Sonntag, 19. November 2017

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Aufbruchsstimmung bei Startups für Flugroboter Uber den Wolken - und andere "irre" Flugtaxi-Pläne

Konzeptzeichnung von Airbus' Vahana-Projekt: So stellt sich der Flugzeugbauer eine Personen-Drohne vor

Eines muss man dem umstrittenen Fahrdienst-Vermittler Uber lassen: Die Amerikaner verstehen sich darauf, mit auf den ersten Blick irrwitzigen Projekten für Aufmerksamkeit zu sorgen. Vor einigen Jahren etwa kündigte Uber an, eine eigene Abteilung für selbstfahrende Autos aufzubauen.

Ein Fahrdienst-Vermittler als Proponent von Roboterautos - diese Meldung ging um die Welt. Die Amerikaner angelten sich Volvo als Partner, mussten Tests ihrer selbstfahrenden Taxis in Pittsburgh aber wegen eines Unfalls und Problemen mit Behörden kurzfristig unterbrechen.

Mittlerweile laufen die Testfahrten weiter, doch Anfang Februar sorgte Uber mit einer interessanten Personalie für Aufsehen: Der Fahrdienst-App-Anbieter holte einen ehemaligen Nasa-Experten an Bord, der als Koryphäe für fliegende Autos gilt. Die Amerikaner positionieren sich damit ein Stück weit als Planer für die Verkehrskonzepte der Zukunft. Vor wenigen Tagen ließen sie durchblicken, wie sie sich das Mobilitätsgeschäft in der Luft vorstellen.

Schon ab 2020 will Uber fliegende Taxis anbieten, die sich per Elektroantrieb in die Luft erheben. Abheben und landen sollen sie auf eigenen Plätzen, die gleichzeitig als Ladestation für die fliegenden Elektrovehikel dienen. "Vertiports" nennt Uber diese Start- und Landestationen. Dafür tut sich Uber mit dem US-Ladenetzwerk Chargepoint zusammen, bei dem Daimler vor kurzem eingestiegen ist. Zum Einsatz kommen könnten die Uber-Flugdrohnen zur Personenbeförderung zuerst in den USA und im Arabischen Raum. Man sei bereits in Gesprächen mit Dallas-Fort Worth und Dubai, erklärte der Fahrdienstvermittler.

In 15 Minuten sollen die Flugtaxis zu 90 Prozent geladen sein

Und das Stromtanken soll laut Chargepoint in kurzer Zeit möglich sein. "Jeder Ladepunkt muss es schaffen, 25 Prozent Ladung in unter fünf Minuten zu schaffen", erklärt Chargepoint-Chef Pasquale Romano gegenüber manager-magazin.de. "Er wird eine Batterie von 25 bis auf 90 Prozent Akkuladung in unter 15 Minuten bringen", verspricht Romano. Das will Chargepoint schaffen, indem sie besonders schnelle Gleichstrom-Ladesäulen für Uber bauen.

Fliegende Fahrgastzellen, die computergesteuert und per Elektroantrieb durch die Lüfte schwirren - und das schon in knapp drei Jahren? Für viele Beobachter klingt der Plan ziemlich wahnsinnig. Doch völlig, pardon, abgehoben sind Ubers Pläne nicht. Denn in den vergangenen Monaten formierte sich eine Reihe an Unternehmen, die auf autonom fliegende Kleinflugzeuge zur Personenbeförderung setzt - und bereits erste Erfolge vorweisen kann.

So beginnt der niederländische Hersteller Personal Air and Land Vehicle (PAL-V) noch in diesem Jahr mit der Serienfertigung eines Flugautos - das allerdings herkömmlich mit einem Verbrennermotor angetrieben wird. Auch das slowakische Unternehmen Aeromobil will in den kommenden zwei bis drei Jahren mit der Auslieferung eines fliegenden Autos beginnen. Um diese Fahrzeuge zu steuern, sind aber Menschen notwendig, die Führer- und Flugschein besitzen. Zu Flügen starten und landen dürfen solche Fahrzeuge auch nur auf Flugplätzen - vorerst noch.

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Doch das ist erst der Anfang. Denn auch die ersten Roboter-Kleinflugzeuge mit Elektroantrieb befinden sich bereits in Erprobung. Das deutsche Startup Lilium etwa hat vor kurzem einen erfolgreichen Testflug mit einem Luftgefährt absolviert, das von Elektromotoren angetrieben wird. Der Stadtstaat Singapur will in den nächsten Monaten bereits mit der Erprobung von Flugtaxis beginnen, wie die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" vor kurzem berichtete.

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