Samstag, 15. Dezember 2018

Deutz-Vorstand Haase zum Thema Unternehmenskontrolle "Der Fisch stinkt vom Kopf her"

Margarete Haase: Bei Deutz im Vorstand - und mit deutlichen Worten zum Thema "Good Governance"

"Good Governance" liest sich wie ein langweiliges Modewort, betrifft aber die gesamte Leitungsetage eines Unternehmens, vom Aufsichtsrat zum Vorstand. Denn der Fisch stinke vom Kopf her, mahnt Deutz-Vorstand Margarete Haase.

mm.de: Jeder Topmanager bekennt sich zu den Prinzipien guter Unternehmensführung. Aber zeigen Skandale wie VW-Dieselgate nicht, dass Unternehmen in Wahrheit kaum dazulernen?

Haase: Der Fall ist aus meiner Sicht kein Zustandsbild der deutschen Wirtschaft. Immer mehr Manager verstehen durchaus, dass man ein Unternehmen nur erfolgreich führen kann, wenn man die Akzeptanz einer breiteren Öffentlichkeit hat. Die Kosten eines Reputationsschadens und eventuelle Strafen sind einfach zu hoch. Entscheidend ist, die "Good-Governance"-Grundsätze mit eigenen Ideen zu füllen, die zur jeweiligen Organisation passen.

mm.de: Sie betonen die Rolle des Aufsichtsrates bei "Good Governance". Wie sieht sie aus?

Haase: In der Vergangenheit war der Aufsichtsrat vor allem risikobegrenzend und sehr formal unterwegs, auf Absicherung bedacht. Heute geht es um andere Impulse: die Überprüfung der Strategie, bestimmte Portfoliokompetenzen, die das Unternehmen in seiner Breite abdecken und eben Compliance-Bewusstsein. Aufsichtsräte sollen heute alle Bereiche abdecken, die für das Unternehmen wesentlich sind. Sie schauen viel genauer hin, wenn es um die Besetzung von Vorstandspositionen geht: Wie beeinflusst der oder die Manager die Kultur? Verkörpert er die Prinzipien guter Unternehmensführung? Man will von vornherein Probleme vermeiden.

mm.de: Hat "Good Governance" auch Einfluss aufs Unternehmensergebnis?

Haase: Das lässt sich sehr schwer messen. Aber es ist auf jeden Fall teurer, gegen Regeln zu verstoßen als sie einzuhalten. Auch Regulierung kostet Geld. Doch illegitimes Handeln geht mit dem unkalkulierbaren Risiko eines Reputationsschadens einher. Wer die Akzeptanz seiner Kunden verliert, verliert auch betriebswirtschaftlich.

mm.de: Ist "Good Governance" die Sache des Topmanagements oder kann jeder Einzelne daran mitwirken?

Haase: Der Vorstand muss es vorleben. Und eine Kultur schaffen, in der jeder Mitarbeiter eigenständig verantwortlich handeln kann. Viele Unternehmen lassen die Ethikprinzipien ja inzwischen auch direkt von den Mitarbeitern unterschreiben. Damit wird ihnen Verantwortung übertragen. Die können sie aber nur wahrnehmen, wenn das Unternehmen auch tatsächlich so tickt wie in den Prinzipien beschrieben. An der Küste sagt man: "Der Fisch stinkt vom Kopf her".

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