Freitag, 20. Juli 2018

China-Drama und neue Partner Wie Frank Hiller den Motorenbauer Deutz umkrempelt

Deutz-Chef Frank Hiller: Das Joint Venture Deutz Dalian wird beendet, neue Allianzen in China sind möglich

Deutz-Chef Frank Hiller mistet beim Kölner Motorenbauer kräftig aus. Nun steigt er sogar aus einem Joint Venture in China aus - damit der Traditionskonzern endlich wieder an alte Glorie anknüpfen kann.

Es brauchte nur ein paar Wochen und einige Berater, schon wusste Frank Hillers (51), wie eine seiner Montagelinien um zehn Prozent effizienter laufen könnte. Für einen Fertigungsbetrieb wie den Kölner Motorenbauer Deutz mit jahrzehntealten, gut eingeschwungenen Prozessen kommt so etwas einem mittelgroßen Wunder gleich.

CEO Hiller braucht wohl ein paar Dutzend davon, um den mehr als 150 Jahre alten Konzern ins 21. Jahrhundert zu holen. Produktion, Einkauf, Service, Auftragsmanagement: Überall fahndet Hiller nach Reserven, um die Mini-Ebit-Marge von 2,9 Prozent im vergangenen Jahr - und so den Aktienkurs - hochzukriegen.

Deutz' Langzeitchef Helmut Leube (64), den Hiller Anfang 2017 ablöste, hat viel liegengelassen. Als Hiller das chinesische Joint Venture Deutz-Dalian durchleuchtete, wurde ihm schnell klar, dass er dessen Wert in den Büchern um bis zu 32 Millionen Euro abwerten müsste, also um mehr als die Hälfte.

Ende für Joint Venture Deutz-Dalian: Hände frei für neue Allianzen

Die verfahrene Chose mühsam retten? Lieber ganz raus, befand Hiller, und was Neues anpacken. Deutz trennt sich, wie der Konzern gerade bekannt gab, ganz von seinem langjährigen Partner, streicht dafür zwar nur noch 10 Millionen Euro ein, hat aber die Hände frei für neue Allianzen im Reich der Mitte. Verhandlungen mit zwei neuen chinesischen Partnern, sagt Hiller, "befinden sich bereits im fortgeschrittenen Stadium".

Deutz läuft seit Jahren Gefahr, dass die klangvolle Vergangenheit die Gegenwart überstrahlt. Hier entwickelte Nicolaus August Otto (1832 bis 1891) den Viertakter, hier holte sich Robert Bosch (1861 bis 1942) die Idee für seine Zündkerzen. Als Klöckner-Humboldt-Deutz (KHD) war der Konzern in den 1970er und 80er Jahren ein Gigant. Den Aufsichtsrat kommandierte einst Deutsche-Bank-Boss Hilmar Kopper (83).

Heute bauen 4200 Mitarbeiter Motoren für Gabelstapler oder Bagger. Und fast alle Motoren laufen mit Diesel - ausgerechnet. "Als ich in Köln antrat, habe ich mich erst mal erkundigt, ob es vielleicht Ärger geben könnte mit der US-Umweltbehörde EPA", erzählt Hiller. Antwort der Ingenieure: "Nein, alles sauber bei uns."

Kooperation mit Liebherr, Kauf von E-Motoren-Spezialist Torqeedo

"Dieselmotoren werden noch lange unser Hauptprodukt bleiben, weil sie für viele Anwendungen nicht ersetzbar sind", sagt er. Deshalb schloss Hiller auch eine Kooperation mit Liebherr. Deren große Diesel, die Deutz fehlen, vermarktet künftig er. Dafür sitzt Liebherr-Erbin Sophie Albrecht (38) nun in seinem Aufsichtsrat.

Aber Deutz Börsen-Chart zeigen braucht auch dringend E-Motoren. Weil das E-Know-how in Köln fehlt, kaufte Hiller im Herbst Torqeedo, Weltmarktführer für elektrische Bootsantriebe. Großaktionär Stephan Schambach (47), reich geworden als Softwareunternehmer (Intershop), werkelte schon am Börsengang in den USA. Aber Hiller überzeugte ihn: Deutz hilft Torqeedo beim Vertrieb, dafür elektrisieren die Bootsexperten künftig Antriebe der Kölner.

Im Aufsichtsrat traf Hiller mit dem teuren Deal auf einigen Widerstand. Er zog ihn trotzdem durch, was den Erfolgsdruck noch erhöht.

E-Deutz-Strategie für die Börse

Seine "E-Deutz"-Strategie soll natürlich auch die Börse erfreuen. Dort gilt Deutz seit dem Ausstieg von Großaktionär Volvo vergangenen Sommer als Übernahmekandidat, etwa für Baumaschinenkonzerne aus China. Wie schnell so etwas gehen kann, konnte der Schwabe Hiller kürzlich beim 10-Prozent-Einstieg des chinesischen Autobauers Geely bei Daimler Börsen-Chart zeigen studieren.

Jobhopper Hiller - er war schon bei ThyssenKrupp, MAN, F.X. Meiller und zuletzt Vorstand beim Autozulieferer Leoni - pendelt vom Familienwohnsitz am Starnberger See nach Köln. Damit ihm das die stadtstolzen Kollegen nicht übel nehmen, hat er sich einen Coup überlegt: Zum Sommerfest am kommenden Samstag (7. Juli) spielt Kölns Kultcombo "Höhner" auf.

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