegende Verstöße gegen Vorgaben der US-Gesundheitsbehörde FDA zur Datenintegrität bei Akorn zugrunde, die während der von Fresenius eingeleiteten, unabhängigen Untersuchung gefunden worden seien.

Die Übernahme wackelt bereits seit einigen Wochen. Fresenius ließ nach anonymen Hinweisen prüfen, ob Akorn falsche Angaben bei der Produktentwicklung gemacht hat.

Im Februar stellte der Dax-Konzern die Transaktion öffentlich in Frage. Akorn wäre der zweitgrößte Zukauf in der Fresenius-Geschichte nach der Akquisition des spanischen Klinkbetreibers Quironsa lud für 5,8 Milliarden Euro vor gut einem Jahr gewesen.

Akorn widersprach den Anschuldigungen von Fresenius. Es gebe keinen Grund, die Kaufpläne zu stoppen, teilte das US-Unternehmen später mit. Akorn wolle seine Rechte in der verbindlichen Fusionsvereinbarung durchsetzen.

Fresenius hält an Zielen für 2018 fest

Fresenius bestätigte den Konzernausblick für 2018. Das im Dax Börsen-Chart zeigen notierte Unternehmen erwartet unverändert einen währungsbereinigten Anstieg des Konzernumsatzes zwischen fünf und acht Prozent. Das Konzernergebnis soll währungsbereinigt um sechs bis neun Prozent steigen (exklusive der Kosten für die Weiterentwicklung des Biosimilars-Geschäfts um rund zehn bis 13 Prozent).

FMC senkt Umsatzprognose

Die Dialysetochter Fresenius Medical Care (FMC) hatte am vergangenen Samstag die Veräußerung ihres Mehrheitsanteils am Ärzte-Netzwerk Sound Inpatient Physicians Holdings angekündigt. Der daraus erwartete Buchgewinn vor Steuern von rund 800 Millionen Euro sei im Konzernausblick von Fresenius für 2018 nicht berücksichtigt.

Fresenius will die Ergebnisse des ersten Quartals wie geplant am 3. Mai veröffentlichen. FMC teilte am Sonntag mit, dass das Unternehmen im Gesamtjahr 2018 nun nur noch ein währungsbereinigtes Umsatzwachstum von fünf bis sieben Prozent erwarte, verglichen mit einem bisherigen Umsatzziel von rund acht Prozent. Grund seien Änderungen bei der Verabreichung bestimmter Medikamente.

Fresenius-Aktie gibt Gewinne wieder ab - Anleger fürchten Rechtsstreit

Nach ihren am Montagvormittag zunächst kräftigen Kursgewinnen von bis zu 3,5 Prozent sind die Fresenius-Aktien am Montag Mittag ins Minus gedreht. Mit einem Abschlag von 0,24 Prozent kosteten sie gegen Mittag nur noch 65,54 Euro. Im frühen Handel waren sie in der Spitze bis auf 68,24 Euro gestiegen.

Marktteilnehmer warnten davor, dass die zurückgezogene Übernahme noch mit Unsicherheiten behaftet sei. Nachdem das Dax-Unternehmen den milliardenschweren Zukauf des US-Generikaherstellers am Wochenende abgesagt hatte, könnte sich nun nämlich ein juristisches Nachspiel anbahnen. Denn die Amerikaner pochen auf die Einhaltung des abgeschlossenen Übernahmevertrags.

Bis zur endgültigen Klärung dürfte das Thema die Aktien weiter belasten, schrieb Analystin Veronika Dubajova von Goldman Sachs in einer aktuellen Studie.

la/reuters

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